Organspender-Mangel: Gröhe will weiter um Vertrauen werben

Mehr als 10.000 Menschen in Deutschland hoffen auf ein Spenderorgan. Trotz mehrerer Kampagnen fehlen immer noch Spender.

Warum mangelt es in Deutschland trotz verschiedener öffentlichkeitswirksamer Kampagnen weiter an Organspendern? Über die Gründe gehen die Meinungen auseinander: Die Bundesärztekammer beklagt unter anderem eine mangelnde finanzielle Ausstattung der Kliniken, die Kassen machen dagegen den Vertrauensverlust durch den Transplantationsskandal dafür verantwortlich.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gibt nicht auf und will weiter intensiv für Organspenden werben. “Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich verloren gegangenes Vertrauen nur langsam zurückgewinnen lässt”, sagte Gröhe. “Über 10.000 schwerkranke Menschen warten in Deutschland verzweifelt auf ein Spendeorgan. Alle acht Stunden stirbt ein Mensch auf der Warteliste, weil kein passendes Organ gefunden wird.”

Vor einigen Jahren ließen Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spenderorganen die Spendebereitschaft zurückgehen. Ärzte hatten ihre Patienten kränker erscheinen lassen als sie tatsächlich waren, um in der Liste der potenziellen Empfänger nach oben zu klettern.

Den mehr als 10.000 Menschen in Deutschland, die auf ein Spenderorgan hoffen, standen 2015 laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) 877 Organspenden gegenüber, etwas mehr als 2014 mit 864 Spenden. Vor dem Skandal lag die Zahl höher, aber immer noch weit entfernt von der Zahl benötigter Organe: 2010 waren es 1296 Organspenden, 2011 lagen sie bei 1200, 2012 bei 1046.

Nach Ansicht der DSO müssen auch Ärzte in Krankenhäuser stärker für das Thema sensibilisiert werden. Dass manche von ihnen bei medizinischen Notfällen nicht an eine mögliche Organspende eines Kranken dächten, liege auch an der “enormen Leistungsverdichtung” in Kliniken, sagte der Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel, am Donnerstag bei einem Kongress in Frankfurt. Die Zahl der Krankenhäuser sei geschrumpft, gleichzeitig aber die Zahl der Patienten auf Intensivstationen gestiegen. Der Vorsitzende des DSO-Stiftungsrates, Björn Nashan, sagte, gesetzlichen Krankenkassen müsse klargemacht werden, dass ein System nicht totgespart werden dürfe.

Transplantationsskandal wirkt nach

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, verlangte ebenfalls mehr Aufklärung über Organspenden und eine finanziell bessere Ausstattung für die Kliniken. Der Transplantationsskandal 2012 sei nur ein Grund für das weitere Absacken der Spenderzahlen gewesen, sagte er. Wesentlich wichtiger sei unter anderem eine ausreichende Finanzierung der Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern. “Auch Angehörigengespräche mit speziell geschultem Personal müssen auskömmlich bezahlt werden”, sagte der BÄK-Chef und fügte hinzu: “Hier sind die Krankenkassen immer noch ein großer Bremsklotz.”

Die gesetzlichen Krankenkassen wehren sich gegen den Vorwurf, zu wenig Geld zur Verfügung zu stellen. “Die Transplantationsmedizin befindet sich in einer Vertrauens- und nicht etwa in einer Finanzierungskrise”, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg.

Um die Vorbehalte in der Bevölkerung gegen eine Organspende abzubauen, soll auch ein zentrales Transplantationsregister mehr Transparenz bringen. Gesetzliche sowie private Krankenkassen müssen nun ihre Versicherten ab 16 Jahren alle zwei Jahre über Organspende und Organspendeausweis informieren.

Die Aufklärungskampagnen der Bundesregierung für mehr Organspenden laufen jedenfalls nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz ins Leere. “Seit 2012 wurden zusätzlich 100 Millionen Euro aufgewendet, um alle Krankenversicherten anzuschreiben. Trotzdem gehen die Spenderzahlen zurück”, erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Er fügte hinzu: “Auch das Transplantationsregister wird daran nichts ändern. Für Spender und Empfänger ist das System intransparent.” Mehr als 10.000 Menschen in Deutschland hoffen auf ein Spenderorgan. Doch die Zahl der Organspender bewegt sich laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) in den vergangenen Jahren um plus/minus 1000.

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