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Seltene Krankheit CAPS: Neues Diagnosemodell soll Erkennung erleichtern

Neues Kriterien-Modell erleichtert die CAPS-Diagnose. Beim Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndrom (CAPS) erschweren vor allem zwei Dinge die frühzeitige Diagnose und erfolgreiche Behandlung: Die Unkenntnis dieser sehr seltenen Erkrankung und ihr variables Erscheinungsbild.

Neues Kriterien-Modell erleichtert die CAPS-Diagnose.

Beim Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndrom (CAPS) erschweren vor allem zwei Dinge die frühzeitige Diagnose und erfolgreiche Behandlung: Die Unkenntnis dieser sehr seltenen Erkrankung und ihr variables Erscheinungsbild. Nun gibt es ein neu entwickeltes, vereinfachtes Kriterienmodell, das Spezialisten und Zuweisern die klinische Verdachtsdiagnose im Alltag erleichtert. Das Modell wurde auf einem Symposium in Dresden vorgestellt.

CAPS: Syndrom mit variablen Phänotypen

Unter dem Oberbegriff CAPS wird eine Gruppe sehr seltener, genetisch bedingter Erkrankungen zusammengefasst. Im Schweregrad aufsteigend sind das:

Schätzungen zufolge sind etwa 1 bis 3 von 1 Million Menschen davon betroffen. Die tatsächliche Prävalenz könnte allerdings aufgrund (noch) nicht erfolgter Diagnosestellung  höher liegen. Die drei unterschiedlichen Krankheitsentitäten bilden ihrerseits von Fall zu Fall variable Phänotypen aus, die sich mit unterschiedlichen Mutationen assoziieren lassen, wie die Tübinger Kinderrheumatologin PD Dr. med. Jasmin Kümmerle-Deschner berichtete.

Spontanmutationen häufig

Neben einem autosomal dominanten Erbgang werden relativ häufig auch Spontanmutationen beobachtet. 30-40% der klinisch diagnostizierten CINCA-Patienten zeigen keine heterozygoten NLRP3-Keimbahnmutationen. In einer Studie wurde ein somatischer NLRP3-Mosaizismus bei 18 von 26 genetisch negativen Patienten (69,2%) festgestellt1.

Andererseits gibt es auch NLRP3-Mutationen ohne Krankheitswert. Die molekulargenetische Analyse kann deshalb die klinische CAPS-Diagnose bestätigen, muss es aber nicht in jedem Fall. Auf diesen in beide Richtungen geltenden Zusammenhang wies Dr. Marco Gattorno vom IRCCS Istituto G. Gaslini in Genua hin.

Unspezifische Symptomatik erschwert die frühzeitige Diagnose

Zu Beginn der Erkrankung, häufig bereits im Säuglings- oder Kindesalter, ist die IL-1ß-vermittelte Entzündungssymptomatik noch recht unspezifisch. Was also tun, um die CAPS-Patienten dennoch möglichst frühzeitig zu erkennen? Kümmerle-Deschner widmete sich der Beantwortung dieser Frage. Sie betonte die Bedeutung der Basisdiagnostik, zu der neben der Anamnese inklusive Fieber- und Symptomtagebuch auch die Familienanamnese gehört. Neben der gründlichen körperlichen Untersuchung ist die Bestimmung der Entzündungsparameter wichtig, allen voran C-reaktives Protein (CRP) und Serum-Amyloid-A (SAA).

Bei den schwereren Verlaufsformen MWS und NOMID/CINCA machen diverse Organbeteiligungen mit drohendem Funktionsverlust besondere Untersuchungen erforderlich, die vor allem das Hör- und Sehvermögen betreffen. Beim regelmäßigen Hör-Monitoring sollte nicht nur der standardmäßige Sprachfrequenzbereich erfasst werden. Sondern auch der Hochfrequenzbereich, der in jungen Jahren häufig zuerst betroffen ist. Symptomabhängig sind möglicherweise bildgebende Verfahren wie ein zerebrales MRI oder Skelettröntgen erforderlich.

Neues Diagnosemodell entwickelt

Um das im klinischen Alltag schwierige frühzeitige Erkennen von CAPS zu erleichtern, wurde ein für den Praxisgebrauch taugliches, validiertes Diagnoseschema entwickelt, das PD. Dr. med. Kümmerle-Deschner in ihrem Vortrag präsentierte. Ein weiteres Ziel bestand darin, eine wahrscheinliche klinische Diagnose für die Überweisung zur humangenetischen Untersuchung zu ermöglichen, die auch bei negativem Befund weiterhilft. Drittens ging es darum, eine verlässliche diagnostische Grundlage für die sehr erfolgreiche, aber auch teure Behandlung zu gewährleisten.

Für die Generierung der CAPS-Diagnosekriterien wurde ein internationales und interdisziplinäres Team aufgebaut. Zu den 18 Experten zählten Rheumatologen, Nephrologen und Immunlogen mit pädiatrischer und adulter CAPS-Erfahrung. Sie screenten systematisch die vorhandene Literatur sowie alle CAPS-Register und entwickelten auf dieser Basis ein neues Diagnose-Modell.

Und so sieht das von der International Society of Systemic Auto-Inflammatory Diseases (ISSAID) empfohlene Diagnoseschema für CAPS aus:

plus

Die Evaluation dieser CAPS-Diagnosekriterien ergab eine Sensitivität von 81% und eine Spezifität von 94%. Diese erstaunlich gute Performance zeigte sich bei allen CAPS-Subtypen gleichermaßen und auch unabhängig davon, ob NLRP3-Keimbahnmutationen nachgewiesen werden konnten oder nicht. “Hoffentlich haben wir jetzt keine Verzögerungen mehr bei der CAPS-Diagnose”, so die Kinderrheumatologin abschließend.

Quellen:

Satellitensymposium “CAPS: Diagnosis, Treatment and Complications of Autoinflammatory Diseases” der Firma Sobi beim 8. Internationalen Kongress zum Familiären Mittelmeerfieber und autoinflammatorischen Erkrankungen in Dresden, Oktober 2015.

1Tanaka et al. High incidence of NLRP3 somatic mosaicism in patients with chronic infantile neurologic, cutaneous, articular syndrome: results of an International Multicenter Collaborative Study. Arthritis Rheum. 2011;63(11):3625-32. doi: 10.1002/art.30512.