Verletzungen durch E-Zigaretten-Explosion

Orales Trauma und Zahnavulsion nach E-Zigaretten-Explosion

Elektronische Zigaretten (E-Zigaretten), oder sogenannte personal vaporizers, wurden 2003 erstmals vorgestellt und sind seit 2007 in den Vereinigten Staaten käuflich zu erwerben. Das Produkt besteht aus einem Heizelement und einem Kartuschen-“Tank”, in dem sich die Vaporisationslösung befindet. Diese Lösung ist eine Mischung aus Nikotin, Aromastoffen und Zusätzen wie Propylenglykol sowie pflanzlichem Glyzerin, die der Verbesserung des Verdampfungseffektes dienen. Betrieben wird es hauptsächlich durch eine Lithium-Ionen-Batterie, die manuell betätigt wird oder aber aktiviert wird, sobald der Konsument an der Zigarette zieht.

Es ist über einige Vorteile durch das Benutzen der E-Zigarette – verglichen mit herkömmlichen Zigaretten – berichtet worden, mit potentiell geringen Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen durch E-Zigaretten-Vaporisatoren als durch Tabakrauch. Diese Effekte werden kontrovers diskutiert und durch Berichte konterkariert, die Krankheitseffekte auf endotheliale Barrierefunktionen im Sinne einer Entzündung durch die löslichen Komponenten des E-Zigaretten-Dampfes aufführen. Tierstudien legen nahe, dass die Aufnahme der Aerosole aus der E-Zigarette weniger gefährlich ist als der herkömmliche Zigarettenrauch.

Trotz einiger populärwissenschaftlicher Behauptungen, die E-Zigarette biete eine sicherere Form des Nikotinkonsums als konventionelle Zigaretten, empfiehlt die International Association for the Study of Lung Cancer die E-Zigarette nicht als Alternative zum konventionellen Rauchen, besonders aufgrund des Mangels an evidenzbasierten Leitlinien. Andere Sicherheitsbedenken zur E-Zigarette beziehen sich auf den Gesundheits- und Sicherheitsaspekt der Darreichungsform des Nikotins und anderer enthaltener Inhaltsstoffe der Aerosole. Die Rate an enthaltenen Metallelementen und Silikatpartikeln ist Berichten zufolge höher als im konventionellen Zigarettenrauch. Es existieren sogar Berichte über Vergiftungs- und Todesfälle nach akzidenteller oder beabsichtigter Aufnahme der E-Zigaretten-Flüssigkeit in den Verdauungstrakt.

Es existiert eine Debatte darüber, ob E-Zigaretten eine Rolle in Raucherentwöhnungsprogrammen zukommen sollte oder ob E-Zigaretten eher als Einstiegssubstanz zum herkömmlichen Zigarettenkonsum beziehungsweise als Tabak-Ersatz missbraucht werden. In den Vereinigten Staaten, wo das Rauchen in Gefängnissen verboten ist, sind Gefängnisleitern wegwerfbare E-Zigaretten verkauft worden, obwohl die Unterstützung derartiger Artikel weiterhin kontrovers diskutiert wird.

Zusätzlich zu den Gesundheits- und Sicherheitsbedenken bezüglich der Aerosole haben während der vergangenen acht Jahre Berichte über Explosionen und Brände, die durch E-Zigaretten ausgelöst wurden, die amerikanische Feuerwehrbehörde dazu veranlasst, die Sicherheit der E-Zigaretten zu überprüfen. Man hat beobachtet, dass die Explosionsgefahr besonders während des Aktivierungsvorgangs besteht. Wenn man ein anderes Ladegerät als das von der Herstellerfirma empfohlene verwendet, kann das die Lithium-Ionen-Batterie einer höheren Stromstärke aussetzen als für sicher erachtet, was zu einer verstärkten Erwärmung und damit zur Explosion oder Brandentzündung führen kann. Diese Explosionen sind inzwischen so häufig beobachtet worden, dass die amerikanische Verkehrsbehörde kürzlich E-Zigaretten an Bord von Flugzeugen verboten hat.

