Interview: "Eigentlich wollten wir nur Restimpfstoffe vermitteln"

In wenigen Tagen soll Sofort-impfen.de mit der Vermittlung von freien Impfterminen beginnen und verzeichnet bereits jetzt mehr als zwei Millionen Anmeldungen. Johannes Gerster hat die Plattform zusammen mit Freunden gegründet und erzählt im esanum-Interview, wie es dazu kam.

Zwei Millionen Anmeldungen in nur zwei Wochen

In wenigen Tagen startet Sofort-impfen.de mit der Vermittlung von freien Impfterminen über die Plattform. Damit sollen Ärztinnen und Ärzte entlastet werden und freie Termine schnell und unkompliziert an Interessierte vermittelt werden. Johannes Gerster hat die Plattform zusammen mit fünf weiteren Freunden gegründet und erzählt im esanum-Interview, wie sie darauf gekommen sind und was das Ärztinnen und Ärzte bringt.

esanum: Wie seid ihr auf die Idee für sofort-impfen gekommen?

Gerster: Eine Freundin hat mir erzählt, dass ihre Hausärztin sie angerufen und ihr kurzfristig einen Impftermin angeboten hat, der nicht vergeben wurde. Der Impfstoff wäre sonst am Ende des Tages entsorgt worden. Das hatten wir auch von anderen Ärzten gehört. Darum haben wir überlegt, wie man die wertvollen Restimpfstoffe ohne viel Aufwand an Interessierte vermitteln könnte, damit sie nicht im Müll landen und mehr Menschen geimpft werden können. Da haben wir uns überlegt, eine Plattform zu entwickeln, über die sich freie Termine digital verteilen lassen. Innerhalb von zwei Wochen war die Seite fertig gestellt. Was dann kam, hat uns aber selbst überrascht.

esanum: Was ist passiert?

Gerster: Eigentlich wollten wir mit sofort-impfen.de nur Restimpfstoffe vermitteln. Mittlerweile haben sich zwei Millionen Menschen angemeldet. Mit der Aufhebung der Priorisierung steigt der Bedarf an freien Impfterminen. Wir haben auch Anfragen von Impfzentren erhalten, die ihre Impfstoffe nicht verfallen lassen wollen, wenn Menschen ihren Termin kurzfristig absagen oder nicht zu ihrem Termin erscheinen. Für eine so große Zahl war die Plattform nicht gedacht. Damit alles reibungslos abläuft, haben wir uns entschlossen, die Software neu zu programmieren. Darum gibt es aktuell noch keine Vermittlungen, eintragen kann man sich aber trotzdem bereits. Mitte der Woche soll es losgehen.

esanum: Wie viele Menschen sind an dem Projekt beteiligt?

Gerster: Zum Kernteam gehören sechs Leute, die alle auch heute noch dabei sind. Mittlerweile haben wir aber auch zehn IT-Fachleute dazu geholt, damit wir die Plattform so schnell wie möglich programmieren und mit der Vermittlung beginnen können.

esanum: Wie ist es euch gelungen, so schnell ein ehrenamtliches Non Profit-Projekt in diesem Ausmaß und mit diesem Ziel aufzuziehen?

Gerster: Das ist uns so gut gelungen, weil wir aus unterschiedlichen beruflichen Bereichen kommen und jeder Fachkenntnisse mitgebracht hat, die nützlich waren. Unser Kollege Oliver ist IT-Berater, ein anderer Kollege betreibt eine Kaffeehauskette, eine Kollegin ist Rechtsanwältin, Wiebke arbeitet bei Gruner & Jahr, ich plane gerade ein Start-up im E-Commerce-Bereich zu gründen. Dieses Knowhow konnten wir in die Homepage einfließen lassen. Finanziert wird sofort-impfen.de durch Spenden.

esanum: Wie funktioniert sofort-impfen.de?

Gerster: Die Impfinteressenten müssen sich auf der Webseite nur mit ihrer Postleitzahl und einer E-Mail-Adresse registrieren, an die ihnen dann das Impfangebot geschickt wird. Wenn ihnen der Termin und der Impfstoff passen, können sie ihn annehmen. Wer das Angebot zuerst annimmt, bekommt den Termin.

esanum: Und was müssen Ärztinnen und Ärzte tun? Welche Informationen/ Unterlagen werden benötigt?

