Neue Strategie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Der Pankreastumor zählt zu den gefährlichsten und tödlichsten Tumoren überhaupt. Nun hat ein Team des LMU Klinikums München einen Weg gefunden, mit dem sich dieser Krebs zumindest im Labor effektiv bekämpfen lässt.

Immuntherapie wird als heißes Eisen im Feuer gehandelt

Der Pankreastumor zählt zu den gefährlichsten und tödlichsten Tumoren überhaupt – und wird deshalb besonders intensiv erforscht. Nun hat ein Team um Prof. Sebastian Kobold von der Abteilung für Klinische Pharmakologie des LMU Klinikums München einen Weg gefunden, mit dem sich dieser Krebs zumindest im Labor effektiv bekämpfen lässt. 

Die Diagnose Bauchspeicheldrüse ist meist noch immer eine Todesdiagnose. 90 Prozent der Patient:innen sterben in den ersten fünf Jahren, allen Mühen der Medizin zum Trotz. Forschende suchen weiter nach neuen Therapien, die die missliche Lage verbessern. "Die Immuntherapie wird da als heißes Eisen im Feuer gehandelt", sagt Sebastian Kobold, "und wir wissen aus vorklinischen Arbeiten, dass T-Zellen des Immunsystems auch sehr effektiv in der Tumorbekämpfung sein können."

Bauchspeicheldrüsenkrebs schützt sich durch Botenstoff CXCL16 vor Immuntherapie

Allerdings sind Immuntherapien bei Bauchspeicheldrüsenkrebs bisher wirkungslos geblieben. Denn um zu wirken, müssen die Abwehrzellen das Tumorgebiet erreichen und zu den eigentlichen Krebszellen vordringen. Das Problem: Die Tumorzellen des Pankreas sind umgeben von einem schwer zu durchdringenden Stroma-Gewebe. Dieser Mix aus Bindegewebskomponenten macht laut der Deutschen Pankreas-Stiftung rund 40 Prozent des Tumors aus, weitere Komponenten sind Fibroplasten, andere Zellen wie Leukozyten oder karzinomassoziierte Makrophagen (TAMs) und Blutgefäße. Zusätzlich dazu senden die Tumorzellen einen Botenstoff namens CXCL16 aus. CXCL16 lockt eine Gruppe von Immunzellen an, die einen Angriff gegen den Tumor verhindern statt ihn loszutreten. Der Gruppe der T-Zellen, die den Tumor theoretisch bekämpfen können, fehlt der Rezeptor, der auf das CXCL16-Signal mit einem Angriff reagieren könnte.

Rezeptor in den T-Zellen ist wichtig für eine wirksame Immuntherapie

Mit gentechnischen Methoden werden die T-Zellen so verändert, dass sie den fehlenden Rezeptor produzieren. Kobolds Team nutzte dafür die CAR-T-Zellen. CAR-T steht für "chimärer Antigenrezeptor in T-Zellen". Der Name beschreibt die gentechnischen Veränderungen, die aus T-Zellen aggressive Tumorkiller machen. Damit die Immunzellen die Krebszellen identifizieren, wird mittels Gentechnik eine Art Antenne auf die Oberfläche der T-Zellen gebastelt, die nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip ein ganz spezielles Molekül auf der Oberfläche der Tumorzellen erkennen. Mit Hilfe der Antenne spüren diese T-Zellen die Feinde auf, docken an sie an und zerstören sie letztendlich.

Um speziell die Zellen von Bauchspeicheldrüsentumoren anzupeilen, haben die Münchner Forscher*innen zusätzlich das Gen für den fehlenden Rezeptor in die CAR-T-Zellen eingebaut. Mit durchschlagendem Effekt: "In allen Laborversuchen", sagt Kobold, "fanden die so ausgestatteten CAR-T-Zellen ihr Ziel und attackierten die Krebszellen von Pankreastumoren."

Immuntherapie soll in klinischen Studien getestet werden

Von ihren Erkenntnissen motiviert, haben die Forschenden mit der langwierigen Vorbereitung klinischer Versuche begonnen. Zunächst einmal geht es darum, die angepassten CAR-T-Zellen so herzustellen, dass alle Auflagen der Behörden eingehalten werden. Parallel laufen auch die Vorbereitungen für klinische Studien, die für die Anwendung am Menschen unverzichtbar sind. "In ein paar Jahren", erklärt der Mediziner, "wissen wir dann, ob sich unsere Hoffnungen auf eine neue Therapie gegen Pankreastumore erfüllen."

Quelle:
T cells armed with C-X-C chemokine receptor type 6 enhance adoptive cell therapy for pancreatic tumours.
Nature Biomedical Engineering (2021).

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