Mütter und Kinder profitieren gesundheitlich vom Mutterschutz

Eine aktuell im Harvard Review of Psychiatry erschienene Untersuchung zeigt auf, dass bezahlter Mutterschutz sich auf die körperliche und psychische Gesundheit von Mutter und Kind deutlich positiv auswirkt.

Kein Recht auf bezahlten Mutterschutz in den USA

Nicht in allen Ländern der Welt besteht ein gleiches Recht auf bezahlten Mutterschaftsurlaub. Eine aktuell im Harvard Review of Psychiatry erschienene Untersuchung1 zeigt allerdings auf, dass ein solcher Urlaub sich auf die körperliche und psychische Gesundheit von Mutter und Kind deutlich positiv auswirkt.

In Deutschland besteht für Arbeitnehmerinnen ein Recht auf insgesamt 14 Wochen Mutterschutz. Dieser setzt sich aus den 6 Wochen vor und den 8 Wochen nach der Geburt zusammen. Kommt es zu Mehrlings- oder Frühgeburten, kann der Mutterschaftsurlaub nach der Geburt auf 12 Wochen erweitert werden. Dies gilt ebenfalls bei der Geburt eines Kindes mit Behinderung.2

Diese Regelung existiert allerdings nicht in allen Ländern der Welt. So erläutert Dr. Maureen Sayres Van Niel, die leitende Studienautorin, zum Hintergrund der aktuellen Untersuchungen gegenüber dem Online-Nachrichtenportal "EurekAlert!": "In nahezu jedem industrialisierten Land der Welt besteht bereits seit Jahrzehnten ein Anspruch auf zwölfwöchigen bezahlten Mutterschaftsurlaub. Das gilt allerdings nicht in den USA."3 Hier wird Frauen ein gesetzlicher Mutterschutz verweigert. Wer sich zur Geburt des Kindes frei nehmen möchte, muss dies auf Kosten des eigenen Urlaubskontos tun oder sich unbezahlt freinehmen.4

Zehn Tage nach der Geburt zurück in den Job?

Dies führe laut dem Review, dass das Team um Dr. Van Niel durchführte, dazu, dass 23 Prozent der arbeitenden Mütter in den Vereinigten Staaten bereits 10 Tage nach der Geburt ihres Kindes zum Arbeitsplatz zurückkehren, da der Lebensunterhalt sonst nicht bestritten werden kann.1 Dr. Van Niel merkt an: "Unsere Untersuchungen weisen allerdings klar auf, dass sich aus dieser Lage ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen für Mütter und Kinder ergeben."3 Im Gegenzug dazu konnte im Review nachgewiesen werden, dass wenigstens 12 Wochen bezahlter Mutterschutz mit deutlich verbesserten gesundheitlichen Outcomes in Verbindung stand.1

Im aktuellen Review richtete das Forschungsteam den Blick auf die Auswirkungen bezahlten Mutterschutzes auf drei unterschiedliche gesundheitliche Aspekte. So wurden die psychischen Auswirkungen für Mutter und Kind, die körperlichen Folgen sowie die Auswirkungen beim Stillen in den Fokus gerückt.

Geringere Kindersterblichkeit und weniger Depressionen bei Müttern

Für den Aspekt "psychische Gesundheit" werteten die Forschenden fünf unterschiedliche Studien aus, die sich mit dem Auftreten postnataler Depressionen bei Frauen mit und ohne bezahlten Mutterschaftsurlaub aus. Konsens aller ausgewerteten Studien war, dass ein Risiko für postpartale Depressionen bei bezahltem Mutterschutz deutlich geringer ausfiel. Auch für die Kinder konnten das Team um Van Niel im Review bei bezahltem Mutterschaftsurlaub deutliche gesundheitliche Vorteile erkennen. In verschiedenen Studien stand die frühe Abwesenheit der Mutter in Verbindung mit deutlichen Einbußen im Bereich der emotionalen Mutter-Kind-Beziehung.

Auch im Hinblick auf die körperliche Gesundheit konnte das Forschungsteam bei der Auswertung unterschiedlicher Studien deutliche Vorteile durch bezahlten Mutterschaftsurlaub erkennen. So wies eine analysierte Studie auf, dass Frauen in einem solchen Fall ein um 51 Prozent geringeres Risiko aufwiesen, im Jahr nach der Geburt erneut in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden, und 1,8-mal häufiger von einem guten Umgang mit Stress berichteten. Außerdem stand bezahlter Mutterschutz in einer Vielzahl von ausgewerteten Studien mit geringerer Säugling- oder Kindersterblichkeit, weniger Krankenhauseinweisungen im ersten Lebensjahr und einem besseren kindlichen Immunsystem in Verbindung.

Forscherin fordert bezahlten Mutterschutz für alle Mütter in den USA

Deutliche Unterschiede zwischen bezahltem Mutterschaftsurlaub und ausbleibendem Mutterschutz zeigten sich ebenfalls hinsichtlich der Thematik Stillen. Die Auswertung einer Kohortenstudie mit über 16.000 Frauen ergab, dass bei wenigstens 12 Wochen bezahltem Mutterschaftsurlaub 13 Prozent mehr Neugeborene gestillt wurden und die Stillzeit im Schnitt um 4 bis 5 Wochen länger ausfiel.

Die im Rahmen des Reviews behandelten Studien liefern für Dr. Van Niel den klaren Beweis, dass die USA im Bereich des bezahlten Mutterschaftsurlaubs endlich nachziehen müssen: "Hinsichtlich der umfangreichen Datenlage, wie stark sich bezahlte Mutterzeit auf die Gesundheit von Müttern und Kindern auswirkt, schlagen wir vor, dass diesem Missstand von politischer Seite endlich entgegengewirkt wird und Frauen – unabhängig vom Arbeitgeber oder sozioökonomischen Status – genügend Zeit mit ihren Kindern nach deren Geburt verbringen können."3

Quellen:
1. The Impact of Paid Maternity Leave on the Mental and Physical Health of Mothers and Children: A Review of the Literature and Policy Implications Maureen Van Niel, Richa Bhatia, Nicholas Riano, et al Harvard Review of Psychiatry Doi: 10.1097/HRP.0000000000000246 2. https://wageindicator.de/arbeitsrecht/mutterschaft-und-arbeit 3. https://www.eurekalert.org/pub_releases/2020-03/wkh-pml030920.php 4. https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2019-03/elternzeit-usa-texas-fs-3

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