Mit Sport gegen die Alzheimer-Krankheit

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Drei Studien konnten kürzlich demonstrieren, dass körperliche Anstrengung nicht nur das Risiko für eine Alzheimer Krankheit und vaskuläre Demenz reduzieren kann, sondern wahrscheinlich auch eine effektive Therapie gegen die Symptome der Krankheit darstellen kann.

Die Ergebnisse der neuen randomisierten klinischen Studien wurden dieses Jahr auf der Konferenz der internationalen Alzheimer Assoziation in Washington D.C. vorgestellt.

“Basierend auf den Ergebnissen der neuen Studien ist regelmäßige körperliche Betätigung ein Faktor, der das Gehirn vor einer Alzheimer Demenz und anderen Demenzerkrankungen schützen kann und sogar die Symptome der Demenz mindern kann, wenn man bereits erkrankt ist,” sagt Maria Carrillo aus dem Forschungsvorsitz der Alzheimer Assoziation.

Zuvor haben auf der Konferenz Forscher Beweise dafür geliefert, dass viel Fernsehen und ein geringes Maß an Sport in jungen Jahren das Risiko für eine geringe kognitive Funktion im Alter erhöhen. In der Konsequenz geht man davon aus, dass ein höheres Maß an körperlicher Aktivität mehrere Vorteile für das Gehirn haben kann.

Die ersten randomisierten klinischen Studien untersuchten den Effekt von moderaten bis hochintensiven Trainingseinheiten bei 200 Patienten mit milder bis moderater Alzheimer Demenz. Die Teilnehmer wurden randomisiert auf zwei Gruppen verteilt. Die Interventionsgruppe nahm an einem 16-wöchigen überwachten Sportprogramm teil und die Kontrollgruppe erhielt keine Anweisungen.

Dr. Steen Hasselbalch und seine Kollegen von dem dänischen Dementia Research Centre in Kopenhagen fanden heraus, dass die Gruppe, die regelmäßig trainiert hat, weniger neuropsychiatrische Symptome einer Alzheimer Demenz zeigte als die Kontrollgruppe.

Die Forscher konnten beobachten, dass die psychischen Symptome Angst, Irritabilität und Depression bei der Kontrollgruppe stärker wurden, während die Symptome bei den Teilnehmern, die Sport machten, eine leichte Verbesserung zeigten. Besonders bei den Probanden, die gewissenhaft am Training teilnahmen und über 80% der Sportstunden mitmachten, konnte eine deutliche Verbesserung der mentalen Schnelligkeit und Aufmerksamkeit festgestellt werden.

“Während die Resultate unserer Studie in größeren und verschiedenen Gruppen verifiziert werden müssen, können wir mit unseren Ergebnissen möglicherweise einen Hinweis dafür liefern, dass die positiven Effekte von körperlicher Tätigkeit eine effektive Ergänzung oder Kombination zu einer medikamentösen Therapie sein können,” berichtet Dr. Hasselbach. “Dies sollte ein Anlass sein, um weitere Untersuchungen zu multimodalen Therapieoptionen mit einer Kombination aus Lebensstilveränderungen und Medikamenten bei der Demenz zu initiieren.”

Ausdauertraining führt zu erniedrigten Spiegeln an Tau-Proteinen

Eine andere Studie hat sich den Einfluss von Sport auf eine physiologische Seite der Alzheimer Demenz angesehen. An Alzheimer Demenz erkrankte Patienten entwickeln häufig Läsionen im Gehirn, die neurofibrillären Tangles. Die Tau-Proteine aggregieren und zerstören so das Transportsystem der vitalen Zellen, was zum Absterben der Gehirnzellen führt.

Hohe Level des Tau-Proteins sind assoziiert mit einer schnelleren Progression der Erkrankung, weshalb viele Forscher versuchen, die Konzentration des Tau-Proteins im Liquor der Patienten zu senken, um die Demenz zu behandeln und dem kognitiven Abfall vorzubeugen.

