So gelingt Digitalisierung im Alter

Wie ältere Menschen die Kommunikation mit Smartphone oder PC lernen und wie der Prozess optimiert werden kann, haben sich Studierende der Universität Würzburg in einem Internet-Senioren-Café angesehen.

Vom Tippen und Wischen

Wie ältere Menschen die Kommunikation mit Smartphone oder PC lernen, haben sich Studierende der Universität Würzburg in einem Internet-Senioren-Café angesehen. Dabei konnten sie Aspekte herausarbeiten, wie der Lernerfolg optimiert werden kann – und das hat auch Einfluss auf die Digitalisierung in der medizinischen Praxis.

Drei Monate engagierten sich die Studierenden Pearl-Sue Carper, Stephanie Müller und Alexander Zwurtschek ehrenamtlich im Würzburger Café "Internet – Von Senioren für Senioren". Und sie untersuchten dabei den Lernprozess der Cafébesucherinnen und Besucher im Umgang mit digitalen Medien – natürlich mit deren Einverständnis.

Gegenseitiges Verständnis ist gefragt

Unter Literalität versteht man das Beherrschen von Lesen und Schreiben. Plurale Literalitäten meint die Erweiterung um neue Arten der Kommunikation im Kontext der Digitalisierung – also zum Beispiel Umgang und Kommunikation mit dem Smartphone, dem Tablet oder Computer. Den drei Studierenden ging es in ihrer Forschung jedoch nicht nur um das "was" an Smartphone oder PC gemacht wird, sondern auch um das "wie" – also die genauen Bewegungen, die mit der Hand gemacht werden, um die Geräte zu bedienen.

Die Studierenden fanden heraus, dass der Körper ein ganz zentrales Instrument beim Erlernen neuer digitaler Praktiken ist. "Tatsächliche Kompetenz wird nur durch das eigene Tun entwickelt. So können Praktiken erprobt und Ängste abgebaut werden", sagte Alexander Zwurtschek: "Darüber hinaus liegt der Schlüssel zum Abbau der Kluft zwischen Jung und Alt in mehr Verständnis für die beide Seiten, was nur durch gemeinsames Handeln gelingt." Über das Problem zu sprechen, reicht demnach also nicht.

Tipps für das Lernen mit neuen Technologien

Körperlichkeit, die Visualisierung von Erklärungen und eine stärkere Zusammenarbeit von Jung und Alt sind für die drei Studierenden drei wesentlichen Faktoren, um Seniorinnen und Senioren erfolgreich im Umgang mit digitalen Medien zu schulen.

"Der Unterschied zwischen Alt und Jung besteht nicht zwangsläufig im Wissen, wie etwas funktioniert, sondern vielmehr in der Gewohnheit", sagte Pearl-Sue Carper. Denn auch Jüngere würden die Prozesse meist nicht hinterfragen und verstünden auch nicht immer, wie Geräte und Anwendungen genau funktionieren. Carper ergänzte: "Der Unterschied liegt in der Routine, im sogenannten Körperwissen. Inkorporierte Bewegungen, die stark unterbewusst ablaufen und nur durch regelmäßiges 'Selbst-Tun' trainiert werden können.“

Metaphern spielen zudem eine wichtige Rolle, um Erklärungen verständlich zu gestalten. "Komplexe digitale Vorgänge werden mit einfachen Beispielen aus dem Alltag der älteren Menschen visualisiert", erklärte Stephanie Müller. Ihr Vorschlag für die Zukunft: "Diese Metaphern sollten wir katalogisieren und in Schaubildern zusammenfassen, als Verständnishilfen für häufige Begriffe aus der digitalen Welt."

Eine gewisse Kluft zwischen den Generationen mag zwar bestehen, ist aber alles andere als unüberwindbar, schreiben die Studierenden. Ihre Lösung: Zusammenarbeit und Empathie. "Auch Ältere lernen im Internetcafé extrem schnell, wenn sie mit Ihrem Wissen dort abgeholt werden, wo sie tatsächlich stehen, wie einer der Helfer so schön formulierte", sagte Zwurtschek. Gerade in der Familie scheitere die Vermittlung von Kompetenzen oft an für selbstverständlich gehaltenen Begrifflichkeiten, die von Älteren aber noch nicht verinnerlicht wurden. Jüngere müssten hier etwas sensibler reagieren. Gemeinsame Termine von Älteren und Jüngeren im Internetcafé oder an anderen geeigneten Orten wären hierfür ein guter Weg. 

Was heißt das für die ärztliche Praxis?

Für ÄrztInnen und ihre PatientInnen bedeutet das wiederum, zukünftig mehr gemeinsam und vor allem empathisch miteinander umzugehen. Und das gilt immer auch wechselseitig. Wer kennt sie nicht, die jungen PatientInnen, die einem die Gesundheits-App unter die Augen halten und wo so mancher Arzt oder die Ärztin sich erst einmal ganz in Ruhe eindenken müsste.

Doch auch das Gegenteil ist zu finden: Nicht immer ist es sinnvoll, auf Internet und Apps, z. B. zur Erinnerung bei der Medikamenteneinnahme, zu verweisen, wenn ältere PatientInnen im Alltag bisher nur wenige oder keine Berührung oder sogar Berührungsängste mit der Digitalisierung haben. Es gilt daher mehr denn je "gemeinsam und empathisch" vorzugehen, damit beide Seiten des Konsultationstisches auch Nutzen aus der digitalen Welt ziehen können.

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