Neue Krankheitsbilder stellen Sanitäter vor Herausforderungen

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Auch die Sanitäter bekommen die neuen, globalen Anforderungen an die Bundeswehr zu spüren. Das sorgt mitunter für Frust. Ihr scheidender Chef kann auf das Verständnis der Verteidigungsministerin zählen: einer Ärztin.

Schüsse, Granatsplitter, Verbrennungen zählen zu den klassischen Gefahren für Soldaten. Mit den Einsätzen auf mehreren Kontinenten lauern noch ganz andere Risiken auf die Angehörigen der Bundeswehr. “Damit wird die Palette der Krankheitsbilder noch viel größer”, sagt der scheidende Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Ingo Patschke (64), in Koblenz. Exotische Krankheitserreger wie das Ebola-Virus in Afrika stellen die Sanitäter vor neue Herausforderungen. Hinzu kommt die wachsende Zahl traumatisierter Soldaten nach Auslandseinsätzen.

Generaloberstabsarzt Patschke blickt auf 43 Dienstjahre zurück. An diesem Dienstag verabschiedet Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihn mit einem Großen Zapfenstreich auf der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein hoch über dem Rhein in den Ruhestand. Die Ministerin ist selbst ausgebildete Ärztin, und Patschke denkt gerne an seine erste Begegnung mit ihr zurück: “Sie hat mich gleich mit ‘Herr Kollege’ angesprochen. Sie hat ein großes Interesse am Sanitätsdienst.”

Dieser bietet nach von der Leyens Aussage auf engstem Raum im fernen Ausland die Leistungsfähigkeit einer Uniklinik. “Ich bin zuversichtlich und voller Vertrauen, dass unsere Soldaten im Einsatz bestmöglich medizinisch versorgt werden”, versicherte die Ministerin vor einiger Zeit. Von der Leyen hatte von 1988 bis 1992 als Assistenzärztin in der Frauenklinik der Medizinischen Hochschule in Hannover gearbeitet.

Rund 20 000 Kräfte zählt der Sanitätsdienst der Streitkräfte, darunter etwa 3200 Ärzte. Zu Zeiten der großen Balkaneinsätze waren laut Bundeswehr bis zu 1200 Sanitäter im Ausland stationiert. Derzeit sind es nur noch knapp 300, beispielsweise in Afghanistan, Mali und auf den Kriegsschiffen im Mittelmeer zur Rettung von Flüchtlingen. Bundeswehrkrankenhäuser gibt es in Koblenz, Hamburg, Berlin, Ulm und – mit einem zivilen Teil – im niedersächsischen Westerstede.

Die vielfältigen neuen Anforderungen an die Bundeswehr zerren auch am Sanitätspersonal. Seit langem kritisiert der Wehrbeauftragte des Bundestages “gravierende Personalprobleme”. “Ohne den massiven Rückgriff auf zivile Kapazitäten des Gesundheitssektors könnte die Grundversorgung der Soldatinnen und Soldaten nicht sichergestellt werden”, heißt es im Bericht von 2014.

Auf die weltweit wachsende Zahl der Krisenherde reagiert der Sanitätsdienst mit dem Aufbau schnell verfügbarer Einsatzkontingente. “Wir führen gerade eine Verlegungsbereitschaft von wenigen Tagen ein”, erläutert Patschke. “Diese Tendenz zeigt sich bei vielen Streitkräften in Europa.” Das sei auch eine Antwort auf die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine.

Eine Neuerung der vergangenen Jahre ist zudem die Ersthelfer-Ausbildung, die inzwischen jeder Soldat absolviert. “Die ersten Minuten sind nach einer Verletzung im Einsatz oft entscheidend”, sagt Patschke. “Wenn ein Arzt weiter weg ist, kann häufig nur der Kamerad nebendran als Ersthelfer verhindern, dass der verletzte Soldat verblutet oder seine Lunge zusammenfällt.”

Dieses Konzept zahlreicher Streitkräfte führe dazu, “dass wir wesentlich weniger Todesfälle als früher in den Einsätzen haben”. Der Nebeneffekt ist nach Worten des Inspekteurs, “dass es in den USA heute schon junge Familienväter mit drei verlorenen Gliedmaßen und vielleicht noch ohne Augenlicht gibt, die früher gestorben wären”. Das seien neue Herausforderungen für die Gesellschaft.

43 Dienstjahre: Was war das schrecklichste Ereignis in Patschkes Laufbahn? “Der Tsunami 2004 im Indischen Ozean”, erinnert sich der Inspekteur. “Die Leichen am Strand, die völlig zerstörten Landschaften ohne Menschen – das lässt mich nicht mehr los.”

Und die positiven Erinnerungen? “Die Kameradschaft”, antwortet der Vater von vier Töchtern, dessen Nachfolger der bisherige Stellvertreter Michael Tempel (61) wird. Im Einsatz gebe es viel Hilfe und tiefe Gespräche zwischen Soldaten, “die in Deutschland in der Straßenbahn gar nicht miteinander reden würden”.

Text und Foto: dpa /fw

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