Neuer Wirkstoffkandidat für Alzheimer-Therapie zeigt vielversprechende Ergebnisse

Der im Forschungszentrum Jülich entwickelte Alzheimer-Wirkstoff-Kandidat PRI-002 hat die Phase I der klinischen Forschung in gesunden Freiwilligen erfolgreich durchlaufen. Bei einer täglichen Verabreichung über einen Zeitraum von vier Wochen erwies sich der Wirkstoff als sicher für die Anwendung im Menschen.

Deutliche kognitive Leistungsverbesserungen bei Mäusen in fortgeschrittenem Krankheitsstadium 

Der im Forschungszentrum Jülich entwickelte Alzheimer-Wirkstoff-Kandidat PRI-002 hat die Phase I der klinischen Forschung in gesunden Freiwilligen erfolgreich durchlaufen. Bei einer täglichen Verabreichung über einen Zeitraum von vier Wochen erwies sich der Wirkstoff als sicher für die Anwendung im Menschen. Der nächste Meilenstein ist nun der Nachweis der Wirksamkeit im Patienten in der klinischen Phase II.

"Der Wirkstoffkandidat PRI-002 hat bereits im Sommer 2018 seine Sicherheit und Verträglichkeit bei einmaliger Anwendung im Menschen unter Beweis gestellt – und zwar bis zur höchsten geplanten Dosierung. Dabei erreichten die Wirkstoffkonzentrationen im Blut die Werte, die zuvor therapeutisch wirksam waren im Tiermodell. Nun konnten wir auch bei vier-wöchiger täglicher Verabreichung die Sicherheit des Wirkstoffes zeigen", sagt Prof. Dieter Willbold, Direktor des Jülicher Instituts für Strukturbiochemie (ICS-6) und Leiter des Instituts für Physikalische Biologie der Universität Düsseldorf. Die Studie wurde von Prof. Michael Wolzt an der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien durchgeführt, in enger Koordination mit Dr. Dagmar Jürgens vom ICS-6. Ein weiterer Partner ist die Neuroscios GmbH, ein Auftragsforschungsinstitut, das das Monitoring beider Studien durchführte.

In den letzten Jahren sind viele Alzheimer-Wirkstoffkandidaten in der entscheidenden Klinischen Phase III, in der Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffs bestätigt werden sollen, gescheitert. Sie erreichten keine Verbesserung der Gedächtnisleistung und Kognition bei Alzheimer-Patienten. Bei einer Vielzahl der gescheiterten Wirkstoffkandidaten stand das Amyloid-beta-Monomer (Abeta) im Fokus. "Das hat sicher einen guten Grund, denn es gibt klare genetische Hinweise, dass Abeta in irgendeiner Form eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Demenz hat", sagt Dieter Willbold. Dabei wurde entweder versucht, die Bildung von Abeta-Monomeren aus seinem Vorläuferprotein APP durch Hemmung der daran beteiligten spaltenden Enzyme zu reduzieren oder es wurden monoklonale Antikörper gegen verschiedene Formen von Abeta eingesetzt.

PRI-002 besitzt neuen Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus von PRI-002 folgt einem komplett anderen Ansatz als die bisherigen Wirkstoffkandidaten. Er zerstört direkt und ohne Mitwirkung des Immunsystems die toxischen Oligomere und zerlegt diese in die ungefährlichen Abeta-Monomere.

Darüber hinaus gehört PRI-002 auch noch zu einer völlig neuen Klasse von Wirkstoffen, die auf sogenannten D-Peptiden basiert. Diese bestehen aus den genauen Spiegelbildern der normalerweise im Organismus vorkommenden L-Aminosäuren in Proteinen und werden deshalb im Körper nicht oder sehr langsam abgebaut. Dadurch ist s der Wirkstoff so stabil, dass PRI-002 oral, also als Tablette oder Kapsel verabreicht werden kann.

"Ich verfolge die Entwicklung von PRI-002 mit großem Interesse. Nicht nur, weil es einen interessanten und neuen Ansatz in der Therapie von Alzheimer darstellt, sondern auch wegen der Möglichkeit einer Verabreichung mittels Tablette oder Kapsel, was insbesondere bei älteren Menschen sehr vorteilhaft ist", sagt Prof. Oliver Peters von der Charité in Berlin.

Auch die Ergebnisse der präklinischen Wirksamkeitstests mit PRI-002 wurden in der Regel mit oraler Verabreichung erzielt. "Wir konnten zeigen, dass es bei Mäusen mit alzheimerähnlichen Symptomen zu einer kognitiven Leistungsverbesserung kam. Gedächtnis und Kognition der behandelten Mäuse waren signifikant gegenüber der Plazebo-Gruppe verbessert und sogar nicht mehr von der Gedächtnisleistung gesunder Mäuse zu unterscheiden", sagt Dr. Janine Kutzsche, Wissenschaftlerin aus dem Team von Prof. Willbold. Diese kürzlich publizierten Studien am ICS-6 an sehr alten Mäusen mit weit fortgeschrittenem Krankheitsbild konnten zeigen, dass selbst bei diesen Tieren die Krankheitssymptome erfolgreich behandelbar waren. "Also unter eindeutig nicht-präventiven Bedingungen", unterstreicht Willbold.

Die nun vorliegenden Ergebnisse aus den erfolgreichen Tests einer einfachen und mehrfachen ansteigenden Dosierung von PRI-002 in gesunden, freiwillig teilnehmenden Menschen erlauben eine weitere Entwicklung des Wirkstoffes. "Unser nächstes Ziel ist der Nachweis der Wirksamkeit im Patienten", sagt Dieter Willbold. 

Quelle Text und Bild: Forschungszentrum Jülich

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