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Pankreatitis oder Pankreaskarzinom? Ähnliche Symptome, unterschiedliche Erkrankungen

Appetitmangel, Übelkeit, Oberbauchschmerzen, plötzlicher Gewichtsverlust ohne erkennbaren Grund oder Anzeichen eines Ikterus – dahinter könnte sich eine Bauchspeicheldrüsenerkrankung verbergen.

<strong>Appetitmangel, Übelkeit, Oberbauchschmerzen, plötzlicher Gewichtsverlust ohne erkennbaren Grund oder Anzeichen eines Ikterus – dahinter könnte sich eine Bauchspeicheldrüsenerkrankung verbergen. Da neben einer Pankreatitis auch Tumoren infrage kommen können, sollten die Beschwerden immer ernst genommen und schnellstmöglich umfassend untersucht werden. In zertifizierten Pankreaszentren kann die Diagnose bereits innerhalb weniger Tage gestellt und eine geeignete Therapie initiiert werden.</strong>

Es gibt verschiedene Arten von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen. Dazu gehören die akute und chronische Pankreatitis sowie unterschiedliche benigne und maligne Pankreastumoren.1

Was ist eine akute Pankreatitis?2,3

Bei der akuten Pankreatitis handelt es sich um eine plötzlich auftretende Inflammation des Pankreas. In den meisten Fällen kommt es infolge einer Gallenwegserkrankung wie beispielsweise Gallensteinen zu einer Cholestase. Die Gallensäure schädigt das Epithel des Pankreasgangs und führt zu einer gesteigerten Permeabilität für verschiedene Enzyme, unter anderem für Phospholipase. Es besteht die Vermutung, dass eine zu frühe Aktivierung von Verdauungsenzymen, die ihrerseits weitere Enzyme aktivieren, schließlich die Selbstverdauung des Organs in Gang bringt. Während die akute Form meist komplikationslos ausheilt, kommt es chronisch zu einer dauerhaften Entzündung. Die Folgen sind funktionseinschränkende Gewebeveränderungen, Funktionsausfälle des exokrinen und/oder endokrinen Pankreas sowie ein erhöhtes Krebsrisiko. Rauchen und Alkoholkonsum stellen wichtige Risikofaktoren für das Entstehen einer chronischen Pankreatitis dar. Darüber hinaus existiert eine vererbbare Form der chronischen Pankreatitis, die hereditäre autosomal-dominante Pankreatitis, die gleichzeitig die häufigste Pankreatitis im Kindesalter darstellt. Dabei entwickelt sich durch wiederholte Schübe akuter Pankreatitis mit selbstverdauenden Nekrosen schließlich eine chronische Pankreatitis. Ursache ist eine Genmutation.

Pankreastumore – nur 5 Prozent sind benigne4

Unter den Pankreastumoren sind etwa 5 Prozent benigne. Da sie jedoch bei entsprechendem Wachstum mitunter erhebliche Beschwerden verursachen und darüber hinaus im Laufe der Zeit bösartig werden können, wird eine chirurgische Resektion empfohlen. In der Regel können die Tumoren dabei komplett und organerhaltend entfernt werden. Zu den benignen Tumoren des Pankreas gehören die serösen Zystadenome, muzinöse Zystadenome, intraduktale papilläre muzinöse Neoplasien (IPMN) sowie neuroendokrine Neoplasien des Pankreas (NEN). Zystadenome sind fast ausschließlich gutartig, jedoch haben insbesondere die muzinösen Zystadenome ein hohes Entartungspotential, sodass sich aus ihnen nicht selten ein bösartiges Zystadenokarzinom entwickelt. Passend zu ihrer starken Ähnlichkeit zum Eierstockgewebe treten sie nahezu immer bei Frauen auf und siedeln sich einzeln im Corpus oder Schwanzteil des Pankreas an.

