Medizinerinnen ohne Führungspositionen: esanum spricht mit Prof. Gabriele Kaczmarczyk vom Deutschen Ärztinnenbund

Trotz eines Frauenanteils von nahezu 70% im Studiengang Medizin sind qualifizierte Ärztinnen in klinischen Fächern stark unterrepräsentiert – gerade einmal 13% bekleiden eine Führungsposition. Wie kann das sein?

Trotz eines Frauenanteils von nahezu 70% im Studiengang Medizin sind qualifizierte Ärztinnen in klinischen Fächern stark unterrepräsentiert – gerade einmal 13% bekleiden eine Führungsposition. Wie kann das sein? Dieser Frage sind wir mit Professorin Gabriele Kaczmarczyk, Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes sowie Hauptinitiatorin der Internet-Aktion "Pro-Quote-Medizin" nachgegangen.

Unsere Autorin Leoni Burggraf im Interview mit Prof. Dr.  Gabriele Kaczmarczyk

Frauen erobern die Medizin. Seit Jahren liegt der Frauenanteil bei Studienanfängern deutlich über dem der Männer. Aktuell sind es knapp 70% Frauen, die in den Beruf streben. Da sollte man meinen, dass sich diese Entwicklung auch in der Klinik widerspiegelt. Doch dem ist nicht so. Zumindest nicht in den Führungsetagen.

Während im Bereich der Assistenzärzte das Geschlechterverhältnis eine deutliche Tendenz in Richtung Ärztinnen aufweist, sind Führungspositionen in den wichtigsten klinischen Fächern lediglich mit 13% Frauen besetzt. Das hat weitreichende Folgen – nicht nur auf die Medizin, sondern auf uns alle.

Denn de facto entscheiden zu 87% Männer, welche medizinischen Fragen wissenschaftlich untersucht werden, welche Behandlungen angewendet werden und welche thematische Ausrichtung weiterverfolgt wird.

Themen wie Gendermedizin oder medizinische Folgen des Klimawandels kommen da zu kurz, mahnte Prof. Kaczmarczyk. Daran kann auch das neue Führungspositionsgesetz II nichts ändern. Das war verabschiedet worden, um Lücken des ersten Gesetzes zu schließen. Mit Erfolg. Nur leider nicht in der Medizin. Dieser Bereich wurde schlichtweg "vergessen". Hier besteht Nachholbedarf, um sich einer Parität schneller zu nähern als bisher.

Zudem bedarf es weiterer Entwicklungen, z.B. im Bereich der Kinderbetreuung oder der Jobentwicklung. Fakt ist, dass ein Großteil der Arbeit inzwischen am Computer erfolgt. Alles muss dokumentiert und niedergelegt werden. Per se sicherlich nicht verkehrt.

Aber wo bleibt die Zeit für den Patienten?

Die Arbeitsbelastung steigt ständig, nicht erst seit Corona. Das muss aufgefangen werden. Vielleicht durch ein Konzept des "Job-Sharings"? Sich eine Arbeitsstelle zu teilen und sowohl zeitlich als auch hinsichtlich der Verantwortung einen SparringspartnerIn zu haben, kann sich durchaus ein Großteil von befragten Internistinnen vorstellen. Es wird Zeit, Lösungen zu finden, die dem Job und der Lebenssituation gleichermaßen gerecht werden. Warum dafür nicht einmal "out of the box" denken und ungewöhnliche, bisher noch nicht praktizierte Wege gehen?

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