Gerster: Auf der Plattform gibt es einen weiteren Registrierbereich speziell für Ärzte, den man über einen Button in der oberen rechten Ecke erreicht. Ärzte müssen dort in einem digitalen Formular nur den Namen, die Adresse, die E-Mail-Adresse und die Webseite der Praxis oder des Impfzentrums eintragen und am Ende des Dokuments die Registrierung bestätigen. Dann dauert es noch ein paar Tage, bis die Daten überprüft wurden und sie eine E-Mail erhalten.

esanum: Wie funktioniert das Hinterlegen von freien Impfterminen?

Gerster: Wenn alle Daten überprüft wurden, erhalten die Ärzte ein persönliches Profil, über das sie ihre Terminverwaltung abwickeln können. Dort können sie einen oder mehrere freie Termine und den Impfstoff eintragen und sie für Impfinteressenten veröffentlichen. Dann erhalten alle Impfinteressenten in einem Umkreis von drei Kilometern automatisch ein Angebot. Die Praxis wird per Mail informiert, wenn einer ihrer veröffentlichten Termine vergeben wurde. Das lässt sich bei neuen Terminen genauso wiederholen.  

esanum: Warum sollten Ärztinnen und Ärzte sofort-impfen.de nutzen?

Gerster: Der Service ist kostenlos. Sie sparen Zeit, weil sie nicht alle ihre Patienten einzeln anrufen müssen. Und sie erreichen Menschen, die sich impfen lassen möchten. Die Praxen können über uns ihr gesamtes Impfmanagement abwickeln und so den Aufwand für ihr Team klein halten.

esanum: Viele Hausärzte möchten sich beim Impfen weiterhin an die ursprüngliche Priorisierung halten. Gibt mir sofort-impfen.de die Möglichkeit, zu selektieren?

Gerster: Nein, diese Funktion ist nicht eingeplant und funktioniert mit den wenigen eingegebenen Daten auch nicht. Aber die Ärzte bestimmen ja dennoch selbst, welche Termine und Impfstoffe sie freigeben möchten.

esanum: Gilt das Angebot von sofort-impfen.de deutschlandweit? Gibt es bereits Statistiken, die aufzeigen, welche Städte am meisten vertreten sind und in denen das Angebot am häufigsten genutzt wird?

Gerster: Das Angebot gilt deutschlandweit. Natürlich melden sich in den größeren Orten mehr Menschen an als in den kleinen. Momentan ist der Suchradius auf drei Kilometer um den angegebenen Ort beschränkt. Es wäre bei Bedarf aber auch möglich, ihn zu erweitern.

esanum: Wie steht es um den Datenschutz?

Gerster: Mit den Daten gehen wir sparsam um. Es werden nur Daten verwendet, die für die Vermittlungsfunktion wichtig sind. Der Arzt kann Zeit und Impfstoff eintragen, aber weitere Daten werden nicht ausgetauscht. Die Impfinteressenten müssen nur ihre Postleitzahl und eine E-Mail-Adresse angeben, an die ihnen dann das Impfangebot geschickt wird.

esanum: Wie wird das Projekt von der Ärzteschaft angenommen? Wie viele haben sich angemeldet und wie viele Impftermine wurden auf diese Weise vergeben?

Gerster: Das wurde sehr gut angenommen. Das Portal zählt aktuell rund zwei Millionen Impfinteressenten und über 600 impfende Ärzte. Damit kommen auf einen Arzt 1.400 Impfwillige.

esanum: Könntet ihr euch weitere Aktionen bezogen auf die Online-Terminvergabe bei Ärzten vorstellen?

Gerster: Nein. Wir machen das alle ehrenamtlich neben unseren eigentlichen Berufen. Wir wollen keine Konkurrenz von Jameda oder Doctolib werden, sondern uns wirklich nur auf die Impfungen gegen COVID-19 beschränken.

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