Kardiovaskuläres Risiko bei rheumatoider Arthritis

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Rheumatoide Arthritis verdoppelt das Risiko für Herzkrankheiten bei Betroffenen. Dennoch schrumpft die Häufigkeit der auf diese Weise entstandenen Erkrankung immer weiter.

Zu verdanken ist dieser Trend den verstärkten Bemühungen zur Prävention von Herzproblemen, sowie einer frühen Diagnosestellung und Behandlung. Diese Erkenntnisse wurden vor kurzem beim alljährlichen Meeting des American College of Rheumatology in San Francisco, Kalifornien, präsentiert.

Inflammation ist bekannt dafür unsere Blutgefäße zu schädigen und deshalb einer der vielen Risikofaktoren für die Entstehung der Koronaren Herzkrankheit (KHK).

Patienten, die an Rheumatoider Arthritis (RA) leiden, tragen eine generell erhöhte Zahl inflammatorischer Prozesse in sich. Dies betrifft nicht nur die klassischerweise betroffenen Gelenke der Patienten, sondern auch viele andere Organe und Gewebe.

Die mit RA assoziierte Inflammation im Körper verursacht zum Beispiel die progrediente Verstopfung von Arterien und begünstigt die Bildung arteriosklerotischer Plaques – eine Substanz bestehend aus eingeschlossenem Cholesterol, Calcium und Strukturproteinen, welche die Gefäße bei entsprechender Größe verstopfen und den Blutfluss vermindern kann.

Wenn eine solche Plaque rupturiert und Teile von ihr in die freie Blutbahn gelangen, aktiviert dies die Gerinnung und kann zur kompletten Stenose kleinerer Blutgefäße führen. Häufige Konsequenzen einer solchen Plaqueruptur sind Herzinfarkte oder ischämische Schlaganfälle.

Entzündungen können aber auch in den Wänden der Herzen von Patienten mit RA entstehen. Dies kann das ohnehin erhöhte Risiko für eine Herzinsuffizienz nochmal erhöhen. Symptome einer Herzinsuffizienz, wie zum Beispiel Knöchelödeme, Dyspnoe und Erschöpfung sind ebenfalls weit verbreitete Symptome der RA und werden möglicherweise deshalb oft als Warnzeichen einer eigentlichen Herzinsuffizienz übersehen.

RA kann auch zu einer Entzündung des Perikards, des 2-schaligen Beutels der das Herz umgibt, führen. Die entzündeten Verschiebeschichten reiben dabei gegeneinander und verursachen einen scharfen und intensiven Brustschmerz.

Menschen mit RA haben zudem ein höheres Risiko für Vorhofflimmern, eine Herz-Rhythmus-Störung, die in engem Zusammenhang mit Herzinsuffizienz, Schlaganfällen und Herztod steht.

Die Beherrschung der inflammatorischen Prozesse ist bei Patienten mit RA daher essentiell, um das Herz genau wie die Gelenke zu schützen.

Herzerkrankungen können schon innerhalb von einem Jahr auftreten

Frühere Studien haben gezeigt, dass Menschen mit RA ein bis zu zwei Mal höheres Risiko für kardiologische Probleme vorweisen als Patienten ohne RA. Solche Probleme können schon innerhalb des ersten Jahres nach Diagnosestellung in Erscheinung treten.

Obwohl die dafür relevanten Entstehungsmechanismen noch nicht vollständig verstanden sind, ist es unabdingbar die RA selbst und all ihre Komplikationen rund ums Herz so früh wie möglich zu behandeln, um so vermeidbaren Schaden zu verhindern.

Die Bemühungen das Risiko zu reduzieren zahlen sich aus

Die aktuelle Studie zeigt, dass die gegenwärtigen Bemühungen zur Prävention einen positiven Effekt auf das Risiko von Patienten mit RA für kardiovaskuläre Krankheiten haben.

Forscher unter der Leitung von Dr. Elena Myasoedova, PhD, eine Rheumatologin an der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, analysierten die Todesfälle durch Herzerkrankungen in zwei Patientengruppen innerhalb von 10 Jahren mit der Diagnose rheumatoiden Arthritis.

Die eine Gruppe bestand aus 315 Patienten, welche die Diagnose RA zwischen  den Jahren 2000-2007 erhielten. Die zweite Gruppe umfasste 498 Patienten mit RA, welche ihre Diagnose aber schon in den 1980er und 1990er Jahren bekamen. Eine Kontrollgruppe bestand aus 813 Probanden, die an einem Herzleiden verstorben waren aber keine RA hatten. Circa 2 von 3 untersuchten Patienten waren Frauen.  Das Durchschnittsalter betrug 60 Jahre.

Der Anteil der RA-Patienten die an einer Herzerkrankung verstorben waren betrug in der Gruppe der 80er und 90er Jahre 7,9%. In der Gruppe die erst zwischen 2000-2007 an RA erkrankten starben lediglich 2,8% an einem Herzleiden.

Auch die Tode, die spezifisch nur durch eine KHK verursacht wurden waren in der jüngeren Gruppe geringer. Innerhalb der von 2000-07 diagnostizierten Gruppe starben nur 1,2% an dieser Erkrankung, währenddessen in der Gruppe der 90er Jahre noch 4,7% an einer KHK verstorben sind. Die 1,2% der jüngeren Patientengruppe entsprechen in etwa dem Anteil, der auch in der Normalbevölkerung zu erwarten ist.

Dr. Myasoedova sagt: “Mehr Forschung ist notwendig, um zu verifizieren warum die Todesfälle durch Herzerkrankungen bei Patienten mit rheumatoider Arthritis zurückgegangen sind. Aber mögliche Gründe dafür sind ein früheres und wachsameres Screening für Herzprobleme, eine verbesserte Behandlung von Herzerkrankungen und rheumatoider Arthritis sowie eine im allgemeinen größere Aufmerksamkeit für die Gesundheit des Herzens bei Patienten mit rheumatoider Arthritis.”

Text: esanum / pvd

Foto: JPC-PROD / Shutterstock.com

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