Leitlinien-Empfehlungen zur Männerbrust

Die Männerbrust, auch als Gynäkomastie bezeichnet, tritt am häufigsten bei stark übergewichtigen Männern, bei einem manifesten Testosteromangel (Hypogonadismus) sowie teilweise auch medikamentös bedingt auf. Die EAA erlies nun eine neue Leitlinie mit 15 Empfehlungen zu diesem Krankheitsbild.

Die Chirurgie ist nur die letzte aller Möglichkeiten

Die Männerbrust, auch als Gynäkomastie bezeichnet, tritt am häufigsten bei stark übergewichtigen Männern, bei einem manifesten Testosteromangel (Hypogonadismus) sowie teilweise auch medikamentös bedingt auf. Charakteristisch ist eine sichtbar stärker werdende Formveränderung der männlichen Brust nach weiblichem Vorbild. Die Europäische Akademie für Andrologie (EAA) erlies nun eine neue Leitlinie mit 15 Empfehlungen zu diesem Krankheitsbild.

Bei der Gynäkomastie handelt es sich um eine benigne Zunahme des Brustgewebes beim Mann. Das Krankheitsbild ist dabei nicht selten, sondern tritt in Abhängigkeit vom jeweiligen Lebensalter bei zwischen 32% und 65% der Männer auf. Während die "Männerbrust" bei Kindern und Jugendlichen mit Ablauf der Pubertät meist von selbst wieder verschwindet, ist sie beim erwachsenen Mann deutlich hartnäckiger. Bei etwa jedem zweiten betroffenen erwachsenen Mann findet sich zudem eine zugrundeliegende Störung / Erkrankung.

Das Ziel der Brustuntersuchung beim Mann mit Gynäkomastie ist es, die zugrundeliegenden Ursachen des Zustandes zu diagnostizieren und gegebenfalls daraus Therapieoptionen abzuleiten. Ferner ist es wichtig, die benigne Gynäkomastie gegen die malignen Tumoren der Brust abzugrenzen, von denen auch Männer in seltenen Fällen betroffen sein können.

Fünfzehn Empfehlungen zum richtigen Umgang mit der Gynäkomastie

  1. Aufklärung der zugrundeliegenden Patho(physio)logie, ungeachtet möglicher medikamentöser Ursachen.
  2. Erster Ausschluss einer Lipomastie, eines Hodenkarzinoms oder eines Mammakarzinoms sollte durchHausärztInnen oder Nicht-FachärztInnen erfolgen.
  3. Eine weitergehende Diagnostik soll indes von FachärztInnen / AndrologInnen vorgenommen werden.
  4. Die Anamnese sollte Informationen zu Beginn und Dauer der Gynäkomastie, zur sexuellen Entwicklung und Funktion sowie zum Gebrauch von Medikamenten enthalten, welche eine Gynäkomastie fördern.
  5. Untersuchung auf eine Untervirilisierung oder eine systemische Erkrankung als Ursache für die Symptomatik.
  6. Zusätzliches Drüsengewebe sollte tastbar sein, um die Gynäkomastie eindeutig von einer Lipomastie abgrenzen zu können und zugleich auch maligne Ursachen auszuschließen.
  7. Zu einer umfassenden Untersuchung gehört ebenso das Abtasten der Hoden und Leistenregion,um Hodentumoren sowie Atrophien auschließen können.
  8. Ergänzt werden soll die Hodenuntersuchung um die Sonographie, da eine Palpation zur Detektion von Hodentumoren nicht sensitiv genug ist.
  9. Zusätzlich sollten verschiedene Hormone bestimmt werden, wie z. B. Testosteron (T), Östradiol (E2), sexualhormonbindendes Globulin (SHBG), luteinisierendes Hormon (LH), follikelstimulierendes Hormon (FSH), Thyreotropin (TSH), Prolactin, humanes Choriongonadotropin (hCG), Alphafoetoprotein (AFP) sowie Leber- und Nierenfuntionstests erfolgen.
  10. In Zweifelsfällen kann eine Bildgebung der Brust beim Mann erfolgen.
  11. VerdächtigeLäsionen in der Brust sollen biopsiert werden.
  12. Nach Behandlung der zugrundeliegenden Pathologien oder nach Wegnahme der förderlichen Medikation ist eine abwartende Beobachtung ("watchful waiting") indiziert.
  13. Eine Testosteronbehandlung sollten nur Männer erhalten, die nachweislich hypogonadal sind!
  14. Selektive Östrogenrezeptormodulatoren (SERM), Aromatase-Inhibitoren (AI) und nicht-aromatisierbare Androgene sind derzeit nicht für eine Therapie der Gynäkomastie zu empfehlen.
  15. Die chirurgische Therapie der Gynäkomastie soll immer das letzte Mittel der Wahl sein und auch nur bei denjenigen Männern angewendet werden, die seit Langem unter der "Männerbrust" leiden und sich als weitestgehend "therapieresistent" erwiesen haben.

Quelle: Kanakis GA et al., EAA clinical practice guidelines—gynecomastia evaluation and management. Andrology 2019; https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/andr.12636

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