Die Forscher der Wake Forest School of Medicine aus Winston-Salem haben in ihrem Versuch 65 Erwachsene mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (im Englischen: mild cognitive impairment = MCI) randomisiert zu einer Gruppe, die an vier Tagen pro Woche ein Ausdauertraining/Aerobic Training erhält, und zu einer Gruppe, die an vier Tagen pro Woche Dehnungsübungen durchführt.

Nach sechs Monaten konnten die Forscher sehen, dass man im Liqour der Aerobicgruppe statistisch signifikant weniger Tau-Protein nachweisen konnte im Vergleich zu der Gruppe, die Dehnungsübungen gemacht hat. Das Aerobictraining hat zusätzlich den Blutfluss in den Regionen des Gehirns verbessert, die für das Gedächtnis und das Prozessieren verantwortlich gemacht werden. Dies äußerte sich klinisch in einer Verbesserung der Aufmerksamkeit, des Planens und der exekutiven Funktionen.

“Diese Untersuchungsergebnisse sind wichtig, da sie stark suggerieren, dass eine Lebensstilintervention wie ein Ausdauersporttraining zu einer Linderung von Alzheimer assoziierten Läsionen im Gehirn führen kann,” sagt die Co-Autorin Laura Baker. “Kein bisher zugelassenes Medikament kann diese Effekte vermitteln.”

Kognitive Funktion konnte auch bei Patienten mit einer vaskulären Demenz verbessert werden

Die letzte Studie beobachtete, wie sich das Aerobictraining auf die kognitive Funktion von Patienten mit einer leichten vaskulären kognitiven Beeinträchtigung (vascular cognitive impairment : VCI) auswirkt. Bei der VCI kommt es durch kleine Schlaganfälle zu einer kognitiven Einschränkung. Dieser Zustand ist die zweithäufigste Ursache für eine Demenz hinter der Alzheimer Demenz.

Die Teilnehmer dieser Studie wurden randomisiert verteilt auf eine Gruppe, die an einem Aerobictraining teilnahm, und einer Gruppe, die die Standardversorgung erhielt. Die Teilnehmer wurden nach sechs Monaten erneut untersucht. Man konnte beobachten, dass die Patienten in der Sportgruppe eine deutliche Verbesserung ihrer kognitiven Funktion erlebten verglichen mit der Kontrollgruppe. Radiologische Aufnahmen des Gehirns konnten demonstrieren, dass die Gehirne der Ausdauersportgruppe effizienter funktionierten.

“Unsere Forschungsergebnisse müssen in diversen und größeren Populationen repliziert werden, jedoch gibt der Fakt, dass ein Aerobicprogramm die kognitive Funktion bei Patienten mit VCI erhöhen kann, Hoffnung darauf, in naher Zukunft ein neues effizientes Therapiekonzept entwickeln zu können. Patienten könnten länger ein unabhängiges Leben führen und ihre Lebensqualität verbessern,” fasst die Studienautorin Teresa Liu-Ambrose zusammen.

Die Studien heben den Wert von nicht-medikamentösen Interventionen hervor

Die oben genannten Studien können mit ihren Ergebnissen eine potenziell effektive Therapieform für die Demenzen vorschlagen. Ein großer Vorteil dieser Therapieform ist, dass sie relativ einfach für ein großes Publikum verfügbar sind.

“Die Resultate heben den potenziellen Wert der nicht-medikamentösen Therapien für die Alzheimer Demenz und andere Demenzen hervor. Es erinnert uns daran, dass wir hartnäckig versuchen sollten, eine Kombination aus verschiedenen Therapien einzusetzen, um die Alzheimer Demenz zu behandeln und vorzubeugen,” schlussfolgert Frau Carrillo.

Text: esanum /ab

Foto: Stefan Schurr/Shutterstock.com

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