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Praxis ohne Warteliste: Therapeutin setzt auf Zufallsprinzip

Wer anruft, wenn gerade ein Platz frei wird, bekommt ihn

Wartelisten für bis zu eineinhalb Jahren? So etwas gibt es in einer Mainzer Psychotherapie-Praxis nicht mehr - dem Zufallsprinzip sei Dank. Die Probleme vor allem im ländlichen Raum löst das aber nicht.

Es ist ein bisschen wie bei einem Quiz-Sender, bei dem der Moderator fragt: "Wer ist in der Leitung?" Der glückliche Anrufer, der zum richtigen Zeitpunkt angerufen hat, kann dann live um Geld, ein Auto oder irgendeinen mehr oder weniger wertvollen Sachpreis spielen. Bei Sabine Maur gibt es kein Auto und keinen Geldsegen - und erst recht keine glücklichen Anrufer. Maur ist Psychotherapeutin. Doch auch bei ihr spielt das Prinzip Zufall eine große Rolle. Sie vergibt einen freigewordenen Therapieplatz nicht mehr über eine Warteliste, sondern an den nächsten zufällig anrufenden Patienten. 

Der Hintergrund für dieses etwas bizarr anmutende Vorgehen ist reichlich ernst. Deutschlandweit gibt es deutlich mehr Menschen mit psychischen Problemen als Therapeuten, die diese zeitnah behandeln können. Das ist auch in Rheinland-Pfalz so. Die Folge sind immer länger werdende Wartezeiten. Sabine Maur hat eine Praxis in Mainz, sie ist spezialisiert auf Kinder und Jugendliche. 

Bis zu eineinhalb Jahre hätten die jungen Patienten bei der Psychotherapeutin warten müssen. "Ich habe gesagt, dass ich eine solche Liste nicht mehr führe.", sagt die 45-Jährige, die die bürokratische Listenführung vor etwa vier Jahren abschaffte. Das Zufallsprinzip entscheidet nun, was passiert, wenn ein Platz frei wird: Wer gerade zu diesem Zeitpunkt anruft, hat Glück und wird behandelt. Wer anruft, wenn kein Platz erhältlich ist, hat Pech.

Wirklich Probleme können aber auch mit dieser kreativen Auswahl nicht gelöst werden. "Das Grundübel ist, dass die Bedarfsplanung nicht gut gemacht ist.", kritisiert Maur. Also: Ob Liste oder Zufall, es müssen zu viele seelisch Leidende zu lange warten.

Durchschnittlich 12 bis 14 Wochen müssen Patienten in Rheinland-Pfalz auf einen Therapieplatz warten. Dieser Mittelwert ergibt sich aber aus Extremen, denn festzustehen scheint auch: Je größer die Stadt, desto einfacher ist es, schnell einen Platz bei einem Therapeuten zu bekommen. "Wir haben Regionen, in denen eher mit 26 Wochen bis zu einem Jahr gerechnet werden muss. Das ist weit weg von dem, was gut für die Versorgung der Patienten ist.", sagt der Präsident der Landestherapeutenkammer, Peter Brettle. Dies sei hauptsächlich in ländlichen Regionen wie im Hunsrück oder in Teilen des Westerwaldes der Fall. Brettle selbst hat eine Praxis in Wittlich, Kreis Bernkastel-Wittlich.

Maur behandelt in der Landeshauptstadt, doch auch ihr sind diese Probleme nicht verborgen geblieben. "Wir haben ein großes Defizit im ländlichen Raum.", sagt die Therapeutin. Man habe bei der  Bedarfsplanung fälschlicherweise angenommen, dass der Bedarf auf dem Land nicht so hoch sei. Nun müssen Patienten bis zu 80 Kilometer fahren, um ihren wöchentlichen Sitzungstermin wahrnehmen zu können.

Auch die neue Richtlinie, wonach Praxen besser erreichbar sein und eine psychotherapeutische Sprechstunde anbieten müssen, bringt nach Ansicht von Maur nicht viel. Sofern das Gespräch ergebe, dass ein Therapieplatz notwendig sei, gebe es ja trotzdem keinen. Im  Gegenteil: "Diese neuen Leistungen nehmen weitere Kapazitäten weg, dann entfallen in den meisten Praxen drei bis vier Therapiestunden pro Woche.", sagt Maur.