Neoplasien haben grundsätzliches Entartungpotential5

Bei den intraduktalen papillären muzinösen Neoplasien handelt es sich um schleimproduzierende Tumoren, die entweder einzeln oder an verschiedenen Stellen der Bauchspeicheldrüse gleichzeitig auftreten. Dabei ist ihr Ursprung unklar. Man geht jedoch davon aus, dass sich aus Zellen der Pankreasgänge in einem langsamen mehrstufigen Prozess zunächst benigne IPMN-Adenome, anschließend Borderline-Tumoren und schließlich maligne IPMN-Tumoren entwickeln können. Die neuroendokrinen Neoplasien des Pankreas haben ihren Ursprung in endokrinen Hormon-produzierenden Zellen. Da gewisse Ähnlichkeiten zu Nervenzellen bestehen, werden diese Tumoren als neuroendokrin bezeichnet. Sie treten sowohl als benigne als auch als maligne Tumoren auf, wobei ein grundsätzliches Entartungspotential besteht. Bis zu einer Größe von 2 cm sind sie meist gutartig. Diejenigen NEN, die funktionell aktiv sind und Hormone produzieren, sind in aller Regel bösartig. Davon ausgenommen ist jedoch das Insulinom. Wie der Name vermuten lässt, entsteht es aus den Insulin-produzierenden Langerhans-Inseln des endokrinen Pankreas. In ca. 90 Prozent der Fälle ist das Insulinom klein und benigne. Dem gegenüber steht das Gastrinom, welches zwar ebenfalls benigne sein kann, jedoch zu ca. 60 Prozent als maligner Tumor auftritt.6

Pankreaskarzinom – frühe Diagnose spielt ausschlaggebende Rolle

Abb. 1: Unspezifische Symptome können auf ein Pankreaskarzinom hinweisen.

Insgesamt ist das Pankreaskarzinom wesentlich häufiger verbreitet als die gutartigen Tumoren: In Deutschland erkranken jährlich etwa 16.700 Menschen. Die Zahl der jährlichen Todesfälle ist ähnlich hoch.7 Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 71, für Frauen bei 75 Jahren.7,8 Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit, an einem Pankreaskarzinom zu erkranken, deutlich erhöhen, sind: Rauchen, zunehmendes Alter, die Familiengeschichte, Diabetes und Übergewicht.9 Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um ein duktales Adenokarzinom, welches von Drüsenzellen des exokrinen Pankreas ausgeht. Laut einer europäischen Studie liegt das 5-Jahres-Überleben für das Pankreaskarzinom bei lediglich 3 Prozent.10

Abb. 2: Schlechte Prognose: Überlebensrate beim Pankreaskarzinom

Dabei hat sich die Prognose in den vergangenen 20 Jahren nicht verbessert.8 Vor allem der Zeitpunkt der Diagnose spielt eine zentrale Rolle für die Prognose der Patienten. Aufgrund der Lage des Pankreas tief im Inneren der Bauchregion verspüren Patienten mit Pankreaskarzinom jedoch in der Regel keine Symptome, bis die Erkrankung in weitere nahe gelegene Organe gestreut hat.11 Sind Tumorzellen des Pankreaskarzinoms in andere Organe, etwa Leber oder Lunge, eingewandert, befindet sich der Patient bereits in einem fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium der Erkrankung.12 Dies betrifft ca. 80 Prozent der Patienten.13 Lediglich 20 Prozent werden so früh diagnostiziert, dass eine Operation überhaupt erfolgen kann.8 Dabei ist eine chirurgische Resektion im primären Stadium der Erkrankung die einzige Behandlungsoption mit Chance auf Heilung. Sie kann das 5-Jahres-Überleben bei einigen Patienten auf bis zu 10 Prozent erhöhen.14 Für die Patienten bedeutet dies wertvolle Lebenszeit.

