Prozess um tödliche Schlankmacher-Pillen

Die Verantwortlichkeiten bei einem der größten französischen Gesundheitsskandale sollen nun vor Gericht aufgeklärt werden. Für viele Opfer dürfte der Prozess zu spät kommen.

Vorwürfe von schwerem Betrug bis zur fahrlässigen Tötung

Die Verantwortlichkeiten bei einem der größten französischen Gesundheitsskandale sollen nun vor Gericht aufgeklärt werden. Für viele Opfer dürfte der Prozess zu spät kommen.

Über 100 ZeugInnen, 376 AnwältInnen, fast 2.700 Opfer als NebenklägerInnen: Im Skandal um gefährliche Schlankmacher-Pillen hat ein spektakulärer Strafprozess in Paris begonnen. Zwölf Beschuldigte müssen sich bis Ende April 2020 vor Gericht verantworten.

Zudem müssen elf Organisationen oder Firmen auftreten, darunter der Hersteller Servier und die nationale Agentur für Arzneimittelsicherheit (ANSM). Die Vorwürfe reichen von schwerem Betrug bis hin zu fahrlässiger Tötung.

RechtsexpertInnen gehen von 1.500 bis 2.100 Toten aus

Die Pillen des Pharma-Konzerns Servier könnten allein in Frankreich den Tod von mindestens 500 PatientInnen verursacht haben. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Aufsichtsbehörde für Medikamenten-Sicherheit schon zu Beginn des Jahrzehnts. RechtsexpertInnen würden inzwischen die Zahl von 1.500 bis 2.100 Toten nennen.

Das Mittel soll unter anderem Herz- und Kreislaufschäden hervorgerufen haben. Mediator ist seit rund zehn Jahren in Frankreich nicht mehr auf dem Markt, in Deutschland wurde das Medikament nicht verkauft.

Medikament war 33 Jahre auf dem Markt

"Wir warten darauf, dass ein Strafrichter über die Vergehen entscheidet, die Servier vorgeworfen werden", sagte die aus der Bretagne stammende Fachärztin Irène Frachon. Die auf Lungenkrankheiten spezialisierte Ärztin trug wesentlich dazu bei, den Gesundheitsskandal aufzudecken. Sie verglich im Hospital Krankenakten und stellte die Verbindung zwischen bestimmten Krankheiten und dem Medikament her, das 33 Jahre auf dem Markt war.

Servier weist Betrugsvorwürfe zurück. "Das Pharmaunternehmen Servier hat niemals seine Patienten betrogen", sagte einer der Anwälte des Konzerns, François de Castro. Das Unternehmen beschäftigt in der ganzen Welt 22.000 MitarbeiterInnen und macht einen Milliardenumsatz.

"Mediator" wurde als Diabetes-Medikament und Hungerzügler genutzt

Beim Auftakt ging es in erster Linie um die Organisation des riesigen Prozesses. Eine zentrale Figur, der Gründer des Pharmakonzerns Jacques Servier, kann sich nicht mehr verantworten - er starb vor gut fünf Jahren im Alter von 92 Jahren.

Der Pharmahersteller Servier hatte Mediator Mitte der 70er Jahre als Diabetes-Medikament auf den Markt gebracht. Es wurde jedoch auch häufig Übergewichtigen als Hungerzügler verschrieben. Schätzungen zufolge nahmen etwa fünf Millionen Menschen das Mittel ein.

Die Behörde für Arzneimittelsicherheit erinnerte daran, dass sie nach Enthüllung des Skandals 2011 umgebaut und umbenannt wurde. Es gebe nun strikte Regeln, um die Unabhängigkeit zu gewährleisten. Und es werde kein Geld von der Industrie angenommen.

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