Obst, Gemüse und Tee für Menschen mit riskantem Lebensstil

Reichlich Obst und Gemüse können die Gesundheit fördern. Nun zeigt eine Studie, dass davon vor allem jene Menschen profitieren, die besonders gefährdet sind.

Risiko für Krebs und Herzerkrankungen wird durch Flavonoide gesenkt

Reichlich Obst und Gemüse können die Gesundheit fördern. Nun zeigt eine Studie, dass davon vor allem jene Menschen profitieren, die besonders gefährdet sind.

"Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern": An dem Sprichwort könnte einer internationalen Studie zufolge etwas dran sein - insbesondere für RaucherInnen und TrinkerInnen. Und vor allem dann, wenn das Obst mit einer Tasse Tee genossen wird. Denn sowohl Äpfel als auch Tee sind reich an Flavonoiden. Ihr Verzehr schütze vor Krebs und Herzerkrankungen, schreiben ForscherInnen im Fachblatt Nature Communications.

Einen weiteren Hinweis liefert eine Studie der australischen Edith Cowan Universität und der Universität Kopenhagen. Das Team um die Ernährungsforscherin Nicola Bondonno und den Mediziner Frederik Dalgaard analysierte Daten einer dänischen Langzeitstudie, die unter anderem die Ernährung von mehr als 56.000 Teilnehmenden zwischen 52 und 60 Jahren über einen Zeitraum von 23 Jahren erfasste. Diese Daten glich das Forschungsteam mit den Sterbefällen innerhalb der Gruppe ab.

Besonders schützende Wirkung bei RaucherInnen und TrinkerInnen

Die Auswertung ergab, dass jene Teilnehmenden, die regelmäßig Lebensmittel mit einem hohen Flavonoid-Gehalt zu sich nahmen, weniger wahrscheinlich an Krebs oder Herzerkrankungen starben. Besonders stark ausgeprägt waren diese Schutzeffekte bei jenen Menschen, die als RaucherInnen oder TrinkerInnen ein erhöhtes Risiko für solche Erkrankungen hätten.

Für Erstautorin Bondonno bedeutet dies, dass der Verzehr entsprechender Lebensmittel insbesondere in diesen Risikogruppen gefördert werden sollte. "Allerdings wirkt der Konsum von Flavonoiden nicht allen erhöhten Sterblichkeitsrisiken entgegen, die mit dem Rauchen und einem starken Alkoholkonsum einhergehen", wird sie in einer Mitteilung der Edith Cowan Universität zitiert. "Bei weitem das Beste für die Gesundheit ist, mit dem Rauchen aufzuhören und den Alkoholkonsum zu reduzieren." Weil die Änderung dieser Gewohnheiten vielen Menschen aber schwerfalle, solle gleichzeitig ein erhöhter Flavonoid-Verzehr angeregt werden.

500 Milligramm Flavonoide pro Tag wirken sich positiv aus

Am niedrigsten war das Risiko für Krebs- und Herzerkrankungen bei jenen Teilnehmenden, die etwa 500 Milligramm Flavonoide am Tag konsumierten. Dies könne leicht durch die Ernährung erreicht werden, betont Bondonno: "Eine Tasse Tee, ein Apfel, eine Orange, 100 Gramm Blaubeeren und 100 Gramm Brokkoli würden eine weite Bandbreite von Flavonoid-Verbindungen ergeben und davon insgesamt 500 Milligramm."

Das ähnele den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), kommentiert Sabine Kulling vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel (Max Rubner-Institut) in Karlsruhe: "Die Studie bestätigt im Großen und Ganzen, dass eine Ernährung mit fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag, wie sie von der DGE seit langem empfohlen wird, gesundheitsfördernd ist. Durch Rauchen und Trinken verursachte Schäden können dadurch etwas abgemildert werden."

Studienergebnisse sind nur eingeschränkt aussagekräftig

Auf die Frage, inwieweit Flavonoide ursächlich vor Krebs und kardiovaskulären Erkrankungen schützen, mahnt die Expertin, die nicht an der Studie beteiligt war, zu Vorsicht: "Das ist aus der Studie nicht abzuleiten." Ein Problem epidemiologischer Studien sei, dass sie zwar Assoziationen aufzeigten, aber keine Kausalitäten: "Flavonoide sind hier eher als ein Marker oder Indikator für einen insgesamt gesünderen Ernährungs- und Lebensstil anzusehen. Möglicherweise leisten sie selbst auch einen kleinen Beitrag zum geringeren Sterblichkeitsrisiko, aber sie sind ganz sicher nicht allein dafür verantwortlich."

Dies würden auch die Daten in der Studie zeigen: Werden in der Auswertung auch rotes und prozessiertes Fleisch, Fisch, Ballaststoffe gesättigte und ungesättigte Fettsäuren berücksichtigt, war der Schutzeffekt der Flavonoide deutlich geringer.

Ergebnisse basieren auf einzelner Befragung

Nichtsdestotrotz lobt Kulling die Untersuchung: "Ernährung ist sehr komplex, und viele Faktoren beeinflussen Krankheitsrisiken. Umso wichtiger sind derartige Studien." Sie weist allerdings auf eine Einschränkung der Studie hin: Die TeilnehmerInnen wurden je nach Flavonoid-Aufnahme in fünf Gruppen eingeteilt. Diese Aufnahme beruhte auf einer einzigen, wenn auch fundierten Befragung über die Ernährung zu Beginn der Studie. Dies wurde in den folgenden 23 Jahren nicht wieder überprüft.

"Das mittlere Alter der Probanden lag bei 56 Jahren, viele sind im Untersuchungszeitraum vermutlich aus dem Berufsleben ausgeschieden", erläutert Kulling. Ein neuer Lebensabschnitt führe vermutlich auch zu Veränderungen in der Ernährung oder im Lebensstil.

Unklarheit, warum Flavonoide sich besonders gesundheitsfördernd auswirken 

Unabhängig davon sei schon vorher gezeigt worden, dass Flavonoide einen Beitrag für die Gesundheit leisten können, indem sie etwa das Verkleben von Blutplättchen hemmen, was für Herz-Kreislauferkrankungen wichtig sei, so Kulling.

Unklar bleibe, was Flavonoide so gesund mache, betont auch Autorin Bondonno. "Alkoholkonsum und Rauchen fördern Entzündungen und die Schädigung von Blutgefäßen, was das Risiko für eine Reihe von Krankheiten erhöhen kann." Andere Studien hätten belegt, dass Flavonoide entzündungshemmend und positiv auf Blutgefäße wirkten. "Das könnte erklären, warum diese mit einem geringeren Risiko für Herztod und Krebs in Verbindung gebracht werden." 

Quelle: 
Flavonoid intake is associated with lower mortality in the Danish Diet Cancer and Health Cohort
Nicola P. Bondonno, Frederik Dalgaard, Cecilie Kyrø, Kevin Murray, Catherine P. Bondonno, Joshua R. Lewis, Kevin D. Croft, Gunnar Gislason, Augustin Scalbert, Aedin Cassidy, Anne Tjønneland, Kim Overvad & Jonathan M. Hodgson 
Nature Communicationsvolume 10, Article number: 3651 (2019)
DOI: 10.1038/s41467-019-11622-x

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