Qualitätsoffensive soll schlechte Krankenhäuser bestrafen

Was läuft schief in deutschen Krankenhäusern? In den vergangenen Jahren häuften sich Meldungen, dass Chefärzte angeblich anhand der Anzahl bestimmter Operationen vergütet werden. Wer viel operiert,

Was läuft schief in deutschen Krankenhäusern? In den vergangenen Jahren häuften sich Meldungen, dass Chefärzte angeblich anhand der Anzahl bestimmter Operationen vergütet werden. Wer viel operiert, erhält ein höheres Salär – auch wenn Eingriff nicht notwendig sind. Ein Problem sind sicherlich die Fallpauschalen, die besagen, dass jedes Krankenhaus für Patienten einen bestimmten Betrag verlangen darf, abhängig von der jeweiligen Krankheit. So erhält ein Krankenhaus beispielsweise für Hüftgelenk rund 7.000 Euro, ein Kaiserschnitt ist etwa 2.500 Euro wert. Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland bei vielen Operationen anzahlmäßig eine führende Position ein. Es wird zuviel operiert. Brustkrebs ist hierfür ein prägnantes Beispiel.

Das ärgert vor allen Dingen die Krankenkassen. Der GKV-Spitzenverband fordert deshalb seit langem, dass Krankenhäusern bei Operationen stärker auf die Finger geschaut wird. Und noch wichtiger: Dass gute Qualität bei Operationen honoriert wird und wenn gepfuscht wird, Krankenhäuser mit geringeren Vergütungen leben müssen. Die Bundesregierung hat nicht zuletzt deshalb ein neues Qualitätsinstitut ins Leben gerufen, um hier mehr Transparenz zu schaffen. Das Ziel: eine bessere krankenhäusliche Versorgung.

Am Freitag verständigten sich Bund und Länder auf ein Eckpunktepapier für eine umfassende Krankenhausreform, der erste “große Wurf” seit fast 15 Jahren. Als zentraler Punkt soll künftig regelmäßig die Qualität der Einrichtungen geprüft und schlechte Qualität mit finanziellen Abschlägen für die erbrachte Leistung sanktioniert werden. «Mit Abschlägen wird schlechte Qualität nicht besser, aber seltener», argumentiert Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Das heiß, Qualitätsprüfung und Sanktionen sollen eine marktbereinigende Wirkung haben.

Krankenhäuser, die seit Jahren schlechte Qualitätswerte bei der Patientenversorgung haben, sollen umstrukturiert werden – von der Umwidmung von Krankenstationen bis hin zur Schließung eines ganzen Hauses. Verlierer dieser Krankenhausreform sind die Krankenhäuser, die Qualitätsdefizite haben. Das soll einen Anreiz liefern, besser zu werden.

Um diese, zum Teil kostenintensiven Umstrukturierungen zu finanzieren, ist ein Investitions- oder Strukturfonds geplant. 500 Millionen Euro sollen aus dem Gesundheitsfonds aufgebracht werden, aus dem eigentlich die gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden. Die Länder sollen mit weiteren 500 Millionen Euro frischem Geld gegenfinanzieren. Es ist eine einmalige Angelegenheit. Nach drei Jahren soll geprüft werden, ob weiteres Geld investiert werde, erläuterte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

Mit einem regelmäßigen Zweitgutachten soll zudem der Mengenproblematik entgegengewirkt werden. Das heißt, zwei Ärzte kontrollieren sich gegenseitig und klären, ob eine OP wirklich notwendig ist. Die Länder kommen allerdings seit Jahren ihrer Investitionspflicht im Krankenhausbereich nur unzureichend nach.

GKV-Interview
Fachbeitrag Dr. Bodo Müller

Foto: Bundesgesundheitsminister Gröhe überzeugt sich vor Ort von einem Krankenhaus.
Foto: dpa Text: Volker Thoms mit dpa

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