Rheuma bei Kindern - Symptome erkennen und rechtzeitig handeln

Rheuma - auch Kinder können davon betroffen sein. Auf welche Symptome Eltern achten müssen und welche Faktoren für einen Behandlungserfolg besonders wichtig sind, erklärte Prof. Dr. Kirsten Minden auf der Vorab-Pressekonferenz zum diesjährigen Rheumatologie-Kongress.

Zeit ist ein entscheidender Faktor

Rheuma - das ist längst nicht nur eine Erkrankung, die Erwachsene und ältere Menschen betrifft, sondern auch Kinder können davon betroffen sein. Auf welche Symptome Eltern achten müssen und welche Faktoren für einen Behandlungserfolg besonders wichtig sind, erklärte Prof. Dr. Kirsten Minden, Kinderrheumatologin an der Universitäts-Kinderklinik der Charité Berlin auf der Vorab-Pressekonferenz zum diesjährigen Rheumatologie-Kongress, der vom 4. bis 7. September in Dresden stattfindet.

Wenn bei einem Kind der Verdacht auf juvenile idiopathische Arthritis (JIA) besteht, ist Eile geboten. Immerhin zwei bis drei von 1.000 Kindern unter 16 Jahren sind tatsächlich von der Krankheit betroffen. Neuesten Erkenntnissen zufolge ist für den weiteren Krankheitsverlauf besonders der frühe Therapiebeginn entscheidend. Nicht immer ist es jedoch ganz einfach, Rheuma im Kindesalter früh zu diagnostizieren. Mittlerweile ist das Bewusstsein für die Krankheit jedoch sowohl bei KinderärztInnen als auch bei Eltern so ausgeprägt, dass bei Verdacht zügig die Versorgung durch pädiatrische RheumatologInnen eingeleitet werden kann. Von 10 Kindern, die dort vorstellig werden, bestätigt sich in der Regel bei einem Kind der Verdacht.

Dennoch beträgt der Zeitraum vom ersten Auftreten der Symptome bis zum Einleiten der Therapie durch die Fachärztin oder den Facharzt noch ganze vier Monate. Das ist zwar wesentlich weniger als in der Erwachsenen-Rheumatologie, wo dies teilweise bis zu zwei Jahren dauert, trotzdem sollte eine Verkürzung dieses Zeitfensters auf maximal sechs Wochen angestrebt werden, so Prof. Minden. 

Frühe Behandlung mit Biologika erwägen

Wichtig ist dies vor allen Dingen deshalb, weil davon auszugehen ist, dass Entzündungsprozesse bei einem sehr frühen Therapiebeginn noch komplett rückbildungsfähig sind. Als realistisches Therapieziel gilt daher auch, innerhalb der ersten sechs Behandlungsmonate eine inaktive Erkrankung zu erreichen. Hier sollte der Einsatz von Medikamenten, auch von Biologika, früher als bisher in Erwägung gezogen werden. 

Daten des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums in Berlin ergaben, dass es PatientInnen mit schwerer JIA im Erwachsenenalter besser ging, wenn sie in den ersten zwei Jahren ihrer Erkrankung mit Biologika behandelt worden waren. Nicht nur traten Begleiterscheinungen wie Bluthochdruck, Osteoporose, Gelenkschädigungen und Kleinwuchs seltener auf, die PatientInnen wiesen außerdem häufiger eine therapiefreie Remission auf, welche wahrscheinlich als Heilung bezeichnet werden kann oder dieser zumindest am nächsten kommt.

Bei Kindern besonders gut auf Symptome achten

Um einen frühen Therapiebeginn zu erreichen, müssen deshalb nicht nur KinderärztInnen, sondern auch Eltern in der Lage sein, mögliche Symptome von Gelenkrheuma zu erkennen. Dazu gehören neben sichtbaren Schwellungen der Gelenke, besonders der Knie, auch Bewegungsauffälligkeiten. Da Kindern häufig keinen Schmerz artikulieren, besonders wenn sie noch sehr klein sind, ist es wichtig, auf Schonhaltungen oder Bewegungsvermeidung zu achten. Hält eine Schwellung länger als zwei Wochen an, sollte auf jeden Fall eine Abklärung erfolgen.

Einen Mangel beklagt Minden noch in Bezug auf die Vereinheitlichung der Therapiewege. Hier hat eine ExpertInnengruppe mögliche Therapiepfade für einzelne Rheumaformen vorgeschlagen, die derzeit im Rahmen einer bundesweiten Beobachtungsstudie erprobt werden. Eine solche Standardisierung hat unter anderem zum Ziel, zukünftig frühzeitig definieren zu können, welches Kind welche Therapieintensität benötigt.

Quelle:
Vorab-Pressekonferenz anlässlich des 47. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), der 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh), der 29. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 29.08.2019, Berlin.

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