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Krebs: 40 Prozent Abweichung zwischen Erst- und Zweitmeinung

Dr. Udo Beckenbauer -Gründer von Krebszweitmeinung.de

Gespräch mit Dr. Udo E. Beckenbauer, Internist in München und Gründer der Internetseite Krebszweitmeinung.de. Das Projekt unterstützt seit fünf Jahren Ärzte und Patienten und organisiert Zweitmeinungen zu Krebserkrankungen von Tumorboards oder Einzelexperten. 

esanum: Wie funktioniert die Krebszweitmeinung.de für den Patienten? Worin besteht Ihr Service?

Beckenbauer: Wir vermitteln  Zweitmeinungen zu Therapie- und Diagnostik von komplexen Krankheitsbildern an den Patienten. Der Patient findet uns im Netz oder über seine Versicherung. Er ruft an, landet bei unserem Case Manager und wir vermitteln den Fall an Experten. Wir digitalisieren das Krankheitsbild und fragen ein renommiertes Tumorboard oder einen Experten aus einer Universität zu dem Fall. Dann bekommen wir innerhalb von einigen Tagen eine Beurteilung des Falls, ob er diagnostisch und therapeutisch richtig aufgearbeitet wurde. Das heißt zum Beispiel: die Diagnostik ist komplett oder sie ist nicht komplett. Und: wir würden diese oder jene Therapie empfehlen. Diese Zweitmeinung bekommt der Patient und damit geht er zu seinem Doktor. Entscheiden muss aber immer noch der behandelnde Arzt mit seinem Patienten.

esanum: Sehen die Experten den Patienten persönlich oder kennen sie nur die Unterlagen?

Beckenbauer: In der Regel ist es so, dass die Expertenmeinungen ohne persönliche Vorstellung erstellt werden. Der Gesamtzustand oder auch die Komorbiditäten gehen aus den Unterlagen hervor. Wir haben aber auch Institute, wie die Charité in Berlin, die eine Zweitmeinung nur nach persönlicher Vorstellung des Patienten abgeben.

esanum: Wer sind die Experten, die hinter der jeweiligen Zweitmeinung stehen?

Beckenbauer: Wir fragen natürlich nicht irgendeinen, sondern hochspezialisierte Leute, die das Thema tagtäglich vor sich haben. Das sind universitäre Einrichtungen, die in dem speziellen Fach aktiv sind und akademische Lehrkrankenhäuser oder Zentren, die beispielsweise nichts anderes machen als Hodenkrebs behandeln.

esanum: Wie sind Sie auf die Idee zu der Seite gekommen?

Beckenbauer: Wir hatten das zusammen mit der Felix-Burda-Stiftung bereits für den Darmkrebs eingerichtet – als Charity-Projekt. Und dabei haben wir festgestellt, dass es in 40 Prozent der Fälle zu Abweichungen zwischen Erstmeinung und Zweitmeinung kam. Das heißt, es gab eine fehlende Diagnostik oder eine nicht optimale Therapie. Das hat uns überrascht. Dadurch haben wir gesehen, dass es einen großen Bedarf für die fundierte Zweitmeinung gibt. Da müssen wir besser werden in Deutschland. Also haben wir das für alle Krebsarten entwickelt.

esanum: Wie oft kommt es durch Ihre Experten und deren Zweitmeinung zu Abweichungen von der ersten Diagnose und Therapie?

Beckenbauer: Genau wie bei unseren ersten Erfahrungen beim Darmkrebs: es läuft insgesamt auf ca. 40 Prozent Abweichungen hinaus. Die Deutsche Krebsgesellschaft sieht das ähnlich.

esanum: Wie wird der Service angenommen?

Beckenbauer: Die Zweitmeinung ist ja ein tägliches Geschäft in jeder Klinik. Der Patient hat das Recht auf die Zweitmeinung. Doch das wissen nicht einmal alle Ärzte - wenn der Patient fragt, müssen sie das aber bieten. Wir bieten eine Dienstleistung, die das Ganze auf sehr hohem Niveau vereinfacht. Wir wollen eine neutrale Zweitmeinung geben – und gehen nicht merkantil vor, indem wir die Patienten etwa verschicken. Das machen wir nicht.

esanum: Wie viele Zweitmeinungen haben Sie bereits vermittelt?

Beckenbauer: Wir liegen jetzt bei 2000 Fällen pro Jahr. Tendenz kontinuierlich steigend.

esanum: Wie wird die Dienstleistung vergütet?

Beckenbauer: Wir haben Verträge mit etwa 27 Versicherungen. Die erstatten die Kosten. Einige gesetzliche Versicherungen tun das nicht.

esanum: Wie reagieren die behandelnden Ärzte auf die abweichende Zweitmeinung?

Beckenbauer: Die meisten finden das gut. Das ist eine gute neue Dienstleistung, daran haben die meisten echtes Interesse. Die behandelnden Ärzte sehen, dass sie bessere Dienstleistungen liefern, dass es auch andere Wege der Therapie gibt. Und 90 Prozent nehmen die Zeitmeinung auch an und ändern ihr therapeutisches Vorgehen. Das hat mit Befindlichkeiten nichts zu tun. Es ist doch klar, dass nicht jeder die gleiche Qualifikation haben kann. Schließlich gibt es bei solchen Diagnosen eine große Verunsicherung bei den Patienten. Es geht um das Empowerment der Patienten und Ärzte. Das onkologische Wissen verdoppelt sich alle 2 Jahre!!

esanum: Wie geht es weiter? Bauen Sie den Service aus?

Beckenbauer: Ja, wir werden das jetzt für die Kardiologie anbieten: Vorhofflimmern, Klappenersatz und koronare Herzerkrankungen. Es geht um eine verbesserte Information und Versorung der Patienten. Wir haben in Deutschland ein Informationsdefizit. In der Hinsicht sind wir leider ein digitaler Trümmerhaufen. Ein bisschen ändert sich das hoffentlich durch uns.