Notaufnahmen in Not!

Um den Stau in den Notaufnahmen aufzulösen, hat das Klinikum Frankfurt Höchst zusammen mit dem Hessischen Gesundheitsministerium und der KV Hessen ein Modellprojekt gestartet. Dabei wird bereits am Anmeldetresen entschieden, wer an den Ärztlichen Bereitschaftsdient weiter geleitet wird und wer tatsächlich ein Notfall für das Krankenhaus ist.

Ein Modell schafft Abhilfe

Manche sagen, die wachsende Anspruchshaltung der Patienten sei schuld, andere sehen auch den demografischen Faktor als Treiber – wie auch immer, Deutschlands Notaufnahmen sind chronisch überlaufen. Dabei steht fest, etwa ein Drittel der Patienten, die von sich aus in die Notaufnahme kommen, sind gar keine echten Krankenhaus-Notfälle.

Um den Stau aufzulösen, hat das Klinikum Frankfurt Höchst zusammen mit dem Hessischen Gesundheitsministerium und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen ein Modellprojekt gestartet. Dabei wird bereits am Anmeldetresen entschieden, wer an den Ärztlichen Bereitschaftsdient weiter geleitet wird und wer tatsächlich ein Notfall für das Krankenhaus ist.

Fragen an Dr. Peter-Friedrich Petersen, Chefarzt in der Zentralen Notaufnahme im Klinikum Frankfurt Höchst.

esanum: Herr Dr. Petersen, in Ihrer Klinik läuft seit einem dreiviertel Jahr ein Modellprojekt, das die Situation in der Notaufnahme entspannen soll. Was genau machen Sie anders?

Petersen: Kliniken, in denen die Notaufnahme und der Ärztliche Bereitschaftsdienst Tür an Tür arbeiten, sind per se nichts Neues. Aber hier entscheidet der Patient sozusagen mit den Füßen, wo er hingeht. Das neue an unserem hessischen Modellprojekt ist, dass der Patient am gemeinsamen Tresen entsprechend seines Krankheitsbildes in die für ihn passende Versorgungsebene gelotst wird.

esanum: Welche Erfahrungen haben Sie inzwischen mit der gemeinsamen Anmeldung für echte Notfälle und Patienten, die zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst geschickt werden, gemacht?

Petersen: Sehr gute Erfahrungen. Die Patienten haben weniger Wartezeit. Patienten und Personal haben deutlich weniger emotionalen Stress. Der Diskussionsbedarf über Wartezeiten bei leichtgradigen Erkrankungen hat sich erheblich verringert.

esanum: Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag verändert?

Petersen: Wir können uns in der Klinik auf die Notfälle konzentrieren, die wirklich in eine Klinik gehören.

esanum: Wie haben sich Ihre Fallzahlen entwickelt?

Petersen: Die Zahl der rein ambulanten Patienten in der Notaufnahme  konnte um ca. ein Drittel reduziert werden, seit Oktober insgesamt um über 7000 Patienten.

esanum: Wie nehmen die Patienten die neue Regelung an?

Petersen: Sehr gut. Die Wartezeiten für alle Patienten sind gesunken. Den meisten Patienten ist es egal, welcher Arzt ihnen hilft. Viele merken gar nicht, dass sie durch den ärztlichen Bereitschaftsdienst und nicht durch das Klinikpersonal behandelt werden.

esanum: Sehen Sie auch Nachteile für Ihre Klinik? Zum Beispiel wirtschaftliche?

Petersen: Bisher nicht, im Gegenteil, wir können uns auf die echten Krankenhausfälle konzentrieren.

esanum: Würden Sie Ihr Projekt auch anderen großen Häusern empfehlen? Wurde schon Interesse an Ihren Erfahrungen gezeigt?

Petersen: Ja, wir erhalten einige Anfragen, wollen aber das Ende des Modellzeitraums von gesamt zwei Jahren abwarten, mit dem auch eine Qualitätssicherung verbunden ist.

esanum: Was halten Sie zur weiteren Entspannung des steigenden Andrangs in den Notaufnahmen vom neuen Berufsbild der Notfallschwester, die Teile der ärztlichen Versorgung in Eigenregie vornehmen kann – wie es in anderen Ländern schon üblich ist?

Petersen: Wir haben bereits erste Absolventen der Notfallpflege bei uns im Einsatz in der Notaufnahme – ein neues Spezialgebiet für die Weiterbildung von Pflegekräften. Sicher ist die auf notfallmedizinische Probleme fokussierte Ausbildung der Pflegekräfte wichtig und sinnvoll. Sie sollte unbedingt weiter betrieben werden, um die Qualität in deutschen Notaufnahmen weiter zu erhöhen. Aber der Ansturm auf die Notaufnahmen in Kliniken wird dadurch nicht gelöst. Hierfür brauchen wir andere Konzepte.

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