Mehr Milch gegen Kleinwuchs

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Ein Mangel an essentiellen Aminosäuren und Cholin in der Ernährung steht in direkter Verbindung zu dem Auftreten von Kleinwuchs.

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die online bei EBioMedicine veröffentlicht wurde. Die neuen Erkenntnisse ebnen möglicherweise neue Wege, mit denen Millionen von mangelnährten Kindern rund um den Globus geholfen werden könnte.

Weltweit sind 150 Millionen Kinder unterernährt. Rund 25% aller Kinder unter 5 Jahren sind von gebremsten Wachstum und einer verlangsamten Entwicklung betroffen. Das auffälligste Merkmal einer ungenügenden Diät ist Kleinwuchs. Aber auch andere Probleme wie eine kognitive Unterentwicklung und die mangelnde Fähigkeit Krankheiten und Infektionen zu widerstehen, werden durch sie bedingt. Letztendlich kann der Kleinwuchs sogar die Lebensdauer betroffener Personen verkürzen.

Essentielle Aminosäuren sind die Bausteine aller Proteine. Sie sind für die menschliche Gesundheit unverzichtbar. Viele von ihnen müssen dem Körper aus Nahrungsquellen von außen zugeführt werden, da der er sie nicht selber herstellen kann. Solche Aminosäuren werden als essentielle Aminosäuren bezeichnet. Besonders tierische Lebensmittel wie Fleisch, Eier und Milchprodukte stellen ausgiebige Quellen für sie dar.

Bisher kein Erfolg gegen ernährungsbedingten Kleinwuchs

Alimentäre Interventionen konnten in der Vergangenheit einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Todesfällen durch Unterernährung leisten. Allerdings ist es durch sie nicht gelungen, die Prävalenz von ernährungsbedingten Kleinwuchs zu verringern.

Kinder, die für ihr Alter zu klein sind haben im Schnitt 15-20% weniger Aminosäuren als ihre normalgroßen Altersgenossen

Mit Hilfe eines metabololischen Ansatzes, welcher im Organismus vorkommenden Metaboliten untersucht, bewerteten Forscher Blutproben von 313 Kindern im Alter von 12 bis 59 Monaten, aus ländlichen Regionen in Malawi, einem afrikanischen Staat südlich der Sahara.

Viele Probanden waren für ihr Alter zu klein

Die Kinder, die in die Studie aufgenommen wurden, hatten keinerlei Anzeichen einer schweren akuten Unterernährung, angeborene und chronische Krankheit oder Durchfall. Allerdings ergaben Messungen von Größe und Gewicht, dass 64% der Teilnehmer für ihr Alter zu klein waren. Dabei bezogen sich die Wissenschaftler auf Perzentilen, die durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt wurden.

Bluttests zeigten, dass mehr als 80% der Kinder mit gebremstem Wachstum um 15-20% reduzierte Konzentrationen aller neun essentiellen Aminosäuren hatten. Diese Zahl ergibt sich aus dem Vergleich zu normal wachsenden Kindern aus derselben Region. Darüber hinaus hatten sie signifikant niedrigere Konzentrationen folgender Stoffe: semi-essentielle Aminosäuren, nicht-essentielle Aminosäuren sowie sechs Sphingolipide.

Sphingolipide sind wichtige Bestandteile der Zellmembran und gehören zur Verbindungsklasse der Lipide. Sie stärken die Zellmembranen und machen sie undurchlässig, was die Exposition gegenüber Mikroben reduziert.

Aminosäuren werden für Wachstum benötigt

Die Kinder zeigten auch ungewöhnliche Konzentrationen anderer Lipide, die wichtige Bestandteile der Zellmembranen im Gehirn und Nervengewebe sind. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder, die Gefahr laufen von Kleinwuchs betroffen zu sein, möglicherweise nicht ausreichende Mengen essentieller Aminosäuren und Cholin, einem Stoff der für die Synthese von Lipiden erforderlich ist, zu sich nehmen.

Die Autoren erklären, dass diese Kinder niedrige Konzentrationen all dieser Aminosäuren und alle dieser Arten von Fetten haben, von denen jede dafür benötigt wird das Wachstum des Körpers anzuschalten.

Das Team vermutet, dass das Fehlen der Aminosäuren einen bestimmten Proteinkomplex hervorrufen könnte, der im Folgenden als Nährstoffsensor innerhalb Zellen wirkt und die Synthese von Proteinen und Lipiden und somit das Zellwachstum blockiert. Derselbe Mechanismus reguliert im Körper das Knochenwachstum, welches letztendlich unsere Größe bestimmt.

Kleinwuchs ist in vielen Ländern weit verbreitet

Senior Co-Autor, Dr. Mark J. Manary, von der John Hopkins University, der jedes Jahr mehrere Monate in Afrika zur Behandlung von unterernährten Kindern verbringt, sagt:

“Kleinwuchs betrifft die Hälfte aller Kinder im ländlichen Afrika sowie weitere Millionen an anderen Orten in der Welt. Es wurden bereits viele Anstrengungen unternommen, um die Auswirkungen einer verlangsamten Entwicklung zu reduzieren: Angefangen mit der Einführung verschiedener Nahrungsergänzungsmittel bis hin zur Verringerung der Exposition gegenüber Infektionen. All dies blieb jedoch mehr oder weniger erfolglos. Unsere neuen Erkenntnisse, die mit Hilfe modernster Technologie gewonnen wurden, werfen nun endlich Licht auf die biologischen Gründe für dieses uralte und globale Problem. ”

Richard Semba, von der John Hopkins University, sagt: “die Ergebnisse stellen die weit verbreitete Annahme in Frage, wonach Kinder in Entwicklungsländern ausreichend Proteine erhalten. Diese könnte zu einer großen Verschiebung im Bereich der Hilfsgemeinschaft führen. Wir sollten wirklich anfangen die Ernährung zu überdenken und Wege finden sie zu verbessern. Kinder bekommen offensichtliche keine qualitativ hochwertigen Lebensmittel.“

Das Team hofft, dass weitere Forschung dazu beitragen wird, ein Mittel zu schaffen, sei es ein Lebensmittelprodukt oder ein Additiv, das dabei hilft Kleinwuchs zu reduzieren.

Text: esanum /pvd

Foto: wckiw / Shutterstock.com

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