Jumping-Breast-Phänomen: hinlänglich bekannt, wenig erfasst

In der kosmetischen Chirurgie ist das Jumping-Breast-Phänomen hinreichend bekannt. Dennoch gibt es kaum Literatur darüber. In der onkologischen Brustchirurgie wurde das Problem bislang sogar völlig ignoriert, obwohl die Deformation der Brust mitunter schwerwiegend ist und die Patientinnen darunter erheblich leiden.

Beschreibung und Einteilung in Schweregrade kürzlich erstmals veröffentlicht 

In der kosmetischen Chirurgie ist das Jumping-Breast-Phänomen hinreichend bekannt. Dennoch gibt es kaum Literatur darüber. In der onkologischen Brustchirurgie wurde das Problem bislang sogar völlig ignoriert, obwohl die Deformation der Brust mitunter schwerwiegend ist und die Patientinnen darunter erheblich leiden.

Was ist das Jumping-Breast-Phänomen?

Das Jumping-Breast-Phänomen ist eine Komplikation, die in Folge einer subkutanen Mastektomie auftritt, wenn nach  Entfernen des Brustgewebes ein subpectorales Implantat eingesetzt wird. Bei dem Phänomen treten unter Kontraktions des Brustmuskels Falten und Kräuselungen an einer Brust auf, die mit einer Hebung des Mamillenaureolenkomplexes von teilweise bis zu fünf Zentimetern und Deformation des oberen und/oder unteren Quadranten einhergehen. Besonders davon betroffen sind schlanke Patientinnen mit einer dünneren subkutanen Fettschicht.

Vor Kurzem wurde nun erstmals eine Unterscheidung in drei Schweregrade des Phänomens vorgenommen. Leidet die Patientin unter der Erscheinung, ist der Schweregrad dabei immer mit mindestens zwei zu bewerten.

Schweregrad I

Falten oder Kräuselungen an einer Brust im Vergleich mit der anderen Seite ohne Beeinträchtigung der Form des oberen Quadranten, möglicherweise mit Hebung des Mamillenaureolenkomplexes (caudal Jumping Breast)

Schweregrad II

Deutliche Ausformung von Falten und Kräuselungen der Haut im oberen inneren Quadranten, möglicherweise mit Hebung des Mamillenaureolenkomplexes (cranial Jumping Breast)

Schweregrad III

Phänomen tritt sowohl in cranialer als auch caudaler Ausformung auf, möglicherweise mit Hebung des Mamillenaureolenkomplexes

Maßnahmen

Eine mögliche Lösung zur Vermeidung des Jumping-Breast-Phänomens stellt der Wechsel der Vorgehensweise dar: Erprobt wurde statt der üblichen subpectoralen die epipectorale Implantattasche, mit der nach neuesten Forschungsergebnissen mehr als 50 Prozent der Patientinnen nach der ersten Operation zufrieden waren. Ebenso ein Wechsel der Lage des Implantats von subpectoral nach epipectoral nach der ersten Operation erwies sich – trotz der Schwere eines zweiten Eingriff – für Patientinnen, bei denen bereits Probleme aufgetreten waren, als Möglichkeit.

Sollten in Folge einer prepectoralen Einbringung des Implantats Faltenbildungen oder ein Hervortreten der Implantatränder zu beobachten sein, was besonders bei sehr schlanken Patientinnen häufiger vorkommt, kann nach Beendigung des Wundheilungsprozesses in einem zweiten Schritt ein Lagenwechsel von pre- nach subpectoral problemlos erfolgen und damit das Risiko des Jumping-Breast-Phänomens erheblich gesenkt werden.

Zusammenfassung

  1. Das Jumping-Breast-Phänomen tritt weitaus häufiger auf als bisher gedacht.
  2. Primärprophylaxe erzielt die besten Ergebnisse.
  3. Es ist mehr Forschung notwendig, was den Einfluss des Jumping-Breast-Phänomens auf Lebensqualität und die Häufigkeit operativer Eingriffe betrifft.

Quelle: Sherko Kümmel: How to Avoid the Jumping Breast Phenomenon After Implant Reconstruction, Lecture, 10th International Charité Mayo Conference, Berlin, 03.04.2019

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