Neue Pfleger braucht das Land!

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Der Pflegeberuf spielt eine zentrale Rolle in unserem Gesundheitswesen, dennoch ist er mit einem negativen Image behaftet.

Unter dem Motto “Professionelle Pflege für eine gesunde Gesellschaft” wurde gestern in Berlin über die Bedingungen in den Pflegeberufen diskutiert. Missstände wurden hervorgehoben, die nun – unter anderem durch neue Gesetzgebungen – behoben werden sollen – das erhofft man sich zumindest.

Der Pflegeberuf ist mit einem negativen Image behaftet. Im Allgemeinen gilt er als undankbar, da neben der geringen Bezahlung auch schlechte Arbeitsbedingungen herrschen. Ständig wechselnde Schichtdienste und Unterbesetzung erschweren den Arbeitsalltag des Pflegepersonals. Hinzu kommt, dass die Pfleger einer hohen körperlichen und psychischen Belastung ausgesetzt sind. Sie werden tagtäglich mit dramatischen Schicksalen, Hoffnungslosigkeit und dem Tod konfrontiert. Viele beklagen, dass sie nicht genug Anerkennung bekommen und dass ihnen nicht genug Wertschätzung widerfährt.

In sechs Bundesländern muss die Ausbildung zum Pfleger selbst finanziert werden

Es wird auch innerhalb des Pflegesektors differenziert: So verdient ein Altenpfleger 25 Prozent weniger als ein Krankenpfleger nach einer Ausbildung, die zu 80 Prozent gleichwertig ist, wie Karl-Josef Laufmann (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten und Bevollmächtigter für Pflege) auf der Pressekonferenz vermerken ließ. Auch in der Ausbildung haben nicht alle Bundesländer die gleichen Möglichkeiten – in sechs Bundesländern müssen die Pfleger ihre Ausbildung selbst finanzieren. Das sind denkbar ungünstige Voraussetzungen, wenn laut Karl-Josef Laufmann der Bedarf an Pflegekräften jährlich um drei bis vier Prozent steigt, was in etwa 20.000 Arbeitsplätzen entspricht.

Wer kann Pfleger werden?

Carsten Drude (Vorsitzender des Bundesverbandes Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe e. V.) ließ auf der gestrigen Pressekonferenz vermerken: “Wir müssen jeden nehmen, der für den Pflegeberuf geeignet ist. Allerdings dürfen wir das Niveau nicht zu weit herabsetzen.” Ein Schulabschluss sei dabei unumgänglich, in den häufigsten Fällen trifft man auf Kandidaten mit einem Mittleren Schulabschluss. Es ist vor allem wichtig, dass die Bewerber hilfsbereit, fürsorglich, geduldig und zuverlässig sind. Ein gesundes Selbstvertrauen ist auch von Relevanz, da Pflegekräfte in Notsituationen lebensrettende Maßnahmen ergreifen müssen.

Der Bund hat nun ein Gesetzgebungsverfahren in die Wege geleitet, das für die bisher separaten Pflegeberufe der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger einen neuen Beruf schafft, in dem der Wissenstransfer auf allen Ebenen vonstatten geht. Carsten Drude sympathisiert mit dieser Gesetzgebung: “Im Bereich der stationären und ambulanten Altenhilfe wird mehr und mehr pflegerisches, medizinisches und technisches Wissen benötigt, gleichzeitig werden in Akutkrankenhäusern immer mehr alte multimorbide und demenziell veränderte Patienten versorgt. [Es] muss außerdem mehr Fachwissen über die Behandlung und den Umgang mit Kindern vorhanden sein.”

Was kritisiert das Pflegepersonal, was muss verbessert werden?

Auf der Pressekonferenz plädierten die Sprecher für eine Aufrüstung in der Personalausstattung, Wertschätzung und Vergütung. Darüber hinaus müssen die Arbeitsbedingungen einen Wandel durchlaufen – zu Gunsten des Pflegepersonals. Debora Riegraf steckt in den letzten Zügen ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Ihr ist es wichtig, mit den Ärzten auf Augenhöhe zu arbeiten, um den Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten. Sie möchte mehr Eigenverantwortung übernehmen, weniger von den Ärzten abhängig sein und ernst genommen werden. “Ich verstehe mich nicht als Hilfskraft im Medizinbetrieb, die lediglich die Arbeit der Ärzte flankiert. Leider begegnet mir diese Haltung immer wieder – ganz konkret bei Ärzten, Patienten und Angehörigen, aber zum Beispiel auch in den Medien”.

Sie betont, dass das Pflegepersonal ein hohes Maß an Verantwortung trägt und auch über ein fundiertes medizinisches Fachwissen verfügt. Daher erwartet sie mehr Anerkennung, was sich auch “gerne finanziell bemerkbar machen darf”. Auf Dauer möchte sie nicht im klinischen Bereich arbeiten, da ihr die körperliche Belastung zu schaffen macht. Des Weiteren kritisiert sie, dass die Interaktion mit den Patienten viel zu kurz kommt. Es herrsche oftmals ein enormer Zeitdruck “fertig zu werden”, sodass man sich als Pflegepersonal nur auf die notwendige Grundversorgung beschränken könne, die bei weitem nicht ausreicht.

Die Führungskräfte in der Pflegebranche sind einer Umfrage zufolge mit der Altenpflegepolitik in Deutschland unzufrieden. Die Evangelische Heimstiftung Stuttgart hat knapp 200 leitende Pflegekräfte und Heimleitungen im Land befragt. “Das Ergebnis ist ein eindeutiger Appell: Stärkt die Pflege”, sagte die Pressesprecherin der Stiftung, Karolin Hartmann, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Evangelische Heimstiftung hat das Altenpflegebarometer nach eigenen Angaben 2014 zum ersten Mal aufgelegt – “um einen O-Ton aus der Praxis zu haben”, sagte Hartmann. “Bei solchen Aussagen kann die Politik nicht mehr weggucken.” Die Evangelische Heimstiftung betreibt nach eigenen Angaben 85 Einrichtungen in Baden-Württemberg mit 8.500 Pflegeplätzen und betreuten Wohnungen. Damit liegt sie in einem Ranking des Vincentz-Verlags in Hannover, das der dpa vorliegt, unter den zehn größten Pflegeanbietern in Deutschland.

Text: esanum/ Daniela Feinhals / dpa

Foto: Thieme Verlag

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