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Positive Bilanz zu kinderärztlichem Bereitschaftsdienst

Schon bei seiner Einführung wurde er gelobt oder kritisiert - der kinderärztliche Bereitschaftsdienst. Ein Jahr danach fällt die Bilanz weitgehend positiv aus, auch wenn Kritikpunkte aus den Anfangstagen noch nicht beseitigt sind.

Ein Jahr Kinderarzt-Bereitschaft: Erfolgsmodell oder Reinfall? 

Schon bei seiner Einführung wurde er gelobt oder kritisiert - der kinderärztliche Bereitschaftsdienst. Ein Jahr danach fällt die Bilanz weitgehend positiv aus, auch wenn Kritikpunkte aus den Anfangstagen noch nicht beseitigt sind.

Krankheiten halten sich bekanntlich nicht an Sprechzeiten. Wird das eigene Kind abends oder am Wochenende krank, stehen Eltern vor der Frage: wohin? Seit einem Jahr kann man in solchen Fällen zwischen Kassel und Darmstadt den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst aufsuchen. Dieser wurde im Oktober 2016 in Hessen als erstem Flächenbundesland eingeführt - ergänzend zu den bereits bestehenden 58 Zentralen des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD), der für Patienten aller Altersklassen offensteht.

Bei der Einführung hatte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, Karl Matthias Roth, prophezeit, "dass wir mit dem Beispiel Schule machen". Bisher hat sich das nicht erfüllt, die Kinderarzt-Bereitschaft bleibt vorerst ein Alleinstellungsmerkmal für Hessen. Dort denkt die KV sogar schon über den nächsten fachärztlichen Dienst nach. Für 2018 ist laut dem Verband ein Augenärztlicher-Bereitschaftsdienst geplant. Dieser soll an ausgewählten Augenkliniken angesiedelt werden.

Bereitschaftsdienst ist gut besucht

Der kinderärztliche Bereitschaftsdienst ist laut KV gut besucht: "Die Wartezimmer sind voll, teils sehr voll", sagt der stellvertretende KV-Landeschef Eckhardt Starke der Deutschen Presse-Agentur. An Standorten wie Frankfurt-Höchst und Offenbach wolle man deshalb bald weitere Behandlungsräume schaffen, um die Wartezeiten zu verkürzen. Die seien allerdings "kürzer als kolportiert", allerdings sei die Anspruchshaltung der Bevölkerung "extrem hoch".

Nach Starkes Einschätzung hat "die überwiegende Mehrheit" der hessischen Kinder- und Jugendärzte die neuen Dienste gut aufgenommen. "Einzelne kritische Stimmen gibt es auch – das wollen wir nicht verschweigen. Hier stehen wir im Dialog." Starke wertet den Dienst insgesamt als Erfolg: "Keinem anderen Bundesland ist es bisher gelungen, einen flächendeckenden kinderärztlichen Bereitschaftsdienst zu implementieren. Damit ist Hessen bundesweit vorbildlich", sagt er.

Dienst ist nicht flächendeckend

Doch mit hessenweit elf Standorten liegt das Angebot immer noch weit unter dem des allgemeinen ÄBD. Das war und bleibt ein Kritikpunkt. Die Sprecherin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Hessen, Barbara Mühlfeld, sagt dazu: "Wirklich flächendeckend ist so ein Dienst nicht zu installieren, gerade in ländlichen Gebieten müssen Eltern daher oft weite Wege zurücklegen."

Diese Ansicht vertritt auch Rainer Greunke, Geschäftsführender Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft: "Die Einrichtung von kinderärztlichen Bereitschaftsdienstpraxen war und ist begrüßenswert. Nichtsdestotrotz werden weiterhin in den Notaufnahmen der Krankenhäuser ambulante pädiatrische Notfälle versorgt. Dies liegt zum einen daran, dass ein Großteil der Bevölkerung nach wie vor nicht weiß, dass solch ein Bereitschaftsdienst existiert und zum anderen daran, dass die Wege teilweise recht weit sind." Eine Familie in Rüsselsheim müsse beispielsweise zwischen 20 und 30 Kilometer zur nächsten kinderärztlichen Bereitschaftsdienstpraxis fahren. Ein Grund für dieses Problem sei aber, dass es grundsätzlich sehr viel weniger Kinderärzte als Allgemeinmediziner gebe. So sind in Hessen derzeit laut KV 460 Kinderärzte niedergelassen, bei den Hausärzten sind es 4052.

Eltern legen Wert auf kinderärztliche Kompetenz

Ein Argument für den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst bleibe, "dass Eltern mit ihren erkrankten Kindern zu einem Arzt gehen können, der eine kinderärztliche Kompetenz hat", erklärt Mühlfeld. Für viele Eltern sei es wichtig, dass sie einen Facharzt aufsuchen könnten. So würden auch die Ambulanzen von Krankenhäusern und Kinderkliniken entlastet.

Doch im Gegensatz zu diesen Ambulanzen steht die Kinderarzt-Bereitschaft nicht rund um die Uhr zur Verfügung. Die Sprechzeiten sind sehr viel kürzer als die des ÄBD - in Gelnhausen und Wiesbaden ist beispielsweise mittwochs bis freitags von 16 bis 20 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 9 bis 20 Uhr geöffnet. "Wir haben das Angebot an das angepasst, was wir als Kernzeiten sehen. Dabei haben wir die Erfahrungen aus dem ärztlichen Bereitschaftsdienst zugrunde gelegt", erklärt Karl Matthias Roth von der KV. Hausbesuche gibt es beim kinderärztlichen Bereitschaftsdienst nicht. "Dafür sehen wir im Moment auch keinen Bedarf", sagt Roth und erläutert, dass Eltern mit ihren Kindern auch den allgemeinen ÄBD nutzen können. "Ein medizinischer Spezialist ist nicht immer notwendig."

Nach Ansicht Mühlfelds zeigt sich hier ein grundsätzliches Problem: Seien die Bereitschaftsdienste für Kinder geschlossen, würden viele Eltern mit ihren kranken Söhnen oder Töchtern dann doch wieder in die Ambulanzen der Kinderkliniken und Krankenhäuser fahren. "Durch das relativ umfassende Angebot erleben wir als Kinderärzte nicht nur eine starke Inanspruchnahme, sondern auch ein steigendes Anspruchsdenken. Insofern ist der Dienst, den ich grundsätzlich sehr positiv bewerte, auch ein zweischneidiges Schwert."