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Neue Studie: Asthma-Mittel könnte Parkinson-Risiko senken

33 Prozent niedrigeres Erkrankungsrisiko festgestellt

Bestimmte Asthma-Medikamente reduzieren möglicherweise das Risiko, an Morbus Parkinson zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kommt eine vor wenigen Tagen in "Science" veröffentlichte Studie. Beta2-Adrenozeptor-Agonisten wie Salbutamol reduzieren demnach offenbar die Transkription des Gens für Alpha-Synuklein.

"Diese Entdeckung wirft ein neues Licht auf die Pathogenese der Parkinson-Krankheit und sollte unbedingt in klinischen Studien auf ihre Praxisrelevanz überprüft werden", sagt Professor Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg und Zweiter Vorsitzender der Deutschen Parkinson-Gesellschaft.

Ablagerungen von pathologischem Alpha-Synuklein werden vielfach als ursächlich für die Parkinson- Krankheit betrachtet. Die jetzt publizierte Studie sollte klären, ob es möglich ist, schon auf der Ebene des Alpha-Synuklein-Gens (SNCA) in die Produktion des krankheitsauslösenden Proteins einzugreifen. Dafür kombinierten die Autoren pharmakologische und molekularbiologische Untersuchungen mit einer großen epidemiologischen Studie.

Reduzierte Transkription von SCNA

Ein multidisziplinäres Forscherteam um Studienleiter Clemens Scherzer von der Harvard Medical School screente in Kulturen menschlicher Nervenzellen 1126 Testsubstanzen – neben Naturprodukten, Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln auch gängige Medikamente. Es zeigte sich, dass Agonisten des Beta2-Adrenozeptors, dazu zählt zum Beispiel Salbutamol, häufig Bestandteil von Asthma-Medikamenten, die Transkription von SNCA signifikant erniedrigen, während der entgegengesetzt wirkende Betablocker Propanolol sie signifikant erhöht. Zudem fanden die Wissenschaftler bei Mäusen unter Beta2-Agonisten eine signifikante Reduktion der Alpha-Synuklein-Bildung in der Substantia nigra, was auf eine funktionelle Relevanz für die Parkinson-Krankheit schließen lässt.

Ob sich ihre Beobachtung von Zellkulturen und Mäusen auch auf Menschen übertragen lässt, überprüften die Forscher im dritten Schritt. Anhand einer Datenbank, in der die Verschreibungen sämtlicher Arzneimittel an alle Einwohner Norwegens erfasst sind, suchten sie nach einem möglichen Zusammenhang. Sie fanden etwa 300.000 Patienten, die das Asthma-Medikament Salbutamol eingenommen hatten. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung war das Risiko dieser Menschen, an Parkinson zu erkranken, in den nachfolgenden elf Jahren um 33 Prozent niedriger. Mehr als 9.000 Menschen hatten Propanolol erhalten, und in dieser Gruppe war das Risiko, Parkinson zu entwickeln, mehr als verdoppelt. 

"Die Studie ist hochinteressant, da sie einen neuen krankheitsmodifizierenden medikamentösen Behandlungsansatz der Parkinson-Krankheit vorstellt, der früher in den Krankheitsprozess eingreift als alle bisher verfügbaren Therapien und theoretisch mit weit verbreiteten und recht gut verträglichen Arzneimitteln möglich wäre", kommentiert Professor Volkmann, warnt jedoch vor verfrühter Euphorie: "Bevor man diese Arzneien Parkinson-Patienten empfiehlt, muss der Nutzen in großen prospektiven Studien bewiesen werden."