Krebserkrankungen bei Männern: warum soziale Unterstützung wichtig ist

Jedes Jahr erkranken in Deutschland ungefähr 500.000 Menschen an Krebs. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird in den nächsten Jahren mit einem weiteren Anstieg der Krebserkrankungen gerechnet.

Wenn eine schwere Diagnose überbracht werden muss, baut ein Arzt gerne auf die soziale und familiäre Unterstützung des Patienten. In entsprechenden Schulungen wird explizit darauf hingewiesen, dass eine vertraute Person zu dem Gespräch gebeten werden kann. Instinktiv wird darauf vertraut, dass der Patient, wenn er nur nicht allein gelassen wird, die Situation irgendwie bewältigt.

Das soziale Umfeld hilft bei der Bewältigung einer Erkrankung

Dieses instinktive Wissen wurde in den letzten Jahren zunehmend durch wissenschaftliche Befunde untermauert. Hobfoll formulierte in den Neunzigern das “communal coping”, um ausdrücken, dass die Bewältigung eines Schicksalsschlags als gemeinschaftliches Projekt zu verstehen ist. Ute Schulz und Ralf Schwarzer von der Freien Universität Berlin untersuchten in der Berliner Studie zur Lebensqualität nach Tumoroperationen 457 Patienten. Die Forscher stellten fest, dass Alleinstehende von weniger sozialer Unterstützung berichten. Dies scheint zunächst naheliegend, kann aber womöglich weitreichende Konsequenzen für die Behandlung haben.

Alleinstehende Männern mit Krebserkrankung sind depressiver

Hannah Dale und ihr Team von der University of St Andrews haben sich in ihrer aktuellen Studie vor allem auf Männer konzentriert. Sie schlossen in ihre Studie 127 Männer über 18 Jahren mit Krebsdiagnose ein. Die Daten erhoben sie von April 2009 bis April 2011. Sie erfassten sowohl demographische Faktoren, wie auch Daten zu sozialer Unterstützung, Depression und Angst. Studienteilnehmer, die alleinstehend oder geschieden waren neigten dabei eher zu Depression als Männer, welchen eine Partnerin oder ein Partner zur Seite stand. Außerdem zeigte sich, dass jüngere Männer von mehr Angst berichteten als ältere Männer.

Alleinstehende Männer als Risikogruppe?

Depressionen und Angst verschlechtern nicht nur das subjektive Befinden der Patienten in einer ohnehin schwierigen Lage, sondern können sich auch auf die Therapie negativ auswirken, da sie eventuell eine gute Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient behindern. Es ist deshalb essentiell, dass diese begleitenden Faktoren dem Arzt von Anfang an präsent sind. Alleinstehende Männer könnten als Risikogruppe besonderer Beachtung bedürfen.

Hannah Dale fasste zusammen: “Männer haben gewöhnlich kleinere soziale Netzwerke als Frauen und benötigen deshalb mehr Unterstützung von ihren Partnern. Männern, die getrennt oder geschieden leben mangelt es an dieser Unterstützung. Diese Gruppe könnte gefährdeter sein an Depressionen zu erkranken”.

Im Sinne des patient-centered care, also einer individualisierten Behandlung, könnte es in Zukunft wichtig sein, Risikopatienten zu Beginn der Behandlung zu erfassen und einer intensivierten psychologischen Betreuung zuzuführen.

 Quellen:

Krebs in Deutschland 2009/2010.
9. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Hrsg). Berlin, 2013

Hobfoll, S.E., Freedy, J. R., Lane, C. & Geller, P. (1990). Conservation of social support resources: Social support resource theory. Journal of Social and Personal Relationships, 7, 465-478.

Schulz, U., Schwarzer, R. Partnerschaftliche Bewältigung einer Krebserkrankung: //userpage.fu-berlin.de/~health/materials/partner.pdf

British Psychological Society (BPS). “Psychological problems in men experiencing cancer.” ScienceDaily. ScienceDaily, 4 December 2014. <sciencedaily.com/releases/2014/12/141204074152.htm>.

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