Studie deutet auf Zusammenhang von Migräne und Parkinson hin

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Migräne ist in Deutschland weit verbreitet. Laut einer repräsentativen Querschnittstudie aus dem Jahr 2009 liegt die 12-Monatsprävalenz für Migräne in Deutschland bei rund 11 Prozent. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Nur 40 Prozent der Erkrankten wenden sich mit ihren Beschwerden an einen Arzt.

Migräneschmerzen sind meist einseitig und von mittlerer bis starker Intensität. Eine Aura, zum Beispiel in Form von visuellen Eindrücken, kann die Kopfschmerzen begleiten.

Migräne als Risikofaktor?

Die Ursachen der Erkrankung sind bislang noch nicht vollständig geklärt. Man weiß, dass es zu einer Erweiterung der Blutgefäße und zur Freisetzung bestimmter chemischer Signalmoleküle kommt. Bekannt ist außerdem, dass Migräne mit dem Auftreten bestimmter kardialer- und kardiovaskulärer Erkrankungen verbunden sein kann.

Neue Studie zu Bewegungsstörungen und Migräne

Die Forschung hat 2014 neue wichtige Erkenntnisse in Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Migräne und Begleiterkrankungen gebracht. Forscher um Ann Scher haben im September Teilergebnisse aus der AGES-Reykjavik Studie veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um eine bevölkerungsbasierte prospektive Kohortenstudie, welche 1967 etabliert wurde. Eigentlich sollten kardiovaskuläre Erkrankungen auf Bevölkerungseben analysiert werden, aber in Fragebögen wurden parallel auch diverse andere Parameter erhoben. Scher et al. beobachteten 5620 Menschen, die in ihrem 50. Lebensjahr an Kopfschmerzen litten und differenzierten hierbei auch Migränekopfschmerzen mit und ohne Aura. Nach einem Beobachtungszeitraum von 25 Jahren untersuchten die Forscher das Auftreten von Parkinsonsymptomen, Morbus Parkinson und Restless Legs Syndrom (RLS) bei den Studienteilnehmern.

Die Forscher fanden ein 3,6-fach erhöhtes Risiko für Parkinsonsymptome und ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für Parkinson bei den Teilnehmern mit Migräne und Aura. Frauen mit Migräne und Aura hatten außerdem häufiger Parkinson in der Familie. Das Risiko für RLS stieg bei Kopfschmerzen grundsätzlich an.

Die Studie kann hierbei nicht herausstellen, ob Migräne eine direkte Ursache der Bewegungsstörungen ist und diesen deshalb vorausgeht, oder ob die Erkrankungen eine gemeinsame genetische Basis haben und die Migräne einfach früher auftritt. Eine weitere Limitation ist, dass die Kopfschmerzsymptomatik ausschließlich über Fragebögen erhoben wurde ohne anschließende ärztliche Verifizierung.

Dopaminerge Dysfunktion als Pathomechanismus

Eine aktuelle Metaanalyse konnte die Studienergebnisse bestätigen , zumindest was das Auftreten des RLS bei Kopfschmerzen betraf. Scher erklärt ihre Befunde auf der neurologischen Ebene folgendermaßen: “Eine Dysfunktion des Botenstoffs Dopamin kommt sowohl bei Parkinson, als auch beim RLS vor und wurde lange auch für die Migräne angenommen. Bestimmte Symptome, die bei Migräne auftreten, wie exzessives  Gähnen, Übelkeit und Erbrechen könnten infolge einer Stimulation von Dopaminrezeptoren auftreten”.

Der Zusammenhang zwischen Migräne und Bewegungsstörungen wird in Zukunft noch genauer zu untersuchen sein. Insbesondere genetische  Grundlagen könnten hier von Interesse sein.

Quellen:

//www.medicalnewstoday.com/articles/282678.php: Link found between migraine and Parkinson’s, 18 September 2014, James McIntosh

Newsletter der deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Dezember 2014: //www.kopfschmerz-news.de/pdf/ksn2-2014.pdf

Radtke A, Neuhauser H. Prevalence and Burden of Headache and Migraine in Germany. Headache: The Journal of Head and Face Pain. 2009; 49:79-89.

Schürks M, Winter A, Berger K, Kurth T. Migraine and restless legs syndrome: a systematic review. Cephalalgia. 2014; 34:777–794.

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