Insektenstiche: Eine ernstzunehmende Gefahr für Allergiker

Notfallmedikationskit für Insektengiftallergiker empfohlen

Kann eine spezifische Immuntherapie mit Insektengift Allergikern helfen? In einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren kann einem Patienten monatlich niedrig dosiertes Insektengift injiziert werden, um den Körper schließlich normal auf einen Insektenstich reagieren zu lassen. Die Erfolgsquote liege bei 90 Prozent, so eine Rostocker Pneumologin.

Bienen- und Wespenstiche können harmlos sein, bei Allergikern aber schnell zu einer ernstzunehmenden Gefahr werden. "Im schlimmsten Fall führen sie sogar zum Tod durch Herz-Kreislauf-Versagen", sagt Dr. Andrea Bier, Pneumologin und Allergologin an der Unimedizin Rostock. Sie hat sich unter anderem auf Insektengiftallergien spezialisiert. Im Team der allergologischen Ambulanz der Abteilung für Pneumologie werden bis zu 50 Patienten im Jahr betreut.

Wie sich eine Allergie von einer normalen Reaktion unterscheidet, erklärt die Ärztin: "Gefährlich werden Insektenstiche wenn darauf Schwindel, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlag am ganzen Körper und Herz-Rhythmusstörungen folgen." Eine leichte Schwellung und Rötung seien hingegen normal. Selbst bei einer sehr ausgeprägten nur lokalen Reaktion, etwa einem angeschwollenem Arm, sei noch nicht von einer schweren Allergie auszugehen. Durch den kühlen und recht feuchten Sommer halte sich die Patientenzahl in dieser Saison noch in Grenzen, trotzdem sollten Allergiker stets auf der Hut sein. Ob im Garten oder im Wald - Bienen und Wespen sind zurzeit überall unterwegs. Die Pneumologin empfiehlt daher allen Patienten mit einer nachgewiesenen Insektengiftallergie, über die Sommermonate immer eine Notfallmedikation, bestehend aus einem Antiallergikum, Kortison und einer Adrenalinspritze, dabei zu haben.

Wirksamer ist hingegen eine spezifische Immuntherapie mit Insektengift, im Sinne einer Hyposensibilisierung. In einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren wird dem Patient monatlich niedrig dosiertes Insektengift injiziert. Die ersten drei Tage wird auf Station die schrittweise Erhöhung der Giftdosis beobachtet - die weitere Behandlung erfolgt ambulant. "Der Körper soll sich an das Gift gewöhnen und am Ende normal auf einen Insektenstich reagieren", so die Pneumologin. Die Erfolgsquote liege bei 90 Prozent, während Immuntherapien bei Pollenallergien nur bei jedem zweiten Patienten den gewünschten Erfolg bringen. Viele unterschätzen die Gefahr. Einige Patienten kommen erst in die Sprechstunde, wenn sie mehrfach gestochen wurden und schwere allergische Reaktionen erlebt haben, manche kommen sogar erst Jahre nach dem Stichereignis. Ein Allergietest bringt dann die Gewissheit. So lange sollten Menschen allerdings nicht warten und stattdessen beim ersten Verdacht einen Arzt aufsuchen.

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