Seminarleiter nach Heilpraktikerrausch im Visier

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Teilnehmer eines Heilpraktikertreffens wälzen sich schreiend auf dem Boden, werden bewusstlos, geraten in Lebensgefahr. Gegen die Leiter wird nun wegen Drogenmissbrauchs ermittelt. Zu einem möglichen Sekten-Hintergrund möchte die Staatsanwaltschaft nichts sagen.

Therapeuten auf Droge: Nach dem gefährlichen Massenrausch bei einem Heilpraktikerseminar im niedersächsischen Handeloh konzentrieren sich die Ermittlungen wegen Drogenmissbrauchs auf die beiden Organisatoren und zwei Helfer. Gegen die übrigen 25 Teilnehmer seien die Ermittlungsverfahren eingestellt worden, teilten die Polizei und die Staatsanwaltschaft Stade am Dienstag mit. Diese hätten die Droge nur zum sofortigen Konsum entgegengenommen, was nicht strafbar sei. In zwei bei der Tagung sichergestellten Kapseln sei die verbotene Psychodroge 2C-E nachgewiesen worden. Bei Wohnungsdurchsuchungen im Landkreis Harburg und im Raum Aachen sei weiteres Beweismaterial sichergestellt worden.

Mehr als 160 Rettungskräfte waren nach dem Vorfall Anfang September im Einsatz. Die Teilnehmer des Seminars wurden mit Wahnvorstellungen, Krämpfen, Luftnot und Herzrasen in verschiedene Krankenhäuser der Region gebracht.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich bei den Organisatoren um eine Heilpraktikerin und einen Psychologen aus der Region Aachen. Der Psychologe soll nach Medienberichten ein enger Vertrauter des Schweizer Therapeuten Samuel Widmer sein. Widmers “Kirschblütengemeinschaft” wird von der Evangelischen Kirche als “problematisch” eingestuft, Kritiker nennen sie eine Sekte. Verschiedene Zeitungen in der Schweiz und Deutschland hatten über einen möglichen Zusammenhang mit der von Widmer ebenfalls praktizierten Psycholyse berichtet, bei der mit Hilfe von Drogen eine Art Bewusstseinserweiterung erreicht werden soll. Im März 2009 starben zwei Teilnehmer einer solchen Therapiesitzung eines anderen Veranstalters in Berlin.

Eine Sprecherin der Kirschblütengemeinschaft war kurzfristig am Dienstag nicht erreichbar. Auf der Internetseite der Gemeinschaft wird im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Handeloh von einem “Rufmord2-Risiko gesprochen. “Obwohl uns noch gar nicht bekannt ist, wer die betroffenen Personen in Handeloh sind, wird ein Schüler von Samuel Widmer darunter vermutet”, heißt es dort.

“Zu einem möglichen Sektenhintergrund und Verbindungen zu einem Schweizer Guru möchten wir uns nicht äußern”, sagte Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas in Stade. “Das ist nicht Gegenstand der Ermittlungen.” Nach Informationen der ARD-Reportagereihe “Beckmann” soll Widmer den Psychologen aus Aachen sogar als Nachfolger für die Ausbildung in Psycholytischer Psychotherapie in Deutschland bezeichnet haben. “Auch zu einem möglichen Psycholyse-Hintergrund können wir nichts sagen”, so Breas dazu weiter. “Uns interessiert insbesondere, ob Betäubungsmittel unerlaubt erworben, besessen oder abgegeben worden sind.”

Auch zur Zusammensetzung der Teilnehmergruppe wollte Breas nichts sagen. Nach Angaben der Geschäftsführerin des Tagungszentrums in Handeloh waren es Heilpraktiker, Ärzte, Homöopathen und Psychologen. Die Tanztherapeutin hatte sich nach dem Zwischenfall vom 4. September wiederholt von den Veranstaltern distanziert. Der Veranstalter hätte nur die Räume gemietet, für die Inhalte sei sie nicht zuständig, sie fühle sich missbraucht.

Mit Psychotherapie und Medizin habe Psycholyse nichts zu tun, hatte Iris Hauth in der vergangenen Woche erklärt, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Dabei werde dem Machtmissbrauch durch den Therapeuten Tür und Tor geöffnet.

Text und Foto: dpa /fw

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