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Pflegewandel: Boom bei betreuten Wohngemeinschaften

Betreute WGs als Alternative zu Pflegeheimen

Im Alter ins Heim - davor graut es vielen. Entsprechend legen betreute Wohngemeinschaften in Berlin zu. Die Heimaufsicht hat dort allerdings kaum Zugang.

Prognosen zufolge gibt es in Berlin in Zukunft immer mehr Pflegebedürftige - dennoch stagniert die Zahl der Pflege-Einrichtungen. Der Trend geht vielmehr hin zur betreuten Wohngemeinschaft: Von 2012 bis 2017 habe es eine Zunahme um mehr als ein Viertel auf 645 solcher WGs gegeben, sagte der Präsident des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso), Franz Allert, am Dienstag. Diese WGs hätten 4900 Bewohner - immer noch eine Minderheit im Vergleich zu den fast 40.000 Menschen, die aus Gründen wie Alter, Krankheit oder Behinderung in 584 stationären Einrichtungen leben. Dazu einige Aspekte aus dem neuen Lageso-Jahresbericht:

Beschwerden über die Zustände in Berliner Heimen sind im Vorjahr zahlreicher geworden. Die Heimaufsicht registrierte 328 Beschwerden, knapp 70 mehr als 2016. Etwa in der Hälfte der Fälle beschwerten sich Angehörige, es gibt aber auch anonyme Hinweisgeber und Kritik aus den Reihen der Pflegekräfte. Häufig werde etwa die Qualität des Essens bemängelt, sagte Allert. Generell lägen die beanstandeten Sachverhalte oft länger zurück und seien daher schwer zu überprüfen.

Mehr Fachkräfte notwendig

Prüfer stellten nach Allerts Angaben 2017 nach Beschwerden und bei Regelprüfungen 66 Mängel in 42 Einrichtungen fest. In den meisten Fällen (19) sei es um die Personalausstattung gegangen, etwa fehlende Fachkräfte. Auf der Mängelliste standen zudem Aspekte der Arbeitsorganisation und Dokumentation, Fehler bei der Medikamentenvergabe und Hygienemängel.

In Einzelfällen ging es um freiheitsentziehende Maßnahmen, zum Beispiel wenn ein Heimbewohner in ein Gitterbett gelegt wird, aus dem er nicht mehr selbst aufstehen kann. Wegen Mängeln habe kein Heim geschlossen werden müssen. Allert erklärte, das Verhängen von Belegungsstopps sei das wirkungsvollste Druckmittel auf Betreiber. Auch Beratungen durch die Heimaufsicht spielten eine wichtige Rolle.

Mehr Überprüfungen in Heimen

Aus Wohngemeinschaften kämen deutlich weniger Beschwerden, sagte Allert. Lediglich zwölfmal rückten Prüfer 2017 nach Hinweisen an - anders als bei stationären Einrichtungen darf die Heimaufsicht bei diesen WGs nicht ohne Anlass anrücken. Vor-Ort-Prüfungen sind dort in der Regel auch nur dann möglich, wenn die Bewohner zustimmen. Zum Vergleich: Bei den Heimen gab es rund viermal so viele Prüfungen aus einem bestimmten Anlass und mehr als 460 turnusmäßige Prüfungen.

Beim Check in WGs gehe es oftmals um rechtliche Fragen, so Allert - beispielsweise um zu klären, ob es sich tatsächlich noch um eine WG handelt oder bereits um ein verkapptes Heim mit mehreren WGs in einem Haus. Ob der Boom der Pflege-WGs in Zukunft weitergehen kann, ist für Allert fraglich: Er verwies auf den angespannten Wohnungsmarkt, der dem Angebot womöglich Grenzen setzen könne. 

Menschen mit ausländischen Abschlüssen in Gesundheits- und Heilberufen - nicht nur Geflüchtete - wollen zunehmend eine Anerkennung ihrer Qualifikation in Deutschland. Die Antragszahlen beim Lageso sind in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. Allein 15.000 Beratungskontakte verzeichnete die Behörde im Vorjahr. Allert sprach von einem «guten Trend» - etwa an angesichts des Pflegermangels in Deutschland -, aber der Zuwachs sei noch lange nicht ausreichend. 

An ausländische Ärztinnen und Ärzte erteilte das Lageso 2017 mehr als 400 Approbationen. Im Pflegebereich gab es zwar keine Aufschlüsselung zur Herkunft - insgesamt bekamen aber mehr als 900 Kranken- und mehr als 700 Altenpfleger die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung zu führen.