Neue diagnostische Methoden für Bewusstseinsstörungen?

Ein Forschungsteam ist nun neuen diagnostischen Methoden für Bewusstseinsstörungen auf die Spur gekommen.

Ein Forschungsteam ist nun neuen diagnostischen Methoden für Bewusstseinsstörungen auf die Spur gekommen.

Carol Di Perri und ihre Kollegen haben jetzt Ergebnisse zu einer Studie zu klinischen Implikationen, Outcome-Vorhersagen und therapeutischem Management ihres multimodalen Ansatzes zur Bildgebung bei gesunden Probanden sowie Patienten im sogenannten vegetativen Zustand (unresponsive wakefulness syndrome) und minimalen Bewusstseinszustand (minimally conscious state) oder aber dem beginnenden  minimalen Bewusstseinszustand veröffentlicht. In ihrer Studie untersuchten sie die neuronalen Korrelate des Bewusstseins während des Einsatzes des Funktions-MRTs im Ruhezustand und des Fluorodeoxyglucose (FDG)-PET-CTs, um die positive (innerhalb von neuronalen Netzwerkverbindungen) und negative (zwischen neuronalen Netzwerkantiverbindungen) Standardnetzwerkverbindung zu untersuchen, was einen inkompletten Schutz zwischen Netzwerkverbindungen nur bei jenen Patienten ergab, die sich gerade von einem minimalen Bewusstseinszustand erholten. Tatsächlich gab es bei Patienten im vegetativen Zustand und im minimalen Bewusstseinszustand keine derartigen Antikorrelationen, sie zeigten allerdings pathologisch gesteigerte neuronale Aktivitäten.

Klinische Bewertung ist selten akkurat und viele Fehldiagnosen

Di Perri und ihre Kollegen betonen die Notwendigkeit eines besseren Verständnisses solcher neuronalen Aktivitäten, um adäquatere Diagnosen des Bewusstseinslevels stellen zu können. Die klinische Bewertung ist selten akkurat und viele Patienten werden fehldiagnostiziert – ganz besonders jene Patienten im sogenannten vegetativen Zustand und mit klinischen Werten, die nahe an jenen des minimalen Bewusstseinszustandes liegen. Wie Di Perri und ihre Kollegen demonstriert haben, korreliert der Status der neuronalen Netzwerkverbindung innerhalb und zwischen fehlerhaften neuronalen Netzwerken akkurat mit dem Bewusstseinszustand. Nichtsdesto trotz ist bereits darüber berichtet worden, dass Patienten, die klinisch dem vegetativen Zustand oder dem minimalen Bewusstseinszustand zugeordnet wurden, ein größeres Ausmaß an zerebraler Aktivität zeigten, als man dies für ihren klinischen Zustand erwartet hätte. Tatsächlich präsentierten diese Patienten Dissoziationen zwischen extremen motorischen Dysfunktionen und höheren kortikalen Funktionen, was nur in der Funktionsbildgebung und mittels neurophysiologischer Techniken zu erfassen ist. Aus diesem Grund sollte das klinische Bild solcher Patienten besser als funktionelles Locked-In-Syndrom bezeichnet werden, obwohl man ihnen oft einen vegetativen Zustand mit vereinzelten Bewusstseinsinseln zuschreibt.

Hirnareale verfügten über Restaktivitäten, obwohl man von fehlerhaften Strukturen ausging

Im Magazin The Lancet Neurology wurde kürzlich über einen neurophysiologischen Ansatz zur Untersuchung von neuronaler Restfunktion bei einigen Patienten mit Bewusstseinsstörungen berichtet, einschließlich derer, die sich von einem minimalen Bewusstseinszustand erholten. Bei diesen Patienten konnten in jenen Hirnarealen neuronale Restaktivitäten gezeigt werden, von denen man glaubte, sie gehörten zu den fehlerhaften Strukturen. Diese verschonten Strukturen korrespondieren möglicherweise mit den funktionalen Antikorrelationen, von denen  Di Perri und ihre Kollegen bei Patienten mit minimalem Bewusstseinszustand berichtet haben. Darüber legen die Parallelen bezüglich der zerebralen Netzwerkverbindungen zwischen Patienten mit einer Verfassung nach vegetativem Zustand und solchen mit vegetativem Zustand nahe, dass man diesen Patienten eben nicht diesen vegetativen Zustand mit vereinzelten Bewusstseinsinseln zuschreiben sollte, sondern eher ein funktionelles Locked-in-Syndrom. Tatsächlich gehören die erwähnten verschonten neuronalen Strukturen klassischerweise nicht zur Diagnose eines vegetativen Zustandes.

Es wäre sicherlich hilfreich, die neurologische Funktionsbildgebung mit elektrophysiologischen Methoden zur Untersuchung chronischer Bewusstseinsstörungen bei Patienten zu kombinieren, um die hohe Rate an Fehldiagnosen zu minimieren und den Klinikern dabei zu helfen, zwischen neuronaler Untererregung, Sinnesschädigung, motorischer Dysfunktion und kognitiven Störungen als potentielle Gründe für ein neuronales Nichtansprechen zu differenzieren. Tatsächlich könnte ein an diese Überlegung gekoppelter Ansatz dabei helfen, neuronale Korrelate des Bewusstseins zu verstehen, präzise Diagnosestellungen sowie Prognosen zu Bewusstseinsstörungen zu ermöglichen und eine valide Unterstützung liefern, um eine individuell adaptierte klinische und neurorehabilitative Patientenversorgung zu realisieren.

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