Kliniken: Bessere Pflege durch gemischte Teams

Die Diagnose ist eindeutig: An den Kliniken im Land krankt es an Fachkräften für die Pflege. Das Rezept hingegen ist vielschichtig: Teams unterschiedlicher Ausbildung sollen Krankenschwestern mehr Zeit für die Arbeit mit den Patienten freiräumen.

Mehr Spielraum für Vorgaben bei Personaleinsatz gefordert

Die Diagnose ist eindeutig: An den Kliniken im Land krankt es an Fachkräften für die Pflege. Das Rezept hingegen ist vielschichtig: Teams unterschiedlicher Ausbildung sollen Krankenschwestern mehr Zeit für die Arbeit mit den Patienten freiräumen.

Das Klinikpersonal wünscht sich mehr Zeit für die Pflege der Patienten am Bett - wird aber durch Überlastung und Dokumentationspflichten davon abgehalten. Diese Diagnose stellt zumindest die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG). Verbandschef Detlef Piepenburg forderte am Mittwoch in Stuttgart, von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angedachte Vorgaben zum Personaleinsatz müssten Spielräume erhalten.

75 Prozent der Krankenhäuser im Südwesten entlasten ihm zufolge ihre Pflegekräfte bereits durch einen Qualifikationsmix mit Servicehelfern, medizinischen Fachangestellten oder Patientenbegleitern. Examinierte Krankenschwestern müssten von überbordender Bürokratie befreit werden, sagte Piepenburg. Ein normaler Fall werde auf nicht weniger als 1200 Seiten dokumentiert. "Die Zeit dafür fehlt für die Behandlung und Pflege der Patienten und führt zu einer sinkenden Arbeitszufriedenheit."

Pflegekräfte sind Mangelware

Solche Aufgaben müssten delegiert werden können, um der Personalnot der Kliniken und Pflegeheime entgegenzuwirken, die Piepenburg zufolge einen Rekordwert erreicht hat. 75 Prozent der Krankenhäuser und der Rehakliniken haben laut einer BWKG-Umfrage Probleme, Pflegekräfte zu finden. Bei den Altenpflegeeinrichtungen sind es sogar über 90 Prozent. Das seien die schlechtesten Werte seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2010. Piepenburg: "Das sind erschreckende Zahlen."

Ähnlich sei das Bild bei den Ärzten: 72 Prozent der Rehakliniken und 64 Prozent der Krankenhäuser finden kaum Mediziner. Bereits jetzt sind laut BWKG rund 400 Stellen bei den Ärzten und 1200 Stellen bei den Pflegern im Land unbesetzt. Beim Fachpersonal sei die Schweiz ein scharfer Wettbewerber, auch wenn die Löhne im Südwesten schon über dem Bundesschnitt lägen. Pflegekräfte verdienten dort weit mehr als die durchschnittlich 3500 Euro Brutto monatlich im Südwesten.

Die hohen Lohnkosten im Südwesten - etwa 10.000 Euro pro Kraft mehr im Jahr als in Mecklenburg-Vorpommern - finden zum Bedauern der BWKG aber in der Vergütung durch die Krankenkassen keinen Niederschlag. Das treibe die Krankenhäuser in die roten Zahlen. Im Bundesvergleich ist der Anteil der Krankenhäuser mit Verlust - 38,5 Prozent - mit Abstand am höchsten. "Für die Unterfinanzierung der Krankenhäuser sind natürlich nicht nur die unzureichend finanzierten Betriebskosten verantwortlich", sagte BWKG-Hauptgeschäftsführer Matthias Einwag. Auch bei den Investitionen bestehe Nachholbedarf. Im Jahr seien 600 Millionen Euro nötig, um die Häuser instand zu halten. Das Land investiert in diesem Jahr 455 (Vorjahr: 463) Millionen Euro in den Krankenhausbau. 2019 sollen es noch 438 Millionen Euro sein - wobei auch dieser Wert 100 Millionen höher ist als noch 2010. Der SPD-Sozialexperte Rainer Hinderer forderte hingegen eine Austockung der Mittel.

In der Altenpflege sind nach Worten Piepenburgs die von Minister Spahn in Aussicht gestellten 13.000 Stellen, davon voraussichtlich 1700 für Baden-Württemberg, ein erster Schritt. Allerdings sei unklar, woher die Kräfte kommen sollten. Flüchtlinge könnten die Lücken in der Pflege nicht schließen. Mangelnde Sprachkenntnisse bei den Zuwanderern und fehlende Akzeptanz bei den Patienten stellten Hürden dar.

Mehr zum Thema: Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, sieht für den stärkeren Kampf gegen die Personalnot die Kliniken am Zug.

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