Kolorektale Adenome

Männer, die mindestens zweimal pro Woche Joghurt konsumieren, leiden statistisch signifikant seltener an kolorektalen Adenomen als solche, die niemals Joghurt essen.

Regelmäßiger Joghurt-Konsum senkt das Risiko für kolorektale Karzinomvorläufer bei Männern

Männer, die mindestens zweimal pro Woche Joghurt konsumieren, leiden statistisch signifikant seltener an kolorektalen Adenomen als solche, die niemals Joghurt essen. Die Risikoreduktion ist umso deutlicher, je

ist (vgl. Abb. 1). Frauen hingegen profitieren nicht durch den Verzehr von Joghurt.1

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Abb. 1: Odds Ratio und 95%-Konfidenzintervall der Risikoreduktion durch Joghurt-Konsum bei Männern. – A: Kolorektale Adenome nach Subtypen in der HPFS; B: Nur konventionelle Adenome nach Befundlokation in der HPFS (nach [1]).

Das sind die Ergebnisse einer prospektiven Auswertung von Daten von 32.606 männlichen Teilnehmern der Health Professionals Follow-up Study (HPFS) und 55.743 Teilnehmerinnen der Nurses' Health Study (NHS), die sich zwischen 1986 und 2012 einer Endoskopie des Unterbauchs unterzogen hatten.1

Daten aus dem Schatz großer Längsschnittstudien

Die Autoren der aktuellen Studie um Xiaobin Zheng von der Abteilung für Public Health der Washington University School of Medicine in St. Louis, Missouri, USA und der Sun Yat-sen University in Guangzhou, China, verstehen ihre Untersuchung als Antwort auf die Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren für kolorektale Adenome. Diese wird von Wissenschaftlern als dringend für eine erfolgreiche Prävention von kolorektalen Karzinomen angemahnt.2

Für ihre Studie griffen die Forscher auf die Datensammlungen der HFPS und NHS zurück, die über Jahrzehnte prospektiv zusammengetragen wurden. Die Datensammlungen der beiden Längsschnittstudien erlauben in diesem Fall rasche Aussagen zu vermuteten Risikofaktoren ohne auf den jahrelangen Vorlauf neuer prospektiver Studien angewiesen zu sein. U.a. enthalten die beiden Untersuchungen Angaben zum Joghurt-Konsum der Teilnehmer, der im Abstand von jeweils vier Jahren erfasst worden war und jetzt ausgewertet wurde. Grundlage der aktuellen Auswertung bildeten 5.811 Fälle von Dickdarm-Adenomen bei Männern sowie 8.116 Fälle von Dickdarm-Adenomen bei Frauen die unter den Teilnehmern der HPFS und NHS für die Jahre 1986 bis 2012 identifiziert wurden.

Wirkmechanismen derzeit noch nicht exakt bekannt

Joghurt, so die Wissenschaftler, werde in US-amerikanischen Diät-Richtlinien als fettfreies bzw. fettarmes Milchprodukt empfohlen.3 Der durchschnittliche Joghurt-Konsum in den USA sei jedoch gering, obwohl Joghurt das Risiko zumindest von konventionellen kolorektalen Adenomen verringern zu können scheine. Als potentieller Schutzmechanismus von Joghurt würde u.a. diskutiert, dass Joghurt-Probiotika wie Lactobacillus bulgaris und Streptococcus thermophilus die Konzentration von Karzinogenen im Darm reduzieren können. Bei solchen Karzinogenen handele es sich etwa um Nitroreduktase, fäkal-aktivierte Bakterien-Enzyme und/oder lösliche fäkale Gallensäuren. Außerdem würden eine anti-inflammatorische Wirkung und eine Förderung der Barrierefunktion im Darm durch Joghurt erwogen.

Aus der letztgenannten vermuteten Joghurt-Wirkung leiten die Autoren auch die zunächst überraschende Beobachtung her, dass ausschließlich Männer von vermehrtem Joghurt-Konsum profitierten. Männliche Adenom-Patienten, so die Studienautoren, litten im Vergleich zu erkrankten Frauen an einer erhöhten Permeabilität ihres Darms. Joghurt, so vermuten die Forscher, könnte dieser entgegenwirken und so den geschlechtsspezifischen Effekt erklären.

Die ausgeprägtere Schutzwirkung vor Adenomen im proximalen gegenüber dem distalen Dickdarm führen die Wissenschaftler auf den nach distal abnehmenden pH im Darm zurück, der zunehmend schlechtere Umgebungsbedingungen für Joghurt-Probiotika nach sich ziehe.

Referenzen:
1. Xiaobin Zh, et al. Yogurt consumption and risk of conventional and serrated precursors of colorectal cancer. Gut Published Online First: 17 June 2019. doi: 10.1136/gutjnl-2019-318374
2. Davenport JR, et al. Modifiable lifestyle factors associated with risk of sessile serrated polyps, conventional adenomas and hyperplastic polyps. Gut. 2018; 67: 456-465. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5432410/pdf/nihms836935.pdf
3. U.S: Department of Health and Human Services and U.S. Department of Agriculture. Department of Agriculture. 2015 – 2020 Dietary Guidelines for Americans. 8th Edn, 2015. https://health.gov/dietaryguidelines/2015/guidelines/

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