Science-Fiction in der Medizin: Gesichtsprothesen aus dem 3D-Drucker

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Gesichtsprothesen aus dem 3D-Drucker, virtuelle OP-Tische und Kontaktlinsen mit Lupen-Funktion: Auf einer Konferenz in den USA stellten Forscher Erfindungen wie aus Science-Fiction-Filmen vor.

Eines Tages entdeckte Billy Crawford einen schwarzen Punkt auf seiner Nase. Bei dem damals 61-Jährigen war zuvor schon Krebs diagnostiziert worden. Mit Chemotherapie kämpfte er dagegen an. Crawford fühlte sich schwach, und nun fing auch noch sein Gesicht an zu schmerzen. Innerhalb von Stunden fraß sich eine Pilzinfektion, verstärkt durch Auswirkungen der Chemotherapie, durch das Gesicht des Texaners. Von der Haut zwischen seiner Stirn und der Oberlippe und auch von einem Auge blieb kaum noch etwas übrig. Crawford habe noch einen Tag zu leben, sagten die Ärzte und schickten ihn nach Hause.

Der Texaner ging jedoch in ein anderes Krankenhaus in Dallas, wo die Infektion korrekt diagnostiziert und behandelt wurde. Crawford überlebte, aber war völlig entstellt, bis er im Krankenhaus auf Suzanne Verma traf. Die junge blonde Frau ist Anaplastologin – sie versucht, entstellten Menschen beispielsweise durch Prothesen wieder ein normales Leben zu ermöglichen. Crawford mit seinem völlig entstellten Gesicht sei für sie ein absoluter Härtefall gewesen, berichtete Verma kürzlich auf der Konferenz des weltgrößten Wissenschaftsverbands AAAS (American Association for the Advancement of Science) im kalifornischen San Jose. “Aber er ist auch bis heute der Patient, der mich am meisten beeindruckt und inspiriert hat. Seine positive Grundhaltung zum Leben war einfach toll.”

Für ein Gesichtsimplantat war Crawford aufgrund seines geschwächten Immunsystems nicht geeignet. Also musste eine Prothese her. Verma wandte dabei viele neuartige Methoden ihres Faches an. Mit ihrem Team verglich sie die computertomographischen Daten von Crawford vor und nach seiner Infektion und erstellte am PC ein Modell für eine Gesichtsprothese. Mithilfe von Magnetimplantaten in seinen Gesichtsknochen sollte Crawford die Prothese an- und ausziehen können. Dem Chirurgen schlug sie verschiedene Stellen für die Implantate vor und speicherte ihm die Informationen auf einem USB-Stick. Die Prothese ließ sie per 3D-Drucker anfertigen.

Nach der Operation kümmerte sich Verma noch um die Feinheiten der Prothese. “Zunächst sieht sie ein bisschen aus wie beim ‘Phantom der Oper’. Aber dann korrigieren wir die Farbe – bis hin zu Augenbrauen, Blutäderchen und Sommersprossen. Am Tag, als Billy zum ersten Mal seine Familie und Freunde wiedersehen konnte, fühlte er sich komplett wiederhergestellt.”

Was ein wenig wie Science-Fiction anmutet ist für Verma jeden Tag Krankenhaus-Realität – und sie ist nicht die einzige. Der Arzt und Forscher James Mah von der Universität von Nevada in Las Vegas erstellt beispielsweise virtuelle 3D-Kopien von Patienten, wie er auf der AAAS-Konferenz erläuterte. Mithilfe von Daten etwa aus Kernspin- und Computertomographien fertigt er 3D-Bilder der Patienten an, die er dann auf einen mannsgroßen Computerbildschirm projiziert, der wie ein Operationstisch aussieht. Auf dem Bildschirm können Operationen zum Beispiel geübt und mögliche Ergebnisse vorhergesagt werden.

Der Forscher Eric Tremblay experimentiert mit Kontaktlinsen mit einer Art integriertem Teleskop. Getragen mit speziellen 3D-Gläsern können die Linsen mit einem Zwinkern aktiviert werden und eine Lupenfunktion bekommen. Bislang gebe es nur Prototypen, sagte der Experte aus dem schweizerischen Lausanne auf der AAAS-Konferenz. Aber möglicherweise bereits in zwei Jahren könnte sein Produkt erhältlich sein und vor allem Menschen mit starken Sehschwächen helfen.

Billy Crawford haben solche modernen Techniken für einige Jahre ein neues Leben geschenkt, bis er 2013 starb. Ärztin Verma spielte auf der AAAS-Konferenz ein Video vor, dass Crawford kurz nach dem Erhalt seiner Gesichtsprothese zeigt. “Ich kann wieder mit meinem Auto in die Stadt fahren, aussteigen und Freunde besuchen. Ich kann wieder in die Kirche gehen. Ich kann wieder ins Leben zurückkehren”, sagte der Texaner damals voller Freude. “So schlecht wie es mir auch ging, es gibt Menschen, denen geht es noch schlechter. Man darf nicht in seinem Selbstmitleid ertrinken.”

Text und Foto: dpa /fw

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