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Kostendruck rückt Ernährungsintervention stärker in den Fokus

Die Ernährungstherapie reduziert die Verweildauer von unter- und mangelernährten OP-Patienten im Krankenhaus, erfordert aber das rechtzeitige Einbeziehen von Ernährungsmedizinern in den Operationsprozess.

Die Ernährungstherapie reduziert die Verweildauer von unter- und mangelernährten OP-Patienten im Krankenhaus, erfordert aber das rechtzeitige Einbeziehen von Ernährungsmedizinern in den Operationsprozess.

Satellitensymposium “Ernährungstherapie beim chirurgischen Patienten: Chancen und Risiken aus medizinischer und ökonomischer Sicht”, unterstützt von B. Braun Melsungen AG.

Unter- und Mangelernährung stellen bei chirurgischen Eingriffen einen zusätzlichen Risikofaktor dar. Jeder vierte Patient ist in deutschen Krankenhäusern bei Aufnahme oder Einlieferung mangelernährt. In einigen Fachbereichen wie Geriatrie mit 56,2 Prozent, Onkologie mit 37,6 Prozent und Gastroenterologie mit 32,6 Prozent liegen die Zahlen noch einmal deutlich höher. Mit rund 8 Prozent sind gynäkologische Abteilungen am seltensten mit mangelernährten Patienten konfrontiert.

Diese Statistiken präsentierte Dr. Carl Meißner, Facharzt für Allgemeinchirurgie sowie Notfall- und Ernährungsmedizin am Klinikum Magdeburg, in einem Satellitensymposium auf dem 133. Chirurgiekongress in Berlin. Er bezog sich damit auf die Pirlich-Studie zur Mangelernährung. Meißner ist gemeinsam mit seinem “Chef” Professor Karsten Ridwelski einer der Hauptprotagonisten in Deutschland, wenn es darum geht, Ernährungsmedizin in den prä- und postoperative OP-Prozess einzubinden.

Wie so häufig auf diesem Chirurgiekongress spielten Kostengesichtspunkte und die Ökonomie eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, fachbereichsübergreifend nach Lösungen zu suchen, die am Ende nicht nur den Budgets der Krankenkassen zugute kommen, sondern eben vor allem den Patienten. Ernährungstherapie und Schmerztherapie sind nur zwei Beispiele dafür. Fest steht, dass die zeitige Ernährungsintervention in der OP-Vorbereitung und postoperativ zunehmend an Bedeutung gewinnt.

“Eine Mangelernährung kann bei Patienten zu einer Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes um 43 Prozent führen”, erklärte Meißner. Bis zu 3.000 Euro Mehrkosten kann das pro Patient bedeuten. Ein guter Ernährungszustand schlägt sich entsprechend in einer kürzen Aufenthaltsdauer nieder und wirkt sich insgesamt positiv auf die Rekonvaleszenz aus. Insbesondere bei Tumorerkrankungen erleiden bis zu 70 Prozent der Patienten einen Gewichtsverlust bedingt durch geringeren Appetit, häufiger vorkommenden Durchfällen, Infektionen oder Nebenwirkungen von Medikamenten sowie Übelkeit und Erbrechen. Im Gegenzug erhöht sich aufgrund der zu geringen Nährstoffaufnahme das Risiko für Infektionen.

Problempatienten rechtzeitig identifizieren

Am Klinikum Magdeburg werden alle Patienten hinsichtlich einer Mangelernährung gescreent, indem sie einen Fragebogen im Vorfeld einer OP ausfüllen müssen. Abhängig vom Schweregrad der Mangelernährung und der Dringlichkeit der OP setzt dann eine Ernährungsintervention ein, die präoperativ eine bis zu 14-tägige enterale Ernährung bedeuten kann. Auch mit Trinklösungen wird gearbeitet. Bei Operationen, die nicht unmittelbar zeitkritisch sind, verschiebt das Ärzteteam gegebenenfalls eine Operation bei einem zu schweren Grad an Mangelernährung. “Unser Chefarzt schickt den Patienten dann nach Hause”, so Meißner.

Postoperativ werden abhängig vom Zustand des Patienten individuelle Ernährungsregime erstellt, die auch nach der stationären Entlassung fortgeführt werden können. Für Meißner ist klar: “Allein das Gespräch zur Ernährung stellt für den Patienten einen eindeutigen Benefit dar. Für ein Krankenhaus wird das zunehmend zu einem Qualitätsmerkmal.” Eine Parallele zur Schmerztherapie: Die Einbindung des Patienten erhöht dessen Zufriedenheit.

Doch inwieweit ist die Ernährungstherapie in dem Behandlungsprozess institutionell verankert? Dr. Verena Alexandra Müller, Fachärztin für Allgemeine Chirurgie an der Berliner Charité, machte in ihrem Vortrag deutlich, dass ernährungstherapeutische Aspekte sowohl in deutschen als auch internationalen Leitlinien kaum vorhanden sind. Einigkeit herrsche in den Leitlinien darüber, dass eine orale Nahrungszufuhr so lange wie möglich aufrechterhalten und im Idealfall nicht unterbrochen werden soll. Sondensysteme, Ernährungspumpen oder parenterale Ernährung sollten alternativ postoperativ so schnell wie möglich zum Einsatz kommen. “Morbidität, Mortalität und die Verweildauer sinken dadurch”, erklärte Müller.