Schlaganfall: Schnelle Reperfusion überlebenswichtig

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Wenn die Wiederherstellung der Durchblutung nach einem Schlaganfall verzögert stattfindet, können Langzeitschäden entstehen, darüber hinaus wird die Erfolgswahrscheinlichkeit einer guten Behandlung um 6 Prozent reduziert.

Verzögerungen bei der Wiederherstellung der Durchblutung nach einem Schlaganfall sind offenbar mit deutlich reduzierten Chancen für ein gutes Langzeitergebnis assoziiert. Darüber hinaus verschlechtert ein verlängertes Zeitintervall die Erfolgsaussichten einer intrarteriellen Lysetherapie mittels Katheter.
Zu diesen Erkenntnissen kommt eine aktuelle Studie (DOI: 10.1001/jamaneurol.2015.3886), die unlängst auf JAMA Neurology online veröffentlicht wurde.

Die Zeit ist ein wichtiger Prädiktor für das erreichbare klinische Ergebnis und die Erfolgschancen der Behandlung bei Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben.

Wie wichtig dieser zeitliche Faktor tatsächlich ist, untersuchte nun Diederik w.j. Dippel, M.D., Ph.d., von der Erasmus MC University Medical Center Rotterdam in den Niederlanden mit seinen Koautoren im Rahmen einer klinischen Studie. Dabei betrachteten sie den Einfluss der Zeit zwischen dem Beginn des Schlaganfalls und dem Beginn der Behandlung und der erfolgreichen Reperfusion (Wiederherstellung des Blutflusses zum Gehirn) auf die klinischen Effekte der intraarteriellen Behandlung (IAT = intraarterial treatment). Die IAT umfasst das Einführen eines Katheters in eine Arterie und dessen Vorschieben bis zum Ort der Blockade. Dort angelangt, werden thrombolytisch wirkende Medikamente verabreicht und/oder eine mechanische Wiedereröffnung der Arterie vorgenommen. In beiden Fällen wird das Gerinnsel idealerweise beseitigt, der Blutfluss zum Hirngewebe wiederhergestellt und sein Untergang somit verhindert.

Die randomisierte, klinische Studie verglich das Ergebnis einer IAT (meist mittels Stent-Retriever durchgeführt) mit dem Ergebnis von Patienten, die keine IAT erhalten haben. Insgesamt waren 500 Patienten in der Studie involviert, wovon 233 letztendlich einer Intervention unterzogen wurden. Die Zeit bis zum Anfang der Behandlung war definiert als der Zeitraum zwischen dem Beginn der Schlaganfall-Symptome und der Leistenpunktion (TOG) für die Platzierung des Katheters in der Leiste. Der Zeitraum zwischen dem Beginn der Behandlung und der erfolgten Reperfusion wurde als die Zeit definiert (TOR), welche für die Wiedereröffnung der Blockade oder die Beendigung des Eingriffes bei Fällen, in denen eine Reperfusion nicht erreicht werden konnte, nötig war. Alle Patienten erhielten darüber hinaus die leitliniengerechte Behandlung eines ischämischen Insults. Diese beinhaltet unter anderem die intravenöse Gabe von Fibrolytika, sofern sie indiziert waren.

Eine Stunde Verzögerung bis zur Reperfusion reduziert die Erfolgswahrscheinlichkeit um 6 Prozent

Unter den 500 Patienten betrug der Median der TOG 260 Minuten (4 Stunden, 20 Minuten) während der Median von TOR bei 340 Minuten (5 Stunden, 40 Minuten) lag. Von den 233 Patienten, welche einer Intervention unterzogen wurden, erreichten 17 (7,3 Prozent) nicht den Behandlungssaal. Bei 25 Patienten (10,7 Prozent) begann die Behandlung innerhalb von drei Stunden nach dem Auftreten des Schlaganfalls, bei 96 Patienten (41,2 Prozent) wurde die Behandlung erst zwischen 3 und 4,5 Stunden nach dem Apoplex eingeleitet, während bei 95 Patienten (40,8 Prozent) die Behandlung nach mehr als 4,5 Stunden nach Symptombeginn begonnen werden konnte. 19 Patienten (8,2 Prozent) brauchten bis zur Behandlung mehr als sechs Stunden.

Bei der Analyse ihrer gewonnenen Daten fanden die Autoren einen deutlichen Zusammenhang zwischen TOR und der Wirkung der Behandlung. Kein statistisch signifikanter Zusammenhang zeigte sich hingegen zwischen TOG und dem Effekt der Intervention. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass mit jeder Stunde Verzögerung bis zur erfolgreichen Reperfusion, die Chancen für ein gutes klinisches Ergebnis um 6 Prozent reduziert werden.

Die Studie unterstreicht die entscheidende Bedeutung einer möglichst zeitnahen IAT bei Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall. Der absolute Behandlungseffekt einer IAT sowie dessen Abnahme im Laufe der Zeit, sind weitaus bedeutender als die der intravenösen Behandlung. Am wichtigsten erscheint den Wissenschaftlern allerdings die Erkenntnis, dass Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall einer sofortigen diagnostischen Aufarbeitung bedürfen, um eine passende Therapie einleiten zu können. Im Falle einer arteriellen Okklusion sollte dann eine schnellstmögliche intraarterielle Behandlung durchgeführt werden.

Text: esanum/ pvd

Foto: docstockmedia / Shutterstock

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