Kritik an neuem Berliner Warnsystem durch Amtsarzt

Berlin führt ein eigenes Corona-Warnsystem ein. Es arbeitet mit Ampelfarben. Aber so einfach, wie die Sache scheint, ist es nicht. Amtsarzt Patrick Larscheid ist noch nicht völlig überzeugt.

Zahlenentwicklung ist wichtiger als absolute Zahlen

Berlin führt ein eigenes Corona-Warnsystem ein. Es arbeitet mit Ampelfarben. Aber so einfach, wie die Sache scheint, ist es nicht. Amtsarzt Patrick Larscheid ist noch nicht völlig überzeugt.

Das neue Berliner Warnsystem für die Corona-Pandemie ist aus Sicht des Reinickendorfer Amtsarztes Patrick Larscheid nicht der Weisheit letzter Schluss. In dem Ampelsystem sind die Reproduktionsrate, die Zahl der Neuinfektionen und die Belegung der Intensivbetten mit COVID-19-Erkrankten die entscheidenden Warnfaktoren. Wird beispielsweise die Marke von 20 Neuinfektionen pro 100.000 EinwohnerInnen innerhalb von sieben Tagen erreicht, schaltet die Ampel von Grün auf Gelb, bei 30 Neuinfektionen auf Rot. Larscheid kritisiert diese Grenzwerte als willkürlich. "Die Zahl 20 und 30, für die gibt es überhaupt keine Grundlage, die ist völlig aus der Luft gegriffen", sagte er.

"Ich muss Zahlenentwicklungen im Blick haben, das ist viel wichtiger als absolute Werte. Insofern bin ich mit diesem System nicht so richtig glücklich." Für Larscheid gilt dieser Kritikpunkt allerdings auch für die in der vergangenen Woche zwischen Bund und Ländern getroffene Festlegung von 50 Neuinfektionen pro 100.000 EinwohnerInnen: "Die alte Regel hat genau dieselbe Schwäche, dass die bloße Zahl völlig willkürlich war. Das sind beides keine guten Modelle."

Unklarheit von Folgeschritten bei Ampel-System

Aus Larscheids Sicht nicht überzeugend ist auch die Kombination der drei Faktoren: "Wenn Sie verschiedene Dinge koppeln, müssen Sie eine Idee haben, warum Sie das tun", sagte er. Dass gerade diese drei Aspekte gewählt worden seien, sei einfach so entschieden worden.

Für den Amtsarzt stellen sich noch weitere Fragen: "Wenn wir in dieser gelben Phase sind, heißt das ja, es soll beraten werden, wie man weiter verfährt. Was aber nicht gesagt wurde: Wie sollen diese Beratungen aussehen? Und wer berät denn da?"

Differenzierte Betrachtung bei überschrittenen Grenzwerten erforderlich

Wenn Grenzwerte überschritten werden, erfordere das eine sehr differenzierte Betrachtung, sagte Larscheid: "Was ist der Hintergrund? Was könnte die Ursache für einen Anstieg sein? Habe ich mehrere größere gut kontrollierte Ausbrüche innerhalb eines bestimmten Bereiches?"

Larscheid warnt davor, nicht auf solche Zusammenhänge zu schauen. "Die bloße Fixierung auf feste Werte kann schnell zu einer Situation führen, die für eine hohe Zahl von Menschen zu Einschränkungen führt, obwohl das überhaupt nicht nötig wäre."

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