Kann man den Alkoholismus rückgängig machen?

Wissenschaftler aus dem Scripps Research Institute haben nun einen Weg gefunden, den Trinkdrang im Tiermodell komplett zu unterdrücken.

Die Alkoholkrankheit ist die Abhängigkeit von der psychotropen Substanz Ethanol.

Die Beschaffung und der Konsum von Alkohol bestimmen das Leben zunehmend. Typisch sind fortschreitender Verlust der Kontrolle über das Trinkverhalten bis zum zwanghaften Konsum, Vernachlässigung früherer Interessen zugunsten des Trinkens, Leugnen des Suchtverhaltens, Entzugserscheinungen bei vermindertem Konsum, Toleranz gegenüber Alkohol (Trinkfestigkeit) sowie Veränderungen der Persönlichkeit.

9,5 Millionen Menschen in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Etwa 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Nur etwa zehn Prozent unterziehen sich einer Therapie – oft erst viel zu spät nach zehn bis 15 Jahren einer Abhängigkeit. Jedes Jahr sterben in Deutschland 74.000 Menschen an den direkten und indirekten Folgen ihres Alkoholmissbrauchs. Die volkswirtschaftlichen Kosten belaufen sich auf 26,7 Milliarden Euro, davon sind allein 7,4 Milliarden direkte Kosten für das Gesundheitssystem

Die durch Alkohol ausgelösten Emotionen werden in der Amygdala gespeichert

Die in The Journal of Neuroscience publizierte Studie basierte auf früheren Erkenntnissen über das für die Suchkrankheiten verantwortliche Zentrum im Gehirn, nämlich die Amygdala.

Die Amygdala ist wesentlich an der Entstehung der Angst beteiligt und spielt allgemein eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren: Sie verarbeitet externe Impulse und leitet die vegetativen Reaktionen dazu ein. Darüber hinaus werden die durch Alkohol ausgelösten Emotionen in der Amygdala gespeichert, was zu der Suchkrankheit führen kann. Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2004 belegen, dass die Amygdala bei der Wahrnehmung jeglicher Form von Erregung, also affekt- oder lustbetonter Empfindungen, unabdingbar und vielleicht am Sexualtrieb beteiligt ist.

Das Suchverhalten der Tiere konnte unterdrückt werden

Für seine Forschung entwickelte Giordano de Guglielmo ein Tiermodell, bei dem die Alkohol-sensitiven Neurone ein spezifisches Protein als Tracer produzieren, somit können die Eigenschaften dieser Neurone genau beobachtet werden. Danach wurde ein Wirkstoff injiziert, der ausschließlich die “Alkohol-Neurone” deaktivieren sollte. Das Ergebnis war beeindruckend. Das Suchverhalten der Tiere wurde komplett unterdrückt und zwar für eine lange Zeit, es schien als ob die Mäuse nie ein Suchtverhalten hatten.

Die für die Entzugsbehandlung eingesetzten klassischen Substanzen (z.B. Clomethiazol, Diazepam) sorgen nur für 20 bis 40 Prozent Trinkreduktion, da das Suchtverhalten meist sehr stark internalisiert ist.

Bei den Experimenten lag jedoch die Erfolgsquote nahezu bei 100 Prozent, da das Suchtgedächtnis praktisch gelöscht wurde.

“Es schaut aus, als ob wir die Achillessehne der Alkoholkrankheit entdeckt haben”, sagt Dr. De Guglielmo amüsiert. “Überraschenderweise gaben die Mäuse nicht nur die Trinksucht auf, sondern entwickelten darüber hinaus auch keine Entzugssymptomatik!”

Die nächste Herausforderung wäre, die Forschungsergebnisse auf den Menschen zu übertragen und eine Möglichkeit zu finden, wie die Alkohol-Neurone nicht invasiv und sicher nachgespürt und dann neutralisiert werden können.

Sicherlich wäre es auch ein interessanter Ansatz für andere Suchtkrankheiten wie Spiel- und Drogensucht.

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