Mehr SchmerzexpertInnen in der Pflege gefordert

Schmerzen gehören zum Krankenhausaufenthalt dazu - oder? Eigentlich sollen pflegerische Schmerzexpertinnen und -experten dafür sorgen, dass Patientinnen und Patienten möglichst wenig leiden. Doch sie sind noch viel zu wenig im Einsatz.

Menschen die Angst vorm Schmerz nehmen

Schmerzen gehören zum Krankenhausaufenthalt dazu - oder? Eigentlich sollen pflegerische Schmerzexpertinnen und -experten dafür sorgen, dass Patientinnen und Patienten möglichst wenig leiden. Doch sie sind noch viel zu wenig im Einsatz.

Noch immer haben zu viele Menschen nach Ansicht von Nadja Nestler von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg starke Schmerzen - sei es in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Hospizen. "Stellen Sie sich vor, Sie liegen mit Schmerzen im Bett und keiner kümmert sich darum", sagt Nestler. Das passiere noch allzu oft in deutschen Kliniken. Jede zweite operierte Person leide unter unnötig starken Schmerzen. Der verstärkte Einsatz pflegerischer SchmerzexpertInnen könne ihrer Meinung nach Abhilfe schaffen.

Das Thema steht auch auf der Tagesordnung des viertägigen Deutschen Schmerzkongresses, der bis zum 12. Oktober in Mannheim stattfindet. Rund 2.000 Teilnehmende werden erwartet – MedizinerInnen, PsychologInnen, Pflegende und ApothekerInnen. Weitere Themen bei Symposien und Workshops sind Telemedizin, E-Health und Schmerzregister.

Kompetenz der 20.000 pflegerischen Fachleute wird nicht abgerufen

Nestler betonte, die für Erfassung von Schmerzen und deren Behandlung ausgebildeten pflegerischen Fachleute müssten eine deutlich größere Rolle spielen. "Es gibt Kliniken, die Schmerzmanagement gar nicht interessiert." Dabei sei das gerade angesichts einer wachsenden Zahl von chronisch Kranken von Bedeutung, die Schmerzen in die Klinik mitbringen. Auch Demenzkranke, die ihre Schmerzen nicht mehr mitteilen könnten, stellten Kliniken und Pflegeheime vor neue Hauerausforderungen, die speziell ausgebildetes Fachpersonal bewältigen könnten. Die dünne Personaldecke verführe dazu, die Kompetenz der bundesweit etwa 20.000 pflegerischen Schmerzfachleute gar nicht abzurufen.

Und so sieht das Aufgabenfeld der im englischen Fachjargon auch "pain nurses" genannten Pflegenden aus: Sie erfassen die Schmerzen von PatienInnen auf einer Skala von null bis zehn, fragen nach Medikamenten und empfehlen gegebenenfalls zusätzliche. Sie schauen, dass die PatientInnen im Bett gut gelagert sind, dass sie - wenn gewünscht - Ablenkung erhalten, und sie thematisieren mögliche Unterstützung durch Freunde und Familie. Über allem steht, die Angst vor Schmerzen zu nehmen, unter anderem durch Information und Beteiligung der PatientInnen. "Unser Ziel ist, dass die Kranken sich mit ihren Schmerzen aufgehoben und wahrgenommen fühlen und wir ihren Schmerz lindern können", sagt Ruth Boche, Sprecherin der Expertengruppe Pflegeexperten Schmerz vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe.

Fachbereich sollte akademisiert werden

Dafür müsste den ExpertInnen von ihrem Arbeitgeber ein Zeitrahmen für festgelegte Aufgaben gewährt werden. Nebenbei lasse sich die Behandlung von Schmerzen nicht erledigen, sagte Boche vom Uni-Klinikum in Münster. Krankenhäuser könnten ein gutes Schmerzmanagement auch für ihre Werbung nutzen, eine bessere Heilung erreichen und dadurch die Verweildauer reduzieren. Auch bei der Entlassung müssten die PatientInnen erfahren, welche Schmerzmittel sie wann einnehmen müssen, welche Bewegungen sie meiden und wie sie selbst zum Genesungsprozess beitragen können.

Pflegewissenschaftlerin Nestler plädierte auch für die Akademisierung der Tätigkeiten, so dass die Kooperation mit den Ärzten reibungsloser verlaufe. Deutschland hinke Ländern wie Österreich, Großbritannien, den Benelux-Ländern und Skandinavien hinterher. Pflegerische SchmerzexpertInnen absolvieren in Deutschland derzeit eine Fortbildung von 42 Stunden.

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