Schlafmangel wirkt wie Cannabis

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Einer Studie zufolge regt Schlafmangel den Appetit genauso an wie Cannabis.

Wenn der Nachtschlaf schlecht beziehungsweise unzureichend war, wird schnell auf ungesunde Snacks zurückgegriffen, dies kann auch in Heißhungerattacken ausarten. Wissenschaftler haben dieses Phänomen untersucht und sind zu dem Entschluss gekommen, dass der Blutspiegel durch den Schlafmangel ansteigt, sodass das Verlangen nach Nahrung verstärkt wird. Dieser Effekt sei mit dem Heißhunger zu vergleichen, der aus dem Konsum von Cannabis resultiert.

Schon frühere Studien suggerieren, dass das Risiko für Diabetes, Depressionen, kardiovaskuläre Erkrankungen und Übergewicht durch Schlafdefizite begünstigt wird. Empfohlen wird eine nächtliche Schlafdauer von sieben bis acht Stunden.

Wissenschaftler der University of Chicago haben im Rahmen einer Studie 14 gesunde Probanden im Alter zwischen 18 bis 36 dazu instruiert, über zwei Untersuchungsperioden, die jeweils vier Tage andauerten, eine bestimmte Schlafdauer einzuhalten: In der ersten Untersuchungsperiode haben die Studienteilnehmer im Durchschnitt 7,5 Stunden in jeder Nacht geschlafen. Die zweite Untersuchungsperiode erfolgte vier Wochen später, die Probanden haben in dieser Zeit durchschnittlich 4,2 Stunden geschlafen.

In beiden Untersuchungsperioden erhielten die Probanden täglich drei identische Mahlzeiten, nach der vierten Nacht hat man ihnen zusätzlich Snacks angeboten. Das Forscherteam dokumentierte sowohl Ausmaße des Hungergefühls als auch die Essgewohnheiten der Probanden.

Wenig Schlaf führte zu erhöhtem 2-AG-Spiegel; der Appetit war größer

Des Weiteren wurden die Blutspiegel des Endocannabinoid 2-Arachidonoylglycerols (2-AG) gemessen; erhöhte 2-AG-Spiegel regen den Appetit an. Diese Spiegel befinden sich in der Nacht normalweise auf einem niedrigen Niveau. Im Laufe des Tages steigen sie graduell an und erreichen ihren Höhepunkt am frühen Nachmittag.

Es stellte sich heraus, dass die Probanden über normale 2-AG-Spiegel verfügten, nachdem sie durchschnittlich 7,5 Stunden geschlafen haben. Infolge des geringen Schlafes hatten die Studienteilnehmer jedoch  33 Prozent höhere 2-AG-Spiegel zu verbuchen. Diese Spiegel erreichten ihren Höhepunkt um 14:00 Uhr – ungefähr 90 Minuten später als bei normalem Schlaf – und blieben bis 21:00 Uhr erhöht.

Nach dem 4,2-stündigen Schlaf ließen die Probanden ein erhöhtes Hungergefühl vermerken, insbesondere nachdem sie ihre zweite Mahlzeit zu sich genommen haben. Die Wissenschaftler merken an, dass dies sich zeitlich mit dem Höhepunkt der 2-AG-Spiegel decke.

Diese Beobachtung suggeriert, dass Schlafmangel den Appetit gleichermaßen beeinflusst, wie es bei dem in Cannabis enthaltenen Tetrahydrocannabinol (THC) der Fall ist.

Text: esanum/ df

Foto: Doug Shutter / Shutterstock

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