Mit konsequenter Händedesinfektion gegen Krankenhauskeime

Die Bekämpfung multiresistenter Keime ist längst eine internationale Gemeinschaftsaufgabe geworden. Experten fordern deshalb, Patienten und Klinik-Personal stärker für Desinfektionsmaßnahmen zu sensibilisieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auf dem G7-Treffen in Schloss Elmau im Jahr 2015 ein klares Zeichen gesetzt, als sie die Verhinderung der zunehmenden Ausbreitung von multiresistenten Keimen als eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit auf die Gipfelagenda setzte. Bis zu 700.000 Menschen sterben jährlich weltweit an resistenten Keimen, weshalb nun weltweit gemeinsam gegen diese Bedrohung vorgegangen werden soll.

Eine Vielzahl von Infektionen mit multiresistenten Erregern findet in Krankenhäusern statt. Jährlich 600.000 so genannte nosokomiale Infektionen gibt es, von denen circa 15.000 allein in Deutschland zum Tode führen würden, hieß es auf einer Pressekonferenz zum Thema “Neue Wege beim Kampf gegen Krankenhauskeime” auf dem Hauptstadtkongress 2016 in Berlin.

Für Ärzte eine Horrorvorstellung: “Ein Patient geht ins Krankenhaus und kommt kränker heraus, als er rein gegangen ist”, erklärte Professor Axel Ekkernkamp, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Wiederherstellungschirurgie und Rehabilitative Medizin in Greifswald sowie Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Berlin. Ekkernkamp und seine Kollegen Professor Claus-Dieter Heidecke und Professor Axel Kramer verfolgen das Ziel, sowohl Patienten als auch Ärzte und Pflegepersonal intensiv für Hygiene und Infektionsrisiken mit multiresistenten Erregern wie MRSA zu sensibilisieren. Die Universitätsmedizin Greifswald unternimmt enorme Anstrengungen im Bereich der Bekämpfung von Krankenhauskeimen sowie in der Verbesserung der stationsübergreifenden Hygiene.

“Es ist alles Kopfkino”, betonte Heidecke, Vorsitzender der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Qualität, Sicherheit und Versorgungsforschung. Er bezog sich damit auf den Schulungsbedarf und das Schaffen der richtigen Einstellung für Hygiene und Desinfektion bei Patienten aber auch medizinischem Fachpersonal. Es mangele an Aufklärung und Information. Mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen hätte die Uniklinik in Greifswald den Verbrauch der Händedesinfektionsmittel zwischen 15 und 40 Prozent gesteigert. Als Geschäftsführender Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin hat es sich vor allem Prof. Axel Kramer zur Aufgabe gemacht, Patienten zu einer regelmäßigen Desinfektion der Hände zu bewegen. Kramer: “In jedem unserer Zwei-Bett-Zimmer haben wir vier Desinfektionsspender. Es läuft niemand drei Meter, um sich die Hände zu desinfizieren.” Mehr Spender würden zu einer häufigeren Desinfektion führen und so zu einem geringeren Risiko, Erreger zu verbreiten.

Steriles Krankenhaus ist eine Illusion

Für Kramer ist klar, dass es ein steriles Krankenhaus nicht gibt. “Deshalb müssen wir einen Teil der Verantwortung auf die Patienten übertragen. Sie müssen lernen, wie sie sich selbst schützen können.” Regelmäßige Händedesinfektion nach Toilettenbesuch sei ebenso elementar wie nach einem Gang durchs Krankenhaus. Die aktuell verwendeten Desinfektionsmittel seien deutlich besser für die Hände verträglich als eine regelmäßige Wäsche mit Seife. “Es gibt auch keine Resistenzen gegen Desinfektionsmittel”, erklärt der Hygieneexperte. Mit Postern und Videofilmen werden Patienten über die Wichtigkeit der Händedesinfektion informiert. Zusätzlich frage die Universitätsmedizin Greifswald bereits bei der Krankenhausaufnahme eines Patienten ab, ob ein Patient möglicherweise Überträger von multiresistenten Erregern sein könnte. So werde das Bewusstsein geschärft; Verdachtsfälle würden sofort weitergehend untersucht, was die Zahl der Neuinfektionen deutlich reduziert hätte.

Kramer und Heidecke legen zudem Wert darauf, die Patienten mündiger und selbstbewusster zu machen. “Wenn ein Patient beispielsweise feststellt, dass ein Chefarzt, Arzt oder das Pflegepersonal nicht wie vorgeschrieben Handschuhe trägt, dann muss er sie darauf hinweisen – egal, wer vor einem steht.” Während dieser Hinweis früher einer Majestätsbeleidigung gleichgekommen sei, würden Ärzte für derartige Anregungen sogar dankbar sein.

Bei multiresistenten Keimen schlagen bestimmte Antibiotika nicht mehr an. Vor wenigen Wochen ging eine Meldung durch die Fachpresse, dass ein Erreger sich sogar resistent gegen alle bisher bekannten Antibiotika gezeigt habe. “Damit sind wir wieder auf dem Stand, als es noch gar keine Antibiotika gab”, erklärt Kramer. Im Vor-Penicillin-Zeitalter sozusagen. “Wir fordern die Politik und Industrie auf, dringend die Weichen zu stellen, um neue Antibiotika zu erforschen und auf den Markt zu bringen.”

esanum is an online network for approved doctors

esanum is the medical platform on the Internet. Here, doctors have the opportunity to get in touch with a multitude of colleagues and to share interdisciplinary experiences. Discussions include both cases and observations from practice, as well as news and developments from everyday medical practice.

esanum ist ein Online-Netzwerk für approbierte Ärzte

esanum ist die Ärzteplattform im Internet. Hier haben Ärzte die Möglichkeit, mit einer Vielzahl von Kollegen in Kontakt zu treten und interdisziplinär Erfahrungen auszutauschen. Diskussionen umfassen sowohl Fälle und Beobachtungen aus der Praxis, als auch Neuigkeiten und Entwicklungen aus dem medizinischen Alltag.

Esanum est un réseau en ligne pour les médecins agréés

esanum est un réseau social pour les médecins. Rejoignez la communauté et partagez votre expérience avec vos confrères. Actualités santé, comptes-rendus d'études scientifiques et congrès médicaux : retrouvez toute l'actualité de votre spécialité médicale sur esanum.