Exakte Diagnose wichtig für adäquate Behandlung

Da die Symptome allein noch keinen Aufschluss über die Art der Erkrankung geben, sind umfangreiche differentialdiagnostische Untersuchungen erforderlich, um eine exakte Diagnose zu stellen. Dazu gehören neben Blut- und Stuhlanalysen auch bildgebende und endoskopische Untersuchungen, wobei Letztere unter einer Kurznarkose des Patienten durchgeführt werden. Unter den bildgebenden Verfahren kommen in der Praxis Sonografie, Computertomografie und Magnetresonanztomografie zum Einsatz. Teilweise werden Kontrastmittel eingesetzt. Besteht der Verdacht einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung wird zur Differentialdiagnostik neben der Endosonografie auch die endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikografie (ERCP) eingesetzt. Diese Methode erlaubt eine sehr genaue Untersuchung der Gangsysteme von Pankreas und Gallenblase sowie der Gallenblase von innen. Darüber hinaus können Gewebeproben bei auffälligen Befunden bereits während der Untersuchung entnommen werden.4 Unabhängig davon, wie die jeweilige Diagnose ausfällt, sollte die Behandlung der Bauchspeicheldrüsenerkrankung nach Möglichkeit immer in einem zertifizierten Pankreaszentrum erfolgen. Denn die adäquate Therapie – ganz gleich, ob es sich um Tumoren oder Pankreatiden handelt – bedarf einer entsprechenden Expertise und Erfahrung.

Weitere ausführliche Informationen von Experten zum Pankreaskarzinom und zu möglichen Therapien finden Sie im TEB Kompass, dem Ratgeber für Patienten und Angehörige.


C-APROM/DE//1629

Quellen

  1. Klinikum der Universität München. Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Verfügbar unter: http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Klinik-fuer-Allgemeine-Viszeral-Transplantations-Gefaess-und-Thorax-Chirurgie/de/0600-fachgebiete/pankreas_chir/Erkrankungen-der-Bauchspeicheldruese/index.html. [Zugriff am 16.03.2018]
  2. Huber W, Schmid RM. Akute Pankreatitis: Evidenzbasierte Diagnostik und Therapie. Dtsch Arztebl 2007; 104(25).
  3. Universitätsklinikum Düsseldorf. Akute und chronische Pankreatitis. Verfügbar unter: http://www.uniklinik-duesseldorf.de/index.php?id=21058. [Zugriff am 16.03.2018].
  4. AWMF. S3-Leitlinie zum exokrinen Pankreaskarzinom. Version 1.0. Stand Oktober 2013. Verfügbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-010OLl_S3_Exokrines_Pankreaskarzinom_21112013-verlaengert.pdf. [Zugriff am 07.03.2018]
  5. Universitätsklinikum Heidelberg. Intraduktal papillär muzinöse Neoplasie (IPMN). Verfügbar unter: https://eliph.klinikum.uni-heidelberg.de/texte_s/562/intraduktal-papillaer-muzinoese-neoplasie-ipmn. [Zugriff am 16.03.2018]
  6. OERG. Das Pankreaskarzinom. Verfügbar unter: http://www.oerg.at/index.php/das-pankreaskarzinom.html. [Zugriff am 16.03.2018]
  7. Robert Koch-Institut und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V., Berlin. Krebs in Deutschland 2011/2012. 10. Ausgabe. 2015. Verfügbar unter: http://www.gekid.de/Doc/krebs_in_deutschland_2015.pdf. [Zugriff am 07.03.2018]
  8. Ducreux M, Cuhna A, Caramella C, et al. Cancer of the pancreas: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2015; 26(5): 56-68.
  9. Pancreatic Cancer Action Network. Risk factors. Verfügbar unter: https://www.pancan.org/section-facing-pancreatic-cancer/learn-about-pan-cancer/risk-factors/. [Zugriff am 07.03.2018]
  10. Carrato A et al. J Gastrointest Cancer 2015; 46:201
  11. Deutsche Krebshilfe Leitlinienprogramm Onkologie. Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse - Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten. Verfügbar unter: https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Leitlinien/PLL_Bauchspeicheldruese_WEB.pdf. [Zugriff am 08.03.2018]
  12. Cancer Research UK. The stages of pancreatic cancer. Verfügbar unter: http://www.cancerresearchuk.org/about-cancer/pancreatic-cancer/stages-types-grades. [Zugriff am 23.08.2017]
  13. Walker EJ, Ko AH. Beyond first-line chemotherapy for advanced pancreatic cancer: An expanding array of therapeutic options? World J Gastroenterol, 2014; 20(9): 2224-36.
  14. Jones OP, Melling JD, Ghaneh P. Adjuvant therapy in pancreatic cancer. World J Gastroenterol. 2014;20:14733-46.