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Schmerz lass nach – Gesehen, erkannt und gebannt?

Neue Behandlungsstrategien für Schmerzpatienten

Wie beeinflussen visuelles Feedback und visuelle Illusionen die Schmerzwahrnehmung eines Menschen? Ein Bochumer Wissenschaftler forscht über innovative Behandlungsansätze bei chronischem Schmerz.

Martin Diers, Professor für Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin an der LWL-Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum, hat für seine Forschung den Rücken in den Blick genommen. Und zwar im wahren Wortsinn. Indem er den Rücken von Schmerzpatienten filmte, dabei experimentelle Schmerzreize darbot und die Patienten gleichzeitig auf einem Bildschirm ihren gepeinigten Rücken betrachten konnten, sammelte er Erkenntnisse über die Schmerzwahrnehmung. Die Patienten berichteten, dass der Schmerz nachließ, wenn sie ihren Rücken sahen. Diers stellte am Ende seines Forschungsprojektes fest, dass eine verbesserte Wahrnehmung des Schmerzes helfen kann, gezielte Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Der Wissenschaftler ist bereits seit 2010, zunächst am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, auf diesem Forschungsgebiet aktiv: "Visuelle induzierte Analgesie", was soviel heißt wie "Durch Inaugenscheinnahme hergeleitete Schmerzreduzierung". Diese Methode kann als Therapieansatz verstanden bzw. in bestehende Therapien integriert werden. Vor allem Patienten mit chronischen Rückenschmerzen könnten hiervon profitieren. Denn diese würden oftmals den Schmerz gar nicht lokalisieren können und hätten eine diffuse Körperwahrnehmung. "Indem der Patient die betroffene Körperregion betrachtet, werden die Intensität und der Ort des Schmerzes genauer wahrgenommen", so Diers.

Die Untersuchungen ergaben sogar, dass eine am Bildschirm verfolgte Massage der schmerzenden Stelle überaus schmerzlindernd wirkt. In einem Experiment ließ er seine Probanden hierzu während der Massage den Rücken beobachten und zum Vergleich einfach nur ein Buch auf weißem Untergrund. Diers stellte fest, dass die beobachtete Massage mehr Wirkung hat. Die Schlussfolgerung: Mithilfe dieser Intervention kann eine Verbesserung der Schmerzintensität bzw. ein Therapieerfolg erreicht werden – lediglich unter Einsatz einer Kamera und eines Computers.

Weitere Forschung ist nun notwendig, um zusätzliche Beweise zu erbringen. Das neue Forschungsvorhaben von Diers baut bereits auf die neu gewonnenen Erkenntnisse auf. "Perspektivisch ist es mein Ziel, dass die Ergebnisse in bestehende Behandlungen integriert werden und neue Behandlungsformen möglich machen."