Rogér et al. von der American Association of Oral and Maxillofacial Surgeons berichten über einen 18 Jahre alten Mann mit oralen und abdominellen Verbrennungen, intraoralen Lazerationen, Zahnfrakturen und Zahnavulsionen, nachdem eine E-Zigarette in seinem Mund explodiert war. Der Patient hatte seine E-Zigarette am Abend vor der Vorstellung im Krankenhaus benutzt. Ursprünglich war er in einer externen Klinik untersucht worden und schließlich zur weiteren Evaluation durch Spezialisten der Verbrennungschirurgie an Rogérs Krankenhaus überwiesen worden. Vor der Konsultation durch die Ärzte erhielt der Patient eine antibiotische Abschirmung sowie eine analgetische Behandlung mit Narkotika und NSARs. Es wurde ein zahnärztliches Konsil bestellt, um das intraorale Trauma des Patienten einzuschätzen. Bei der Vorstellung erklärte der Patient, “Meine E-Zigarette explodierte und ich verlor mehrere Zähne.” Er berichtete, dass das passierte, während er den Auslöseknopf betätigte. Ein Bewusstseinsverlust trat nicht auf, dennoch konnte sich der Patient an weitere Details der Explosion nicht erinnern. Anamnestisch gab er ein Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom an, das mit 36 mg Methylphenidat therapiert wurde. Der Patient konsumierte ausschließlich E-Zigaretten. Die klinische Untersuchung ergab eine Schwellung der Ober- und Unterlippe, ein Hämatom an der rechten Oberlippe, eine 1 cm durchmessende Lazeration an der Rot-Weiß-Grenze der Unterlippe und eine 3 cm x 1,5 cm messende Schleimhautwunde intraoral im Bereich der Unterlippe. Der rechte laterale Schneidezahn war komplett intrudiert, und der rechte zentrale Schneidezahn war avulsiert. Der linke zentrale Schneidezahn zeigte sich frakturiert, und auf Gingiva-Niveau des rechten lateralen Schneidezahnes gab es eine kleine Zahnschmelzfraktur ohne Dentinbeteiligung. Im Bereich der zentralen Schneidezähne gab es eine palatinale Gingivabeteiligung mit einer 2 cm messenden Lazeration. Am Apex des harten Gaumens wurden eine Avulsion im Bereich der Raphe-Median-Ebene und eine moderate Ekchymose festgestellt. Links lateral von der Mittellinie des weichen Gaumens gab es Weichgewebsulzerationen. Die Zunge und der hintere Orophyarnyx waren unverletzt.

Es wurden ein Computertomogramm ohne Kontrastmittel vom Gesichtsschädel sowie ein Orthopantomogramm und eine Röntgenthoraxaufnahme angefertigt. Abgesehen von Knochen- und Weichgewebsdefekten zeigte das CT mukosale Verdickungen der maxillären Sinus, am ehesten im Sinne entzündungsbedingter Veränderungen. Zur Überprüfung der Position der frakturierten und avulsierten Zähne wurden Zahnfilme angefertigt. In der Alveole des rechten oberen zentralen Schneidezahns steckte ein 2 mm großes Stück Zahn, vermutlich ein apikales Bruchstück. Therapeutisch wurde der Patient erfolgreich mittels Zahnextraktionen, speicheldichten Verschlüssen der Extraktionsalveolen und konsekutiv aufwendig angepassten Implantaten und Prothesen versorgt.

Die oben genannt Fallstudie ist die erste in der medizinischen Fachliteratur, die das Ausmaß der Gewebeschädigung und intraoraler Verletzungen nach einer E-Zigaretten-Explosion beschreibt. Während Charakteristika von unerwünschten Ereignissen im Zusammenhang mit E-Zigaretten-Konsum gesammelt werden, wird es sinnvoll sein, über derartige Verletzungen in der Fachliteratur zu berichten, bis konkretere Daten aus größer angelegten Studien zur Verfügung stehen.

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