Risiko für Vorhofflimmern nach dem Tod des Partners erhöht

Vorhofflimmern – eine neue Studie zeigt nun kardiovaskuläre Folgen auf, die der Tod des Lebensgefährten nach sich zieht. Der Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen ist eine der größt

Vorhofflimmern – eine neue Studie zeigt nun kardiovaskuläre Folgen auf, die der Tod des Lebensgefährten nach sich zieht.

Der Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen ist eine der größten Herausforderungen des Lebens. Solche Sterbefälle verursachen bei Angehörigen schweren psychischen Stress, der, wie einige Studien zeigen konnten, das Risiko für akute kardiovaskuläre Probleme erhöht.

Jetzt fand man im Rahmen einer neuen Forschungsarbeit heraus, dass das Risiko für Herzrhythmusstörungen – ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle und Herzversagen – für bis zu ein Jahr nach dem Tod des Partners erhöht sein könnte.

Studienautor Dr. Simon Graff, von der Abteilung für Öffentliche Gesundheit und Forschung für Allgemeinmedizin an der Universität Aarhus, Dänemark, und seine Kollegen veröffentlichten ihre Ergebnisse unlängst in Open Heart – einem Journal von THE BMJ.

Zahlreiche Studien haben in der Vergangenheit zeigen können, dass das Ableben einer nahestehenden Person der Herzgesundheit kurzfristig sehr zusetzen kann. So berichtete eine Studie beispielsweise von einem doppelt so hohen Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle während der ersten 30 Tage nach dem Versterben eines solchen Menschen.

Dem Forscherteam fiel jedoch auf, dass keine großen Studien existierten, die untersucht haben, wie sich der Tod eines Partners auf das Risiko für Vorhofflimmern (atrial fibrillation = AF) auswirkt. Dabei handelt es sich um eine Form der Arrhythmie, bei der die oberen Kammern des Herzens unregelmäßig schlagen und den Blutfluss im Rest des Körpers reduzieren.  AF gilt als ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle und Herzversagen, in den USA sind davon zwischen 2,7 bis 6,1 Millionen Menschen betroffen.

Um 41 Prozent erhöhtes Risiko für AF in den ersten 30 Tagen nach dem Tod des Partners

Das Team wollte nun herausfinden, ob durch den Tod des Lebenspartners das Risiko für AF beeinflusst wird. Dafür wurden die Daten von über 88.612 Personen analysiert, bei denen man die Erkrankung neu diagnostiziert hat. Demgegenüber standen 886.120 gesunde Kontrollpersonen mit angepasstem Alter und Geschlecht.

Unter den neu mit AF diagnostizierten Teilnehmern waren 17.478 Personen, die ihren Partner verloren hatten. In der Kontrollgruppe waren es 168.940 Menschen mit entsprechender Konstellation.

Im Vergleich zu Personen, die ihren Partner nicht verloren hatten, zeigten diejenigen mit einem solchen Verlust ein um 41 Prozent erhöhtes Risiko für das Auftreten von AF. Die Zahlen ergaben sich für die ersten 30 Tage nach dem Sterbefall, so die Wissenschaftler.

Das Risiko für AF war während der Tage 8 bis 14  am höchsten, bevor es danach allmählich abnahm. Nichtsdestotrotz dauerte es ein ganzes Jahr, bis das Risiko wieder dem Risiko einer Person ohne Verlust entsprach.

Personen im Alter von unter 60 Jahren zeigten das größte Risiko für AF. Ihr Risiko war doppelt so hoch wie das eines gleichaltrigen Menschen ohne Verlust des Lebensgefährten.

Zudem fand man heraus, dass Menschen, deren Partner ein Monat vor dem Tod relativ gesund waren, ein besonders hohes Risiko für AF hatten; gegenüber Personen, bei denen der Tod ihres Partners bereits länger erwartet wurde, zeigten sie eine um 57 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für Vorhofflimmern. Die Forscher spekulieren, die Ursache dafür liege in der Tatsache, dass Stress, der mit der Trauer verbunden ist, unter diesen Umständen besonders überraschend auftritt.

Das erhöhte Risiko für AF blieb nach der Bilanzierung von Geschlecht, zugrundeliegenden Erkrankungen – einschließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes – und Medikamenteneinnahme bestehen.

Weitere Studien sind erforderlich, um die kausalen Mechanismen zu identifizieren

Die Autoren der Studie geben zu bedenken, dass ihre Ergebnisse ausschließlich Beobachtungen darstellen. Demnach ist es nicht möglich, daraus den Schluss zu ziehen, dass der Tod des Partners eine direkte Ursache für AF widerspiegelt.

Darüber hinaus waren die Wissenschaftler nicht in der Lage, eine Reihe von potenziellen Störfaktoren zu berücksichtigen. Dazu zählen zum Beispiel der Lebensstil und die Familienanamnese bezüglich AF.

Dennoch glauben sie, ihre Ergebnisse rechtfertigen weitere Untersuchungen: Die Ergebnisse würden darauf hindeuten, dass ein hohes Maß an Stress das Risiko für das erstmalige Auftreten von Vorhofflimmern erhöhen kann. Mit der entsprechenden biologisch plausiblen Assoziation sollte die Früherkennung dieser Patientengruppe unterstützt werden, weitere Studien werden folgen.

Während die zugrundeliegenden Mechanismen der Verbindung unklar sind, vermuten die Autoren die Ursache in den direkten Auswirkungen von akutem Stress auf den Herzrhythmus. Nicht zuletzt verursacht Stress auch die Freisetzung vieler inflammatorischer Moleküle, die sich negativ auf das Herz auswirken können. Allerdings merken sie an, dass es erforderlich sei, im Rahmen zukünftiger Studien die kausalen Mechanismen genau zu bestimmen.

Text: esanum/ pvd

Foto: Twin Design / Shuterstock

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