Sexualdifferenzierungsstörungen betreffen Psyche und Körper

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Neue Untersuchungen belegen: Sexualdifferenzierungsstörungen betreffen die Psyche genauso wie den Körper

Es ist keine neue Erkenntnis, dass Kinder mit einer Sexualdifferenzierungsstörung (im Englischen: disorders of sex development = DSD) mit Herausforderungen leben müssen, jedoch fanden nun Forscher der Concordia Universität heraus, dass diese Beeinträchtigungen über die physische Ebene hinausgehen.

In einem Paper(DOI: 10.1055/s-0035-1549884) aus dem Journal Hormone and Metabolic Research legen die Autoren, Prof. Bukowski, Professor für Psychologie, Elizabeth McCauley und Thomas Mazur, die potenziellen Effekte der Entwicklungsstörungen auf die kindlichen und jugendlichen Peer-Beziehungen dar.

Der Begriff der Sexualdifferenzierungsstörungen umfasst eine Reihe von Syndromen. Dazu gehören körperliche Malformationen der Genitalien bis hormonelle Störungen, wie das komplette Androgeninsensivitätssyndrom, dessen Betroffene einen weiblichen Körper und einen männlichen Chromosomensatz aufweisen.

Es gibt einige Studien, die die Anpassung von den Individuen mit DSD analysiert haben. Basierend auf einem Review dieser Studien, betrachten nun die Wissenschaftler die Wichtigkeit von Beziehungen zu Gleichaltrigen als bedeutendes Element für die Sozialisation, das Selbstbild und das Selbstvertrauen. Die Arbeit untersucht zudem, wie die Menschen mit DSD benachteiligt werden, weil sie sich aufgrund ihrer körperlichen Differenzen anders als ihre Peers fühlen.

“Wenn du anders bist als die anderen Gleichaltrigen, ist es unwahrscheinlicher eine positive Beziehung zu jemandem aufzubauen,” sagt Prof. Bukowski. “Es fühlt sich immer so an, als sollte ich mich für diese Erkenntnis entschuldigen, aber so ist es.”

Es stellt sich die Frage, was gemacht werden kann, um die Chancen dafür zu erhöhen, dass die Kinder und Jugendlichen mit DSD ähnliche soziale Erfahrungen  machen können wie ihre Peers.

Prof. Bukowski sagt, dass es ein erster guter Schritt wäre, wenn man in der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit für die Diversität des menschlichen Körpers, einschließlich der Genitalien, stärken würde. “Viele junge Menschen sagen über sich, dass sie nicht wie die Anderen seien, dabei ist niemand wie die anderen! Es gibt eine enorme Variabilität. Ich denke das ist etwas, was die jüngeren Menschen mehr bedenken sollten.”

Ein anderer Schritt in die richtige Richtung wäre es, den DSD-betroffenen Menschen praktische Hilfe und Coping-Strategien an die Hand zu geben. “In den Umkleideräumen in den Schulen könnte man zum Beispiel kleine Kabinen aufstellen, sodass man sich unbeobachtet umziehen kann. Viele Schulen haben dies bereits umgesetzt, aber noch nicht alle,”  sagt Prof. Bukowski.

Es gibt Selbsthilfegruppen und Foren im Internet für Menschen mit DSD. Auf diesem Weg können sich Jugendliche mit DSD kennenlernen und Informationen austauschen. Dieser Austausch ist ein positiver Schritt und wird durch den erhöhten Konsum von sozialen Medien heutzutage häufiger und effektiver genutzt.

In ihrer Arbeit weisen Prof. Bukowski und seine Kollegen darauf hin, dass auf dem Gebiet noch viel wissenschaftliche Forschung betrieben werden müsse. Sie schlagen mehrere Richtungen für mögliche Forschungsprojekte vor. Eine Möglichkeit wäre es, eine Langzeitstudie durchzuführen, die mehrere Kinder mit DSD über mehrere Jahre begleitet. Ein anderer wichtiger Aspekt wäre es, Faktoren zu identifizieren, die Gefühle von Gemeinsamkeit vermitteln trotz physischer Unterschiede.

Text: esanum /ab

Foto: Lemon Tree Images /shutterstock.com

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