Rheumatide Arthritis und unerfüllter Kinderwunsch: Liegt es an der Erkrankung oder der Behandlung?

Frauen mit rheumatoider Arthritis und Kinderwunsch – nicht nur bei der Beratung eine große Herausforderung für die behandelnden Ärzte. Eine aktuelle Studie befasst sich mit den Auswirkungen der Erkrankung auf Fertilität, Krankheitsaktivität während und nach der Schwangerschaft sowie die Gesundheit des Kindes – und überprüft die aktuellen Behandlungsempfehlungen.

Aktuelle Behandlungsempfehlungen auf dem Prüfstand

Frauen mit rheumatoider Arthritis und Kinderwunsch – nicht nur bei der Beratung eine große Herausforderung für die behandelnden Ärzte. Eine aktuelle Studie befasst sich mit den Auswirkungen der Erkrankung auf Fertilität, Krankheitsaktivität während und nach der Schwangerschaft sowie die Gesundheit des Kindes – und überprüft die aktuellen Behandlungsempfehlungen.

Hintergrund: Frauen mit rheumatoider Arthritis haben weniger Kinder als gesunde Frauen

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist keine Erkrankung des höheren Alters, sondern betrifft viele Frauen während und vor der Familienplanung. In diesem Zusammenhang werden auf der einen Seite die Auswirkungen der Erkrankung auf eine Schwangerschaft und die Gesundheit des Kindes diskutiert und auf der anderen Seite der Einfluss einer Schwangerschaft selbst als Risikofaktor für einen Krankheitsausbruch. In der Literatur unterscheiden sich die Ergebnisse zu diesem Thema teilweise stark voneinander, was die Beratung junger Patientinnen zusätzlich erschwert.

Schwangerschaft bedeutet gleichzeitig Schutz und Risikofaktor für die RA

In mehreren Studien wurden während und direkt im Anschluss an eine Schwangerschaft gehäuft Ausbrüche einer RA beobachtet. Dieser Effekt betraf vor allem die ersten drei Monate nach der Geburt und konnte im Rahmen dieser Untersuchungen insgesamt für die ersten neun Monaten nachgewiesen werden.

Andere Studien hingegen konnten zeigen, dass Frauen mit einer oder mehreren Geburten ein signifikant geringeres Risiko haben an einer RA zu erkranken als Nullipara. Die deutlichste Risiko-Reduktion war bei Frauen mit Geburten in jungen Jahren zu beobachten.

In der Metaanalyse insgesamt konnte die weit verbreitete Annahme, dass es bei nahezu allen RA-Patientinnen durch die Schwangerschaft zu einer Remission kommt, nicht bestätigt werden. Häufiger wurde eine Verringerung der Krankheitsaktivität während und ein erneuter Anstieg nach der Gravidität gezeigt – jedoch seltener als erwartet.

RA macht unfruchtbar – oder doch die Therapie?

Abgesehen von den Auswirkungen einer Schwangerschaft auf die Erkrankung, beschäftigt viele Betroffene zunächst die Frage, ob ein Kinderwunsch überhaupt erfüllbar wäre. Insgesamt haben Frauen mit RA weniger Kinder als gesunde Frauen und es vergeht durchschnittlich mehr Zeit bis es zu einer erfolgreichen Konzeption.

Als mögliche Faktoren für diesen Effekt werden krankheitsbedingte Schwankungen des Zytokin-Spiegels (IL-1, IL-6, IL-11, epidermale Wachstumsfaktoren und TNF-alpha) diskutiert. Bei der Interpretation dieser Ergebnisse muss jedoch berücksichtigt werden, dass eine erfolgreiche Empfängnis ein komplexer Prozess ist, der von vielen weiteren Parametern beeinflusst werden kann, wie beispielweise anderen Erkrankungen, Rauchen, Ernährungsgewohnheiten oder Medikamenten – ein isolierter Auslöser lässt sich häufig nicht bestimmen.

Von der Krankheit selbst abgesehen, haben auch die unterschiedlichen Behandlungsstrategien einen nachgewiesenen Einfluss auf die Fertilität. Beispielsweise ist die langfristige Einnahme von nicht-steroidalen-Antirheumatika (NSAR) mit Anovulation und einer erniedrigten Fruchtbarkeit assoziiert. Unter anderem wird dieser Effekt durch eine Studie bestätigt, in der bei Frauen mit RA innerhalb kurzer Zeit nach Absetzen dieser Medikamente ein Anstieg erfolgreicher Konzeptionen beobachtet wurde. Ähnliches gilt für den Einsatz von Kortikosteroiden.

Effektive Kontrolle der Krankheitsaktivität schützt das ungeborene Kind am besten

Nach erfolgreicher Konzeption stellt die Schwangerschaft an sich die nächste Herausforderung für die Patientinnen und behandelnden Ärzte dar. Als bester Schutz für das Kind hat sich in diesem Zusammenhang eine gut eingestellte Behandlung mit strenger Kontrolle der Krankheitsaktivität erwiesen.

Frauen mit Kortikosteorid-Therapie und schlecht kontrollierter RA zeigten die höchste Komplikationsrate. Bei gut eingestellter Therapie hingegen konnten keine Unterschiede im Outcome zu gesunden Frauen beobachtet werden.

Umgang mit RA und Kinderwunsch im Praxisalltag

Frauen mit RA und gleichzeitig bevorstehender Familienplanung nehmen eine Sonderstellung im rheumatologischen Patientenkollektiv ein und erfordern häufig ein spezielles Behandlungskonzept. Die Realisierung des Kinderwunsches setzt von allen Seiten eine abgestimmte Planung mit adäquater Vorlaufzeit voraus, um eventuelle teratogene Medikamente auszuschleichen und die Umstellung auf eine mit der Schwangerschaft verträgliche und gleichzeitig wirksame Behandlung vorzunehmen – möglichst unter Vermeidung von Kortikosteroiden. Als optimale Voraussetzung für die Gesundheit von Frau und Kind gilt nach wie vor, wenn die Empfängnis in inaktiven Phasen der RA stattfindet.

Quelle:
Littlejohn EA. Pregnancy and rheumatoid arthritis. Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol. April 2020;64:52–8.

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