Neues Medikament zur Behandlung von Dyskinesien bei Parkinson

Am 8. Januar 2018 hat Adamas Pharmaceuticals, Inc. die Markteinführung des Präparates GOCOVRI™ (Amantadin) Retard-Kapseln bekanntgegeben. Das bereits im August 2017 von der US-Gesundheitsbehörde zugelassene Medikament wird zur Behandlung Levodopa-induzierter Dyskinesien bei Parkinson eingesetzt.

Weniger Off-Zeiten, konstante Plasmakonzentration, bessere Compliance

Am 8. Januar 2018 hat Adamas Pharmaceuticals, Inc. die Markteinführung des Präparates GOCOVRI™ (Amantadin) Retard-Kapseln bekanntgegeben. Das bereits im August 2017 von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde zugelassene Medikament wird zur Behandlung Levodopa-induzierter Dyskinesien bei Morbus Parkinson eingesetzt. Eine vielversprechende, innovative Therapieoption.

Während bei jüngeren Patienten eher auf Dopaminagonisten zurückgegriffen wird, gilt Levodopa in der Parkinson-Therapie älterer Patienten immer noch als "Goldstandard". Das bekannte Problem ist, dass die Betroffenen im Verlauf ihrer Erkrankung zunehmend höhere und häufigere Dosierungen dieses Medikaments benötigen, um die Off-Zeiten mit ausgeprägter Parkinson-Symptomatik zu vermeiden. Durch die Langzeiteinnahme von L-Dopa entwickeln die Patienten wiederum medikamenteninduzierte Dyskinesien. Innerhalb von zehn Jahren sind fast 90% der Patienten davon betroffen. Diese unwillkürlichen Bewegungen treten meistens auf, wenn die höchste Dosis (engl. "peak dose") von L-Dopa im Blut erreicht ist. Um die Dyskinesien zu reduzieren, werden die Einzeldosen des L-Dopa verringert. Der Nachteil ist, dass sich dadurch die On-Phasen verkürzen und sich die Off-Phasen erneut verlängern.

Amantadin – bekannter Wirkstoff, neue Wirkformel

Amantadin, auch als PK-Merz® bekannt, ist eines der ältesten Parkinson-Mittel auf dem deutschen Markt. Als ein schwacher Antagonist des NMDA-Rezeptors (Glutamat-Rezeptor-Subtyp) erhöht es die Freisetzung von Dopamin und blockiert die Dopamin-Wiederaufnahme.

Bei dem neu auf dem US-Markt verfügbaren GOCOVRI™ handelt es sich um Amantadin-Kapseln mit verlängerter Wirkstofffreisetzung. Durch die konstant über den Tag verteilte Wirkung erzielt das Medikament eine bessere Abnahme der Levodopa-induzierten Dyskinesien (LID) sowie eine Reduktion der täglichen Off-Zeiten. Es wird empfohlen, das Retardpräparat hochdosiert (2 Kapseln à 137mg entsprechen 340 mg Amantadinhydrochlorid) einmal täglich zur Nacht einzunehmen.

Studiendesign und Ergebnis

Die Zulassung von GOCOVRI™ basiert auf den zwei letzten klinischen Studien des Phase-3-Programms von ADS-5102 zur Behandlung von LID, das in Zentren für Bewegungsstörungen in den Vereinigten Staaten, Kanada und Europa durchgeführt worden ist. Insgesamt umfasste das Programm drei placebokontrollierte, randomisierte Doppelblindstudien mit 286 Patienten sowie eine noch laufende, langfristige, offene Phase 3 Sicherheitsstudie. 

Das primäre Ziel bestand darin, Dyskinesien mithilfe der Unified Dyskinesia Rating Scale (UDysRS)* zu messen. Als sekundäre Endpunkte wurden die täglichen On- und Off-Zeiten (über ein Patiententagebuch), die Beweglichkeit und die Veränderung des allgemeinen klinischen Eindrucks erfasst.

In den Studien zeigte sich nach 12 Wochen unter Amantadin retard eine signifikante mittlere Abnahme der Dyskinesien um 37% bzw. um 46% bei der UDysRS gegenüber 12% und 16% unter Placebo. Auch die mittlere Off-Zeit reduzierte sich um fast eine Stunde, unter Placebo nahm sie sogar zu. Personen, die mit Amantadin retard behandelt wurden, erkannten eine Verbesserung der funktionellen Zeit (On-Zeit) täglich um 3,6 Stunden in Studie 1 und 4,0 Stunden in Studie 2. Die häufigsten Nebenwirkungen gegenüber Placebo waren visuelle Halluzinationen, periphere Ödeme und Schwindel.

Schlussfolgerungen

Durch die einmal tägliche, abendliche Gabe von GOCOVRI™ lässt sich eine klinisch relevante Abnahme der Dauer und der Schwere der Levodopa-induzierten Dyskinesien sowie eine Reduktion der täglichen Off-Zeit erzielen. Das Retardpräparat bietet über den Tag verteilte, konstante Plamakonzentrationen, die mit dem herkömmlichen Amantadin nicht erreicht werden können. Dadurch wird das Nutzen-Risiko-Profil des Arzneimittels deutlich verbessert. Von Vorteil für die Compliance ist auch, dass die Kapseln nur einmal täglich eingenommen werden. Bekannte Kontraindikationen bei Einnahme von Amantadin bleiben aber zu berücksichtigen.

Ausblick

Aktuell laufende Studien weisen vielversprechende Ergebnisse bezüglich der Indikationserweiterung von Amantadin retard auf (ADS 5102). So haben MS-Patienten mit Gehbehinderung unter Einnahme des Medikaments u. a. eine signifikante Verbesserung der Gehgeschwindigkeit gezeigt. Laut dem Unternehmen Adamas™ soll das Phase-3-Programm dazu noch dieses Jahr starten.

* Unified Dyskinesia Rating Scale: Erstes validiertes Instrument zur Bewertung der Auswirkung von Dyskinesie auf wichtige und zuordenbare Aktivitäten des täglichen Lebens (einschließlich Reden, Kauen, Schlucken, Anziehen, Schreiben, Utensilienbenutzung, Teilnahme an sozialen Aktivitäten und Hobbys).

Referenzen:
1. Hauser RA, Pahwa R, Tanner CM, et al. ADS-5102 (Amantadine) Extended-Release Capsules for Levodopa-Induced Dyskinesia in Parkinson’s Disease (EASE LID 2 Study): Interim Results of an Open-Label Safety Study. Journal of Parkinson’s Disease. 2017;7(3):511-522. doi:10.3233/JPD-171134.
2. Oertel W, MD, Eggert K, Pahwa R, et al. Randomized, placebo‐controlled trial of ADS‐5102 (Amantadine) extended‐release capsules for levodopa‐induced dyskinesia in Parkinson's disease (EASE LID 3) Mov Disord. 2017 Dec; 32(12): 1701–1709. doi:  10.1002/mds.27131.
3. Pahwa R, Tanner CM, Hauser RA, et al. ADS-5102 (Amantadine) Extended-Release Capsules for Levodopa-Induced Dyskinesia in Parkinson Disease (EASE LID Study): A Randomized Clinical Trial. JAMA Neurology. 2017;74(8):941-949. doi:10.1001/jamaneurol.2017.0943.

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