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Impfzwang für Kinder wird kontrovers diskutiert

Eine Impfpflicht würde nicht überall gut ankommen

Kitas müssen Eltern ohne Impfberatungen seit Juni an die Gesundheitsämter melden. Elternvertretern geht das nicht weit genug. Aber eine Impfpflicht könnte Widerstand provozieren.

Was von der Hand in den Mund wandert, kann tödlich sein - deshalb raten Ärzte Eltern zum Impfen ihrer Kinder. "Die Hände sind der häufigste Übertragungsweg für Infektionserreger", sagt der Mainzer Kinder- und Jugendmediziner Professor Fred Zepp. Gerade im Kindergarten sei die Ansteckungsgefahr bei Masern besonders hoch. "Die Distanz, die uns Erwachsene manchmal schützt, haben Kinder noch nicht." Beim Eintritt in den Kindergarten mit drei Jahren sollten Kinder bereits gegen zwölf Krankheiten geimpft sein, empfiehlt der Kindermediziner.

Trotz hoher Impfquoten sind die Masern in Deutschland längst nicht ausgerottet. Bis Ende Mai sind in Deutschland 723 Menschen an Masern erkrankt, davon zwölf in Rheinland-Pfalz, gibt das Robert-Koch-Institut in seinem epidemologischen Bulletin bekannt. Die Infektionskrankheit kann zu einer Hirnhautentzündung und auch zum Tod führen.

Impfaufklärung soll verstärkt werden

Damit Eltern ihre Kinder auch wirklich impfen lassen, wollen Behörden und Ärzte stärker über Impfungen aufklären. Seit Anfang Juni gilt deshalb eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes. Kindertagesstätten müssen Eltern, die beim Eintritt ihrer Kinder in die Kita keinen Nachweis über eine Impfberatung vorlegen, an die Gesundheitsämter melden. Diese sollen dann auf die Eltern zugehen und Beratungen anbieten.

Dem Landeselternausschuss der Kitas in Rheinland-Pfalz (LEA) geht das neue Meldegesetz nicht weit genug. "Wir brauchen keine Melde-, sondern eine Impfpflicht", sagt der Vorsitzende Andreas Winheller. Wer sich wegen Vorerkrankungen nicht impfen lassen könne, solle ein entsprechendes Attest vorlegen müssen. Außerdem dürfe der Gesetzgeber die Verantwortung nicht auf die Kitas abdrücken, sondern müsse dafür sorgen, dass Kinder ohne Impfpass nicht mehr aufgenommen werden, sagt Winheller. Die Mitarbeiter in den Kitas seien ohnehin überlastet und sähen sich nun mit zusätzlichen Verwaltungsaufgaben konfrontiert.

Impfpflicht nur in Ausnahmefällen möglich

Eine Impfpflicht darf das Bundesgesundheitsministerium aber nur unter strengen Voraussetzungen anordnen. Nach dem Infektionsschutzgesetz muss dafür die Gefahr bestehen, dass sich eine schwerwiegende übertragbare Krankheit epidemisch ausbreitet. Die rheinland-pfälzische Landesregierung unterstützt die Meldepflicht und will lieber aufklären als verpflichten. "Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich vom Nutzen und der Sicherheit moderner Impfstoffe überzeugen können", teilt Sandra Keßler, Sprecherin des Gesundheitsministeriums, in Mainz mit.

Ohnehin sind die allermeisten Kinder in Rheinland-Pfalz - zumindest die etwas älteren - etwa gegen Masern geimpft. Daten der Schuleingangsuntersuchung aus dem Jahr 2015 zeigen laut Ministerium, dass 97,7 Prozent der Schulanfänger gegen die ansteckende Krankheit geimpft seien. Das seien mehr gewesen als der Bundesdurchschnitt, der bei 96,8 Prozent lag. Die zweite Masernimpfung hatten 93,7 Prozent der Schulanfänger, bundesweit waren es 92,8 Prozent. Im Jahr zuvor waren es in Rheinland-Pfalz ähnlich viele.

Fred Zepp, der auch Mitglied der ständigen Impf-Kommission des Robert-Koch-Instituts ist, sieht einen Impfzwang ebenfalls skeptisch. "Mit einer Impfpflicht würde man eher Widerspruch erzeugen. Viele dieser Menschen wollen das Thema verstehen und Impfungen nicht angeordnet bekommen." Ein großes Problem sei es, dass viele Menschen den Nutzen von Impfungen nicht wahrnehmen, sagt Zepp. "Impfungen sind inzwischen so erfolgreich, dass die Menschen viele Krankheiten gar nicht mehr sehen. Sie fragen sich dann, was Impfen überhaupt verhindern soll."

Die vom Robert-Koch-Institut öffentlich empfohlenen Impfungen werden von den Krankenkassen bezahlt. Wer sein Kind nicht impfen lasse, bringe auch andere Kinder in Gefahr, warnt Zepp. Denn "Kinder, deren Immunsystem gestört ist, können durch Impfungen nicht geschützt werden, weil sie nicht ausreichend Antikörper produzieren". Wenn sich aber alle anderen impfen ließen, könnten sich die Kinder mit Vorerkrankungen auch nicht anstecken.