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Künstliche Befruchtung wird immer gefragter

Weil viele Paare sich später für Kinder entscheiden, werden künstliche Befruchtungen immer beliebter. Ein Paar erzählt, wie es die Behandlung erlebt hat.

Prozedur kann zu einem "kleinen Nervenkrieg" werden

Weil viele Paare sich später für Kinder entscheiden, werden künstliche Befruchtungen immer beliebter. Ein Paar erzählt, wie es die Behandlung erlebt hat.

Sie seien ein "kleiner Nervenkrieg", sagt Sandra Freytag. Diese Tage, an denen man wartet. Darauf, wie viele Eizellen reif sind, wie viele sich befruchten lassen und vor allem darauf, ob der Schwangerschaftstest positiv ist. Sandra Freytag und ihr Mann Daniel wünschen sich wie viele Paare ein Kind. Nur dass Freytag auf natürlichem Weg nicht schwanger werden kann. Ein Eileiter sei entfernt worden, der andere beschädigt, erzählt sie. Ihre letzte Hoffnung: eine künstliche Befruchtung.

Wie das Paar aus dem Harz entscheiden sich immer mehr Menschen dazu, bei einem unerfüllten Kinderwunsch auf die Reproduktionsmedizin zu setzen. Bei den Kliniken in Sachsen-Anhalt zeigt sich eine steigende Nachfrage. 2014 gab es in den beiden Unikliniken in Magdeburg und Halle und im Kinderwunschzentrum Magdeburg nach eigenen Angaben insgesamt etwa 1000 künstliche Befruchtungen mit einer Eizellen-Entnahme. Im vergangenen Jahr waren es bereits rund 1130. Hinzu kamen mehrere hundert Inseminationen, bei denen Sperma in die Gebärmutter injiziert wird.

Auch die Anträge auf eine Landesförderung, mit der Sachsen-Anhalt ungewollt kinderlose Paare unterstützt, nehmen zu. 2015 wurden laut Landesverwaltungsamt 366 solcher Anträge für künstliche Befruchtungen gestellt, im vergangenen Jahr waren es 599. Für maximal drei Behandlungszyklen gibt es je bis zu 900 Euro, unabhängig davon, ob das Paar verheiratet ist oder nicht. Bei gesetzlichen Krankenkassen sieht das anders aus. Hier werden die Kosten für drei Versuche - je nach Kasse 50 bis 100 Prozent - in der Regel nur für Ehepaare übernommen.

Als Sandra und Daniel Freytag 2012 beginnen, sich über künstliche Befruchtungen zu informieren, sind sie nicht verheiratet. Es folgt eine Blitz-Hochzeit Anfang 2013. Im März startet der erste Zyklus im Kinderwunschzentrum Magdeburg. Sandra Freytag ist damals 37 Jahre alt, ihren Mann hat sie erst wenige Jahre vorher kennengelernt. "Ab da konnte ich mir vorstellen, ein Kind zu bekommen", sagt sie.

Den Partner spät getroffen, Karriere oder Reisen vorgezogen – Gründe, weshalb der Kinderwunsch aufgeschoben wird, gibt es viele. "Früher war die Familienplanung mit 30 abgeschlossen. Heute fangen Frauen mit 30 an, über eine Familie nachzudenken", sagt Ingrid Nickel, Mitinhaberin des Kinderwunschzentrums in Magdeburg. Das Durchschnittsalter von Frauen, die in ihre Praxis kommen, liege bei 33 Jahren – das sei im bundesweiten Vergleich noch jung. "In München oder Hamburg liegt es bei 38 Jahren."

Der gesellschaftliche Wandel sei ein Grund, weshalb der Bedarf an künstlichen Befruchtungen zunehme, erklärt Reproduktionsmedizinerin Petra Kaltwaßer von der Uniklinik Halle. Denn mit dem zunehmendem Alter von Frau und Mann verändere sich die Qualität von Eizellen und Spermien, und das Risiko für Erkrankungen steige, die den spontanen Eintritt einer Schwangerschaft erschweren oder unmöglich machen können. Allerdings warnt Kaltwaßer auch davor, dass zu viele künstliche Befruchtungen durchgeführt werden. "Bei vielen Paaren, die zu uns kommen, spielt auch der Rat zu einer gesünderen Lebensweise eine wichtige Rolle." Denn Rauchen, Stress oder Übergewicht können die Fruchtbarkeit verschlechtern.

Und selbst wenn die künstliche Befruchtung als einzige Option bleibt - erfolgreich ist die Behandlung längst nicht immer. "Ab einem Alter von 30 Jahren sinkt bei der Frau die Erfolgsrate für eine spontane Schwangerschaft, aber auch für alle anderen Methoden. Die meisten unterschätzen das und setzen alle Hoffnungen in uns", sagt Kaltwaßer. Ähnliches erzählt Praxisinhaberin Nickel. Interessierte Paare frage sie häufig, wie hoch sie selbst die Chance schätzen, bei einer künstlichen Befruchtung schwanger zu werden. "Manche sagen 80 bis 90 Prozent", so die Ärztin. Die Realität ist eine andere. Pro Zyklus werden etwa 35 bis 40 Prozent der Frauen schwanger. Die Geburtenrate liegt bei rund 20 Prozent.

Auch bei Sandra Freytag bleiben die ersten Behandlungszyklen erfolglos, trotz verschiedener Zusatzleistungen, die das Paar aus eigener Tasche bezahlt. "Wir haben alles probiert und nach jedem Strohhalm gegriffen", sagt Freytag. Eine maximale Anzahl an Behandlungszyklen gibt es nicht, Grenzen werden meist durch die Kosten gesetzt. Rund 3000 bis 5000 Euro sind pro Zyklus fällig. Und auch die psychische Verfassung könne ein Grund sein, die Behandlung besser zu beenden, sagt Nickel. "Den Paaren muss man dann erklären, dass es auch ein Leben ohne Kind geben kann."

Sandra und Daniel Freytag erleben nach dem fünften Versuch schließlich den Moment, auf den sie so lange gewartet haben: Im September 2014 ist der Schwangerschaftstest positiv. Inzwischen ist ihr Sohn fast drei Jahre alt – und das Paar wünscht sich ein zweites Kind. Weil Sandra Freytag inzwischen 41 ist, werden die Kosten nicht mehr von der Krankenkasse übernommen. Sie geben ihr Erspartes für die Behandlung aus. Der Zyklus - es soll nur diesen einen geben - läuft, Anfang Februar wird Freytag erfahren, ob sie schwanger ist. Sie weiß, dass die Chancen aufgrund ihres Alters gering sind. "Aber", sagt ihr Mann, "wir wollen uns nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben."