Rheuma und Krebs: Indizien verdichten sich

Immer wieder war in vergangenen Jahren von einem erhöhten Risiko für maligne Entartungen bei Rheumatikerinnen und Rheumatikern berichtet worden. Valide Zahlen gibt es dafür nicht, doch scheint es Indizien für einen Zusammenhang zwischen Autoimmunerkrankungen des rheumatischen Formenkreises und bestimmten Tumoren zu geben

Erhöhen Autoimmunität und Krankheiten des rheumatischen Formenkreises das Krebsrisiko?

Immer wieder war in vergangenen Jahren von einem erhöhten Risiko für maligne Entartungen bei RheumatikerInnen berichtet worden. Valide Zahlen gibt es dafür nicht, doch scheint es Indizien für einen Zusammenhang zwischen Autoimmunerkrankungen des rheumatischen Formenkreises und bestimmten Tumoren zu geben – und das könnte sogar Auswirkungen haben auf die Immuncheckpoint-Inhibition, eine der aktuell innovativsten Methoden der Tumortherapie.

Eine erst kürzlich veröffentlichte Übersichtsarbeit beschäftigte sich mit dem möglichen Zusammenhang zwischen Autoimmun- bzw. chronischen Entzündungserkrankungen, wie z. B. "Rheuma", und malignen Tumoren. Die Mechanismen, die dabei wirken können, sind vielgestaltig und reichen von der klassischen Autoimmunität, über Entzündungen bis hin zur Immunsuppression bei Behandlung von RheumapatientInnen.

ÄrztInnen sollten – zumindest nach dem, was bis heute dazu bekannt ist – bei RheumatikerInnen besonders für folgende Themen sensibilisiert sein: ein in Teilen erhöhtes Krebsrisiko, ein auf rheumatische Erkrankungen zugeschnittenes Krebsscreening, für Autoimmuntherapien und deren mögliche Krebsrisiken sowie für die Checkpoint-Inhibition und deren immunmodulierende Wirkung.

Krankheitsspezifische Krebsrisiken?

Bekannt für erhöhte Malignitätsraten sind vor allem die entzündlichen Myopathien. Doch prinzipiell gilt wohl, dass auch andere Erkrankungen des sogenannten rheumatischen Formenkreises unterschiedlich große Malignitätsrisiken bergen. Zum Teil hängen die Krebsrisiken mit dem Krankheitsstadium, den vorhandenen Autoantikörpern oder mit der Erkrankungsdauer zusammen.

So sind beispielsweise verschiedene Adenokarzinome des Gastrointestinaltraktes, der Lunge oder der Brust, aber ebenso das Non-Hodgkin-Lymphom und andere Malignome mit entzündlichen Myopathien assoziiert. Bei der Sklerodermie treten hingegen vermehrt Tumoren in der Lunge, der Mundhöhle oder auch Nicht-Melanome der Haut sowie hämatologische Malignitäten auf.

PatientInnen mit rheumatoider Arthritis (RA) wiederum neigen sehr wahrscheinlich mehr zu Entartungen in der Lunge sowie zu Lymphomen. Interessanterweise deutet die Datenlage bisher zudem darauf hin, dass RA-PatientInnen möglicherweise ein geringeres Darmkrebsrisiko haben als die Allgemeinbevölkerung.

Ähnliches findet sich bei PatientInnen, die an Lupus erythematosus (LE) leiden. Auch bei ihnen ist das Risiko z. B. für das Prostatakarzinom oder den Brustkrebs gegenüber der Allgemeinbevölkerung reduziert. Allerdings ist bei LE das Krebsrisiko für Lymphome und ebenso für HPV-induzierte Tumoren, wie das Zervixkarzinom, leicht erhöht.

Immunmodulierende Therapien als "Onkogene"

Eines der bekanntesten Medikamente in der Rheumatologie mit einem erhöhten Krebsrisiko ist das Cyclophosphamid. Sowohl das Risiko für Blasenkrebs als auch jenes für Leukämien steigt dabei mit zunehmender Dosierung. In einer Studie zeigte sich beispielsweise, dass eine kumulierte Dosis von 36 Gramm das höchste Risiko für Blasenkrebs oder eine akute myeloische Leukämie (AML) bedeutete. Darüber hinaus scheinen Azathioprin, Methotrexat und TNF-Inhibitoren das Risiko für Hautkrebs zu erhöhen.

Vorsicht sollte ebenfalls bei der Immuncheckpoint-Inhibition gelten, so die AutorInnen des Übersichtsartikels: Diese werde zunehmend bei immer mehr Tumorerkrankungen eingesetzt, um einen Tumor-Escape-Mechanismus zu durchbrechen und die Krebszellen somit wieder für das Immunsystem sicht- und angreifbar zu machen. Ungewollter Nebeneffekt dieser Immunmodulation ist jedoch in einigen Fällen das Auslösen rheumaähnlicher Krankheitsbilder, die mit einer erhöhten Entzündungsneigung einhergehen. Beides, die Immunmodulation ebenso wie das Entzündungsrisiko, könnten wiederum das Tumorwachstum bei vorbelasteten PatientInnen auch negativ beeinflussen.

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